| Daniel Finke |
| 19.02.2026 09:00 Uhr |
Ein weiteres Krankheitsbild, das vorwiegend bei geriatrischen Patienten auftritt, ist ein Dekubitus. Dabei handelt es sich um ein lokal begrenztes Druckgeschwür, das vor allem bei ¬bettlägerigen Patienten entsteht, bei denen die kontinuierliche Druckeinwirkung auf Hautareale über Knochenvorsprüngen wie Sakralbereich, Ferse oder Trochanter major nicht durch einen Lagewechsel kompensiert wird. Der Trochanter major ist ein markanter Knochenvorsprung am oberen, seitlichen Ende des Oberschenkelknochens.
Der mechanisch induzierte Gewebeschaden führt zu einer Minderdurchblutung mit daraus folgender Hypoxie, gestörter Nährstoffversorgung und verlangsamter Wundheilung, wodurch ein Dekubitus per Definition als chronische Wunde gilt.
Je nach Tiefe und Schädigungsgrad lassen sich nach einer internationalen Klassifikation vier Stadien unterscheiden, die entscheidend für die Therapie sind. Sie reichen von einer nicht wegdrückbaren Rötung intakter Haut (Stadium 1) bis hin zu tiefen Gewebedefekten mit freiliegenden Strukturen (Stadium 4).
Laut dem Dokument »Expertenstandard: Dekubitusprophylaxe in der Pflege« des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege sieht die aktuelle wissenschaftliche Evidenz vor, dass adäquate pflegerische Maßnahmen die Entstehung eines Dekubitus in den meisten Fällen verhindern können. Dazu zählen:
Das Dokument richtet sich insbesondere an Pflegefachkräfte, betont jedoch die interprofessionelle Bedeutung dieser Maßnahmen. Es ist somit auch für das pharmazeutische Personal relevant, insbesondere im Kontext der Patientenberatung.
Zentrale Elemente der Therapie sind die konsequente Druckentlastung und eine an das Wundstadium angepasste Wundversorgung. Das Ziel ist es, ein feuchtes Wundmilieu zu gewährleisten, Schmerzen zu minimieren und lokale sowie systemische Risikofaktoren zu adressieren. Bei tieferen oder infizierten Wunden können zusätzliche operative Maßnahmen, Débridement oder Vakuumtherapie angezeigt sein.
Zur modernen Wundversorgung bei Druckgeschwüren gehören idealfeuchte und hydroaktive Verbände. Die Auswahl geeigneter Wundauflagen richtet sich nach Leitlinien, zum Beispiel des Europäischen Dekubitus-Beratungsgremiums EPUAP (European Pressure Ulcer Advisory Panel), sowie nach klinischen Parametern wie Wundstadium, Exsudatmenge, Infektionsstatus und Zustand der Wundumgebung:
Eine sachgerechte Auswahl und Kombination dieser hydrokolloiden beziehungsweise hydroaktiven Systeme sind entscheidend für eine effektive Wundversorgung und damit für die Verbesserung der Heilungsprognose.