| Daniel Finke |
| 19.02.2026 09:00 Uhr |
Ältere und vorerkrankte Menschen sind besonders anfällig für chronische oder infizierte Wunden. / © Getty Images/Westend61
Für die Versorgung von Patienten mit Diabetes mellitus, chronischer venöser Insuffizienz oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit – die häufig in der Geriatrie zu verorten sind – liegt eine im Jahr 2023 aktualisierte S3-Leitlinie zur Wundbehandlung vor (AWMF-Registernummer 091 – 001). Sie entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung sowie unter Mitwirkung der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und dient dazu, schwer heilende und chronische Wunden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu behandeln.
Grundlage der Aktualisierung war eine systematische Auswertung von 308 wissenschaftlichen Publikationen aus den vergangenen sechs Jahren.
Eine Wunde ist eine Verletzung der Haut oder Schleimhaut, bei der die Schutzbarriere des Körpers unterbrochen ist und gegebenenfalls auch tiefere Gewebestrukturen betroffen sind. Dieser Zustand hat funktionelle Konsequenzen und birgt insbesondere Risiken für Infektionen sowie Mobilitätseinschränkungen. Die Einteilung von Wunden erfolgt anhand verschiedener Kriterien, darunter Ursache, zeitlicher Verlauf, morphologische Merkmale und Heilungstendenz. Diese Differenzierung ist für die Auswahl geeigneter Wundtherapeutika und die weitere Behandlung von zentraler Bedeutung.
Akute Wunden entstehen infolge eines plötzlichen Traumas, etwa durch Schnittverletzungen oder Stürze, und heilen in der Regel innerhalb von etwa drei Wochen komplikationslos ab. Chronische Wunden heilen dagegen länger als acht Wochen nicht ab und können durch das Vorliegen spezifischer Grunderkrankungen gekennzeichnet sein, beispielsweise beim diabetischen Fußsyndrom oder bei Dekubitalulzera. Sie erfordern eine kausale Mitbehandlung der Grunderkrankung und oft komplexe therapeutische Ansätze.
Außerdem lässt sich zwischen aseptischen und infizierten Wunden unterscheiden. Aseptische Wunden entstehen unter sterilen Bedingungen, etwa bei Operationen. Sie zeigen keine Entzündungszeichen und weisen glatte Wundränder auf. Infizierte Wunden zeigen dagegen klassische Entzündungszeichen wie Rötung, Schmerz, Funktionsverlust oder Eiterbildung und können eine systemische antimikrobielle Therapie erforderlich machen. Eiter entsteht durch Leukozytenansammlungen und Gewebeabbau und kann sowohl oberflächlich als auch in tieferen Gewebeschichten auftreten.
Mit Keimen besiedelte Wunden spiegeln unterschiedliche Grade der mikrobiellen Präsenz wider, von kontaminiert über (kritisch) kolonisiert bis hin zu manifest infiziert. »Kontaminiert« bedeutet, dass Mikroorganismen vorhanden sind, aber ohne Vermehrung oder Infektion. »Kolonisiert« meint, dass sich die Keime bereits vermehren, aber noch keine klinischen Symptome verursachen. Ist die Keimlast so hoch, dass die Heilung beeinträchtigt wird, aber noch keine manifeste Infektion vorliegt, spricht man von kritisch kolonisiert. Davon abzugrenzen ist die manifeste Infektion mit Entzündungszeichen.
Feuchte Wunden produzieren vermehrt Wundsekret (Exsudat) und erfordern ein angepasstes Exsudatmanagement mit absorbierenden Auflagen, um ein Aufquellen der Wundumgebung (Mazeration) zu vermeiden.
Im Gegensatz zu offenen Wunden versteht man unter geschlossenen Wunden Hämatome oder Prellungen, die nicht mit einer Unterbrechung der Hautbarriere einhergehen und sich therapeutisch grundlegend von offenen Läsionen unterscheiden.
