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Bundesweite Testphase

Gematik-Kritik: Beim E-Rezept ziehen nicht alle mit

Eigentlich befindet sich die Einführung des E-Rezepts im Endspurt. Doch erst jetzt übt die Gematik öffentlich Kritik an dem Prozess. In ihren Augen haben bislang zu wenige Partner den Ablauf durchgespielt. Damit sieht die Gesellschaft den möglichst reibungslosen Start ab dem 1. Januar 2022 in Gefahr.
Jennifer Evans
02.12.2021  11:30 Uhr

Das E-Rezept testen bislang nur wenige Arztpraxen und Apotheken in der Fokusregion Berlin/Brandenburg. Seit dem 1. Dezember können nun aber auch Softwareanbieter von Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäusern sowie Abrechnungszentren in ganz Deutschaland an der Testphase teilnehmen. Das hatte die Gematik, deren Anteile seit 2019 zu 51 Prozent dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gehören, bei der letzten Sitzung der Gesellschafterversammlung durchgesetzt. Die PZ hatte darüber berichtet, dass die Gesellschafter weniger begeistert davon waren, weil noch nicht alle Softwarehäuser der Ärzte sowie Apothekenrechenzentren die E-Rezept-Datensätze erzeugen oder abrechnen können. Sie plädierten dafür, das E-Rezept erst in der Fläche zu testen, wenn die technischen Probleme aus dem Weg geräumt sind, unter anderem um die Patienten zu schützen.

Die Gematik zeigt sich nun deutlich unzufrieden mit der Resonanz der beteiligten Partner, den E-Rezept-Prozess einmal zu proben. In einer Mitteilung kritisiert sie: »Trotz des mehrfachen Angebots haben bisher nur vier Praxisverwaltungssysteme an der Testphase teilgenommen, obwohl der Marktanteil der von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zertifizierten Praxisverwaltungssysteme bereits bei 94 Prozent liegt«. Auch die Anzahl der beteiligten Kassen – derzeit sind es AOK Nordost und IKK BB – ist nach Auffassung der Gematik »noch zu gering«. Daher appelliert die Gesellschaft bei einem »Projekt dieser Größenordnung« nun eindringlich an ein »gemeinsames Miteinander» 

In ihrer Mitteilung hebt die Gematik weiter hervor, dass ein möglichst reibungsloser flächendeckender Start des E-Rezepts samt dessen Abrechnungsprozess nur gelingen kann, wenn er optimal vorbereitet ist. Gemeint ist wieder, dass jetzt möglichst viele Softwareanbieter und Krankenkassen das Prozedere testen sollten, um so viele unterschiedliche Konstellationen wie möglich durzuspielen, sprich verschiedene Systeme in Arztpraxen, Apotheken und bei den Krankenkassen zum Einsatz kommen.

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