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Perimenopause
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Geist und Seele können leiden

Nebel im Kopf, Stimmungsschwankungen, schlechter Schlaf: In der Perimenopause, den Jahren vor der letzten Monatsblutung, leiden viele Frauen an psychischen und kognitiven Beschwerden. Wie hormonelle Veränderungen das Nervensystem beeinflussen, rückt zunehmend ins Zentrum der Forschung.
AutorKontaktClara Wildenrath
Datum 05.03.2026  07:00 Uhr

Traditionell gelten Hitzewallungen als typisches und häufigstes Symptom des Klimakteriums (Wechseljahre). Auch die medizinische Versorgung konzentriert sich hauptsächlich auf vasomotorische Beschwerden. Wie Umfragen jedoch immer wieder zeigen, belasten psychische und kognitive Probleme Frauen in den Wechseljahren oft stärker als körperliche. Nicht zuletzt deshalb, weil sie ihnen häufig völlig unverständlich erscheinen: Sie erkennen sich selbst nicht wieder – sind plötzlich launisch, nervös und vergesslich – und wissen nicht, dass die hormonelle Umstellung daran beteiligt sein könnte. Viele fühlen sich in ihrer beruflichen Tätigkeit stark eingeschränkt, weil sie beispielsweise Stress nicht mehr gut wegstecken können oder mit Konzentrationsschwierigkeiten kämpfen.

»Nach unserem heutigen Verständnis sind vor allem die extremen Schwankungen des Estrogenspiegels für diese Beschwerden verantwortlich«, erklärt Dr. Anneliese Schwenkhagen im Gespräch mit der PZ. Sie ist Vorstandsmitglied der Deutschen Menopause-Gesellschaft und Mitinhaberin einer Praxis für gynäkologische Endokrinologie in Hamburg.

Physiologisches Chaos der Hormone

In der Perimenopause geht die ovarielle Reserve zur Neige, gleichzeitig nimmt die Eizellenqualität ab. Um die Ovarien zu stimulieren, produziert die Hypophyse immer mehr FSH (Follikel-stimulierendes Hormon). Die Follikelreifung wird immer unkoordinierter; zum Teil reifen mehrere Follikel gleichzeitig oder zeitversetzt heran. Mal bleibt der Eisprung aus, mal kommt es zu sogenannten LOOP-Events (Luteal Out Of Phase): Die Follikelreifung beginnt schon in der Gelbkörperphase und nicht wie im regulären Zyklus mit Beginn der Menstruation. Dadurch findet die nächste Ovulation manchmal noch während der Blutung statt. All dies könne zu exzessiv hohen Estradiol-Werten führen, so Schwenkhagen.

Progesteron werde zeitweise ausreichend produziert, zeitweise aber auch kaum oder gar nicht. Dann fehlt die beruhigende Wirkung des Gelbkörperhormons.

Für diese starken hormonellen Schwankungen seien das Gehirn und das Nervensystem nicht ausgelegt. Besonders anfällig für psychische und kognitive Probleme in den Wechseljahren sind Schwenkhagen zufolge Frauen, die bereits früher Zeichen eines hormonsensitiven Gehirns gezeigt haben, beispielsweise eine zyklusgebundene Migräne, postpartale Depression oder eine prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS).

Bei vielen Frauen macht sich das perimenopausale Hormonchaos schon früh durch eine zunehmende Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen bemerkbar. Die Stressempfindlichkeit steigt, die Nerven liegen schnell blank und der geringste Anlass kann zu Gefühlsausbrüchen führen. Im angloamerikanischen Sprachraum heißt dieses Phänomen »Meno Rage«. Manche Frauen spüren auch eine ungewohnte Ängstlichkeit, neigen stärker als gewohnt zum Grübeln oder erleben Phasen scheinbar grundloser Traurigkeit.

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