Apothekenteams sollten sich gut mit Wundarten auskennen, um passende Verbandstoffe auszuwählen. / © Imago/Westend61
Primär und sekundär heilende Wunden unterscheiden sich hinsichtlich der Wundrandadaption. Primär heilende Wunden mit glatten Wundrändern schließen sich rasch unter schmaler Narbenbildung. Sekundär heilende Wunden schließen sich hingegen über Granulationsgewebe, benötigen deutlich mehr Zeit und gehen häufig mit einer breiteren Narbenbildung einher.
Darüber hinaus existieren spezielle Wundformen wie kutane Artefakte infolge selbstverletzenden Verhaltens, tiefe Wunden mit Beteiligung tieferer Gewebeschichten sowie traumatische Wunden mechanischer, thermischer oder chemischer Genese.
Für die Beratung in der Apotheke sind daher fundierte Kenntnisse und eine korrekte Einordnung der jeweiligen Wundart essenziell, da sie die Auswahl geeigneter Verbandstoffe, antimikrobieller oder unterstützender Produkte sowie Empfehlungen zur weiteren Versorgung maßgeblich beeinflussen.
Infizierte oder kritisch kolonisierte Wunden sind sowohl ambulant als auch stationär eine große Herausforderung. Vor allem Bakterien können sich im warmen, feuchten Wundumfeld vermehren und die Heilung verzögern. Sie gelangen entweder aus der Umwelt (Boden, Wasser, Tiere) oder als Bestandteil der Haut- und Schleimhautflora in die Wunde. Manche Bakterien produzieren auch Toxine oder bilden Biofilme. Letztere schützen die Keime vor antimikrobiellen Substanzen und erschweren die Immunabwehr, was die Persistenz von Infektionen fördert.
Wichtig: Bakterien finden sich häufig auch in Wunden, ohne dass eine Infektion vorliegt. Die reine Anwesenheit von Keimen ist daher noch kein verlässlicher Hinweis auf eine Infektion.
Um zu entscheiden, wie eine bakteriell infizierte Wunde behandelt werden soll, ist die Einteilung der Erreger nach drei Merkmalen entscheidend:

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Die folgenden Bakterienspezies sind die häufigsten Erreger, die sich in infizierten Wunden finden lassen. Zu den grampositiven Erregern zählen:
Unter den gramnegativen Bakterien sind folgende Spezies häufig in Wunden zu finden:
Eine Wunddesinfektion reduziert gezielt Mikroorganismen im Wundbereich und senkt so das Infektionsrisiko oder kontrolliert bestehende Infektionen. Antiseptika wirken unspezifisch gegen Bakterien, Viren und Pilze. Im Gegensatz zu Antibiotika unterliegen sie keiner selektiven Resistenzbildung, haben ein breites Spektrum und wirken meist schnell (Kasten).
Die Wunddesinfektion darf nicht mit der Wundreinigung beziehungsweise dem Débridement verwechselt werden. Débridement bezeichnet die medizinische Entfernung von abgestorbenem, infiziertem oder fremdem Gewebe (Nekrosen, Beläge, Schorf) aus einer Wunde, um die Heilung zu fördern, Infektionen zu verhindern und das Wundbett für eine bessere Beurteilung und Behandlung vorzubereiten. Wundreinigung oder Débridement sollten bei jedem Verbandwechsel durchgeführt werden.
Eine Desinfektion erfolgt nur nach Bedarf, da antiseptische Substanzen bei unsachgemäßer Anwendung auch körpereigene Zellen schädigen und die Heilung verzögern können. Sie ist dann sinnvoll, wenn ein hohes Infektionsrisiko besteht (zum Beispiel nach einem Tier- oder Menschenbiss), typische Infektionszeichen auftreten oder eine bakterielle Besiedlung die Heilung beeinträchtigt.
Bei chronischen Wunden ist eine bakterielle Besiedlung fast immer vorhanden. Entscheidend ist die Menge der Keime. Zur Bestimmung von Erregerzahl und -art wird häufig ein bakteriologischer Abstrich durchgeführt (Kasten).

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Die Wahl des geeigneten Antiseptikums richtet sich nach Wirkspektrum, Gewebeverträglichkeit und klinischer Situation.
