Meist bleiben Angstsymptome und depressive Verstimmungen unterhalb des Niveaus einer psychischen Störung. Dennoch können sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Davon abzugrenzen sind manifeste behandlungsbedürftige Erkrankungen. Auch deren Inzidenz nimmt in der Perimenopause zu. Wie Schwenkhagen betont, stellen die Jahre vor der letzten Monatsblutung ein »vulnerables Fenster« für die psychische Gesundheit dar. Das Risiko für eine schwere depressive Episode steigt in dieser Phase je nach Studie um 30 bis über 200 Prozent. Besonders gefährdet sind Frauen, die bereits in der Vergangenheit an Depressionen litten, zum Beispiel nach einer Entbindung, oder die stressvolle Ereignisse wie den Tod eines nahen Angehörigen oder eine Trennung erleben. Auch bei Frauen, die an vasomotorischen Beschwerden oder Schlafstörungen leiden, ist das Risiko höher, dass sich eine manifeste Depression entwickelt.
Mögliche Zeichen: Die niedergeschlagene Stimmung hält länger als zwei Wochen an, Antriebslosigkeit und Dauererschöpfung kommen hinzu und die Freude an gewohnten Hobbys geht verloren. Solche Symptome sollte die Patientin unbedingt ärztlich abklären lassen.
Phobien, klinisch relevante Angststörungen und Manien scheinen im Klimakterium ebenfalls vermehrt aufzutreten. Frauen mit einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung (AD[H]S) erleben in der Perimenopause oft eine Verschlechterung ihrer Symptome, zum Beispiel von Ablenkbarkeit, emotionaler Instabilität und Stressempfindlichkeit.

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Migräne: Bei etwa der Hälfte der Migräne-Patientinnen nimmt die Zahl der Attacken in der Perimenopause zu. Damit muss man insbesondere dann rechnen, wenn die Migräne zuvor in zeitlichem Zusammenhang mit dem Zyklus auftrat. Schuld sind vor allem die extremen Estrogen-Schwankungen. Nach der Menopause gehen die Beschwerden oft zurück.
Tinnitus: Viele Frauen berichten, dass in der Perimenopause erstmals ein Ohrgeräusch aufgetreten ist oder sich verschlechtert hat. Einzelne Studien legen eine protektive Rolle von Estrogen bei der Entstehung von Tinnitus nahe. Manche belegen ein höheres Risiko durch eine HRT, andere dagegen eine Verbesserung.
Brennende Zunge oder Füße: Möglicherweise fördert der Estrogen-Rückgang Missempfindungen und Parästhesien – vor allem an den Extremitäten, aber auch an der Zunge. Viele Frauen spüren solche Symptome in den Wechseljahren. Auch das Restless-Legs-Syndrom scheint häufiger aufzutreten. Ein eindeutiger Zusammenhang ist aber bisher nicht nachgewiesen.