| Daniel Finke |
| 19.02.2026 09:00 Uhr |
Durch Entzündungsreaktionen und gegebenenfalls durch Bakterientoxine kann es zu Blasenbildung (bullöses Erysipel), Einblutungen (hämorrhagisches Erysipel) oder auch Nekrosen (Erysipelas gangraenosum) kommen.
Insbesondere bei nicht adäquater, fehlender oder verzögerter Behandlung drohen Konsequenzen. So kann die Infektion beispielsweise auf benachbarte Gewebe beziehungsweise Körperregionen übergreifen oder es kann sich eine Bakteriämie bis hin zu einer lebensbedrohlichen Sepsis ausbilden. Bei Gesichtsbefall besteht außerdem die Gefahr einer Sinusvenenthrombose. Des Weiteren können die Toxine der Streptokokken zu weiteren Komplikationen führen. Diese reichen von rheumatischem Fieber, über Scharlach und eine post-infektiöse Entzündung der Nierenkörperchen bis hin zum toxischen Schocksyndrom mit Multiorganversagen.
Bei häufigen Rezidiven der Wundrose besteht zudem die Gefahr, dass es zur Fibrose der befallenen Lymphabflusswege und damit zu einem chronischen Lymphödem kommt. Dieses kann wiederum für weitere Erysipele verantwortlich sein.
Zur Feststellung der Wundrose stützen sich Ärzte primär auf den Hautbefund, aber auch der Entzündungswert CRP (in der Regel ≥ 3,27 mg/dl), die Leukozytenzahl und die Erythrozytensedimentationsrate (erhöht) können zu einer korrekten Diagnose beitragen, während Hautabstriche eher problematisch sind. Bei Letzteren kann es sehr schwierig sein, zu unterscheiden, ob es sich bei nachgewiesenen Keimen um die tatsächlichen Erreger handelt oder um wenig relevante Bakterien der Hautflora.
In der Apotheke oder der Arztpraxis sollte im Zusammenhang mit einer vermuteten Wundrose auch nach weiteren potenziellen Auslösern für die Hautveränderung gefragt werden. Vorangegangene Traumata oder Operationen können auf eine Phlegmone oder nekrotisierende Fasziitis hindeuten. Nekrotisierende Fasziitis ist eine schwere bakterielle Infektion der Faszien, die schnell Gewebe zerstört und eine sofortige chirurgische Behandlung erfordert.
Zudem sollte die Farbe der Hautoberfläche beurteilt werden. So deutet eine hellrote, »flammende« und glänzende Oberfläche auf ein klassisches Erysipel hin, wohingegen Blasenbildung, Symptome einer vermehrten Blutungsneigung und/oder Anzeichen einer Nekrose eher für ein »kompliziertes Erysipel« sprechen, das oft eine Behandlung im Krankenhaus erfordert.
Liegen eine dunkle beziehungsweise bläulich-graue Färbung, eine matte Oberfläche und eine unscharfe Begrenzung der Hautveränderung vor, kann dies ein Hinweis auf eine (begrenzte) Phlegmone sein. Ebenso kann ein schmerzhaftes, teigiges Ödem um eine Wunde laut der Leitlinie ein Hinweis auf eine Phlegmone sein.
Ist die Rötung unscharf begrenzt und kommen ein Ödem und stärkste Schmerzen (»Vernichtungsschmerz«) hinzu, spricht dies für eine nekrotisierende Fasziitis Typ 2, die mit einer hohen Letalität verbunden ist.