Eine häufige Infektion, die vorwiegend ab der zweiten Lebenshälfte auftritt, ist die Wundrose. Dabei handelt es sich um eine mit Antibiotika gut behandelbare Infektion, die jedoch bei ausbleibender oder verzögerter Therapie das Risiko für schwerwiegende bis lebensbedrohliche Komplikationen birgt. Außerdem gibt es eine hohe Rezidivneigung. Die Inzidenz der Erkrankung liegt bei 1 zu 1000 Einwohnern pro Jahr mit einem Altersgipfel um das 50. Lebensjahr.
Die Wundrose, auch Erysipel genannt, ist eine akute, nicht eitrige, meist einseitig auftretende Infektion der Dermis und der dermalen Lymphgefäße – meist ausgelöst durch β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A wie Streptococcus pyogenes. Aber auch Staphylokokken wie MRSA können beteiligt sein; seltener E. coli oder Pseudomonas aeruginosa, die häufig nur bei bestimmten nekrotisierenden Formen oder bei Wundrose mit Blasenbildung (bullöses Erysipel) vorkommen.
Eintrittspforten für die Erreger sind meist kleine Hautläsionen, die beispielsweise durch Wunden, Schrunden, Fußpilzläsionen, Ulzera, Insektenstiche, Venenzugänge oder Einstichstellen von Injektionen entstanden sind.
Die Infektion kann sich rasant über die Lymphbahnen und ins Interstitium ausbreiten. Problematisch wird es, wenn sie Subkutis, Faszien und Muskeln erreicht. Experten sprechen dann von einer Hautphlegmone. Das Bakterium Streptococcus pyogenes kann sich besonders gut ausbreiten, da es Enzyme wie Hyaluronidasen, Kollagenasen und DNasen sowie hämolysierendes Streptolysin O produziert.
Charakteristisch für ein Erysipel ist eine scharf begrenzte flammenförmige Rötung, die sich zungenförmig ausbreitet. / © Adobe Stock/Milena
Zu den Risikofaktoren für ein Erysipel zählen Diabetes mellitus, Immunsuppression, chronische Wunden oder Störungen der Hautbarriere, außerdem Adipositas, eine chronisch venöse Insuffizienz und chronisches Lymphödem.
Die Wundrose zeigt sich als scharf begrenzte, flammenartig ausbreitende, plaqueartige Rötung der Haut, die zunehmend anschwillt. Die betroffenen Hautareale sind überwärmt, schmerzhaft und hochgradig berührungsempfindlich. Regionale Lymphknoten schwellen reaktiv an. Hinzu kommen allgemeine Infektanzeichen wie Abgeschlagenheit, Fieber und Schüttelfrost, die bei geriatrischen oder immunsupprimierten Patienten jedoch abgeschwächt sein können.
In rund drei Viertel aller Fälle ist der Unterschenkel betroffen, seltener der Arm oder das Gesicht (bei etwa 15 Prozent der Wundrosen) – dort vor allem die Ohrmuscheln.
Durch Entzündungsreaktionen und gegebenenfalls durch Bakterientoxine kann es zu Blasenbildung (bullöses Erysipel), Einblutungen (hämorrhagisches Erysipel) oder auch Nekrosen (Erysipelas gangraenosum) kommen.
Insbesondere bei nicht adäquater, fehlender oder verzögerter Behandlung drohen Konsequenzen. So kann die Infektion beispielsweise auf benachbarte Gewebe beziehungsweise Körperregionen übergreifen oder es kann sich eine Bakteriämie bis hin zu einer lebensbedrohlichen Sepsis ausbilden. Bei Gesichtsbefall besteht außerdem die Gefahr einer Sinusvenenthrombose. Des Weiteren können die Toxine der Streptokokken zu weiteren Komplikationen führen. Diese reichen von rheumatischem Fieber, über Scharlach und eine post-infektiöse Entzündung der Nierenkörperchen bis hin zum toxischen Schocksyndrom mit Multiorganversagen.
Bei häufigen Rezidiven der Wundrose besteht zudem die Gefahr, dass es zur Fibrose der befallenen Lymphabflusswege und damit zu einem chronischen Lymphödem kommt. Dieses kann wiederum für weitere Erysipele verantwortlich sein.
Zur Feststellung der Wundrose stützen sich Ärzte primär auf den Hautbefund, aber auch der Entzündungswert CRP (in der Regel ≥ 3,27 mg/dl), die Leukozytenzahl und die Erythrozytensedimentationsrate (erhöht) können zu einer korrekten Diagnose beitragen, während Hautabstriche eher problematisch sind. Bei Letzteren kann es sehr schwierig sein, zu unterscheiden, ob es sich bei nachgewiesenen Keimen um die tatsächlichen Erreger handelt oder um wenig relevante Bakterien der Hautflora.
In der Apotheke oder der Arztpraxis sollte im Zusammenhang mit einer vermuteten Wundrose auch nach weiteren potenziellen Auslösern für die Hautveränderung gefragt werden. Vorangegangene Traumata oder Operationen können auf eine Phlegmone oder nekrotisierende Fasziitis hindeuten. Nekrotisierende Fasziitis ist eine schwere bakterielle Infektion der Faszien, die schnell Gewebe zerstört und eine sofortige chirurgische Behandlung erfordert.
Zudem sollte die Farbe der Hautoberfläche beurteilt werden. So deutet eine hellrote, »flammende« und glänzende Oberfläche auf ein klassisches Erysipel hin, wohingegen Blasenbildung, Symptome einer vermehrten Blutungsneigung und/oder Anzeichen einer Nekrose eher für ein »kompliziertes Erysipel« sprechen, das oft eine Behandlung im Krankenhaus erfordert.
Liegen eine dunkle beziehungsweise bläulich-graue Färbung, eine matte Oberfläche und eine unscharfe Begrenzung der Hautveränderung vor, kann dies ein Hinweis auf eine (begrenzte) Phlegmone sein. Ebenso kann ein schmerzhaftes, teigiges Ödem um eine Wunde laut der Leitlinie ein Hinweis auf eine Phlegmone sein.
Ist die Rötung unscharf begrenzt und kommen ein Ödem und stärkste Schmerzen (»Vernichtungsschmerz«) hinzu, spricht dies für eine nekrotisierende Fasziitis Typ 2, die mit einer hohen Letalität verbunden ist.
Eine Wundrose muss antibiotisch behandelt werden, um Komplikationen zu vermeiden. / © Getty Images/Riska
Die aktuelle Leitlinie empfiehlt als Mittel der ersten Wahl Penicilline, da sie hervorragend gegen Streptokokken wirken und sich bislang keine Resistenzen gezeigt haben. Für Erwachsene kann so die Erstwahl zum Beispiel auf Penicillin V oral fallen, etwa in der Dosis dreimal täglich eine Tablette à 1,2 Millionen Einheiten, für 7 bis 14 Tage. Alternativ kommt Flucloxacillin in Dosierungen von 500 Milligramm bis 1 Gramm viermal täglich für fünf bis sieben Tage in Betracht. Eine längere Therapiedauer von bis zu 14 Tagen kann je nach Verlauf angezeigt sein. Bei einer Penicillinallergie kann auf Clarithromycin oder Erythromycin ausgewichen werden.
Zu den nicht medikamentösen Maßnahmen zählen das Hochlagern und Schonen der betroffenen Extremität, kühle Umschläge sowie die Wiederherstellung der Hautbarriere.
Nehmen Rötung, Schmerzen und Fieber zu, sind dies Warnzeichen. Ebenfalls empfiehlt die Leitlinie eine Arztrücksprache, wenn binnen zwei bis drei Tagen nach Therapiebeginn keine Besserung eintritt.
Moderate Bewegung kann die Wundheilung fördern, da sie die Durchblutung anregt, den Zellstoffwechsel verbessert und die Sauerstoffversorgung im Gewebe erhöht. / © Adobe Stock/Martin Naujocks
Der erfolgreiche Umgang mit Erysipelen erfordert ein gut funktionierendes Zusammenspiel zwischen Arztpraxis, Apotheke und Pflege. Hierbei nimmt das Apothekenteam eine wichtige Rolle ein. Es berät etwa zur korrekten Einnahme des Antibiotikums (Dosierung, Dauer, Nebenwirkungen, Interaktionen) oder informiert zu Haut- und Fußpflege. Dies ist insbesondere für Patienten mit Diabetes relevant, die etwa auf Anzeichen einer Pilzinfektion zwischen den Zehen achten und Feuchtigkeitsstau vermeiden sollten.
Außerdem kann das Apothekenteam die Medikationsadhärenz kontrollieren und darauf hinweisen, wann ein erneuter Arztbesuch indiziert ist (fehlende Verbesserung nach 48 bis 72 Stunden). Es berät darüber hinaus zur Begleitmedikation, die beispielsweise Kompressionsmittel und Hautschutzprodukte umfassen kann.
Ein weiteres Krankheitsbild, das vorwiegend bei geriatrischen Patienten auftritt, ist ein Dekubitus. Dabei handelt es sich um ein lokal begrenztes Druckgeschwür, das vor allem bei ¬bettlägerigen Patienten entsteht, bei denen die kontinuierliche Druckeinwirkung auf Hautareale über Knochenvorsprüngen wie Sakralbereich, Ferse oder Trochanter major nicht durch einen Lagewechsel kompensiert wird. Der Trochanter major ist ein markanter Knochenvorsprung am oberen, seitlichen Ende des Oberschenkelknochens.
Der mechanisch induzierte Gewebeschaden führt zu einer Minderdurchblutung mit daraus folgender Hypoxie, gestörter Nährstoffversorgung und verlangsamter Wundheilung, wodurch ein Dekubitus per Definition als chronische Wunde gilt.
Je nach Tiefe und Schädigungsgrad lassen sich nach einer internationalen Klassifikation vier Stadien unterscheiden, die entscheidend für die Therapie sind. Sie reichen von einer nicht wegdrückbaren Rötung intakter Haut (Stadium 1) bis hin zu tiefen Gewebedefekten mit freiliegenden Strukturen (Stadium 4).
Laut dem Dokument »Expertenstandard: Dekubitusprophylaxe in der Pflege« des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege sieht die aktuelle wissenschaftliche Evidenz vor, dass adäquate pflegerische Maßnahmen die Entstehung eines Dekubitus in den meisten Fällen verhindern können. Dazu zählen:
Das Dokument richtet sich insbesondere an Pflegefachkräfte, betont jedoch die interprofessionelle Bedeutung dieser Maßnahmen. Es ist somit auch für das pharmazeutische Personal relevant, insbesondere im Kontext der Patientenberatung.
Zentrale Elemente der Therapie sind die konsequente Druckentlastung und eine an das Wundstadium angepasste Wundversorgung. Das Ziel ist es, ein feuchtes Wundmilieu zu gewährleisten, Schmerzen zu minimieren und lokale sowie systemische Risikofaktoren zu adressieren. Bei tieferen oder infizierten Wunden können zusätzliche operative Maßnahmen, Débridement oder Vakuumtherapie angezeigt sein.
Zur modernen Wundversorgung bei Druckgeschwüren gehören idealfeuchte und hydroaktive Verbände. Die Auswahl geeigneter Wundauflagen richtet sich nach Leitlinien, zum Beispiel des Europäischen Dekubitus-Beratungsgremiums EPUAP (European Pressure Ulcer Advisory Panel), sowie nach klinischen Parametern wie Wundstadium, Exsudatmenge, Infektionsstatus und Zustand der Wundumgebung:
Eine sachgerechte Auswahl und Kombination dieser hydrokolloiden beziehungsweise hydroaktiven Systeme sind entscheidend für eine effektive Wundversorgung und damit für die Verbesserung der Heilungsprognose.
Bestimmte Grunderkrankungen, darunter das diabetische Fußsyndrom (DFS), erhöhen das Risiko für Wunden und Infektionen. Die Hauptursachen für das Syndrom sind die diabetische Neuropathie und Angiopathie, die in der Folge zu Nerven- und Gefäßschäden mit reduzierter Schmerz- und Druckwahrnehmung sowie zu eingeschränkter Durchblutung führen (mehr dazu lesen Sie auch im Titelbeitrag der PZ-Ausgabe 25/2025). Das wiederum begünstigt schwer heilende Wunden. Außerdem können Muskelatrophien, Fußdeformitäten und rissige Haut im Zuge des DFS das Infektionsrisiko erhöhen.
Selbst oberflächliche Läsionen können schnell zu tiefen Ulzerationen und Infektionen führen, bis hin zu Gewebsnekrosen oder im Extremfall Amputationen. Rund 60 Prozent dieser Amputationen ließen sich durch multidisziplinäre Therapieansätze vermeiden.
Die frühe Erkennung und adäquate Kontrolle von Infektionen sind daher essenziell. Bei der Diagnostik wird anhand von lokalen und systemischen Entzündungszeichen zwischen Kontamination, Kolonisation und manifester Infektion der Wunde unterschieden, ebenso zwischen lokaler und systemischer Ausbreitung.
Für Patienten mit erhöhtem Risiko für das diabetische Fußsyndrom empfiehlt sich eine regelmäßige, professionelle Fußpflege. / © Imago/Joker
Bei einer ausgeprägten Infektion oder erhöhtem Risiko einer Ausbreitung ist eine systemische Antibiose, idealerweise nach einem Antibiogramm, indiziert. Bei einem örtlich begrenzten Befund können lokale Antiseptika sinnvoll sein, zum Beispiel Polihexanid oder Octenidin.
Zu einer modernen Wund- und Infektionskontrolle zählen außerdem die bereits genannte Wundreinigung beziehungsweise das Débridement sowie eine stadiengerechte Wundtherapie mit idealfeuchter Versorgung. Bei nässenden Läsionen sind Alginat- oder Hydrofaser-Verbände etabliert, zur Exsudatkontrolle und Feuchtigkeitsregulation außerdem Polyurethan-Schaumverbände.
Essenziell ist außerdem, die betroffenen Areale zu entlasten, zum Beispiel durch spezielle Entlastungsschuhe, Orthesen oder Total-Contact-Casts. Letzteres ist ein angepasster Unterschenkelgips.
Um Geschwüre und Verletzungen im Vorhinein zu vermeiden, sind regelmäßige Fußkontrollen in individuell geeigneten Intervallen essenziell – von jährlich bei geringer Gefährdung bis hin zu monatlich bei vorbestehenden Ulzera oder Amputationen. Weitere Schlüsselfaktoren sind medizinische Fußpflege, geeignete Schuhe und Einlagen.
Chronische und infizierte Wunden erfordern ein strukturiertes, leitlinienbasiertes Vorgehen, das sowohl die lokale Wundsituation als auch zugrunde liegende Erkrankungen berücksichtigt. Eine präzise Einordnung von Wundtyp, Infektionsstatus und Risikofaktoren bildet die Basis für eine zielgerichtete Therapie und eine realistische Einschätzung des Heilungsverlaufs.
Gerade in der interprofessionellen Zusammenarbeit kommt der Apotheke dabei eine zentrale Rolle zu: durch fundierte Beratung, Förderung der Therapieadhärenz und frühzeitiges Erkennen von Warnzeichen. So kann sie wesentlich dazu beitragen, Komplikationen zu vermeiden und die Versorgungsqualität von Patienten mit komplexen Wunden nachhaltig zu verbessern.
Daniel Finke ist Fachapotheker für Allgemeinpharmazie sowie AMTS-Manager. Von November 2015 bis Juni 2019 war er stellvertretender Filialleiter der Burg-Apotheke in Nienborg bei Münster. Danach wechselte er nach Osnabrück in eine öffentliche Apotheke mit Schwerpunkt Rheumatologie und Onkologie. Finke arbeitet seit 2015 als unabhängiger Referent für zahlreiche Apothekerkammern, Verbände und Pflegeeinrichtungen, wobei im Fokus praxisrelevante Themen, vor allem aus der Selbstmedikation, stehen. Zudem betreut er Pharmazeuten im Praktikum in Arbeitszirkeln der Apothekerkammer Westfalen-Lippe.