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Mitgliederversammlung

Gedisa: Keine Mehrheit vom AVWL

Gutachten rieten von Beteiligung ab

Parallel hatte der Verband mehrere Gutachten in Auftrag gegeben. Der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Ulrich Strunk kam zu dem Ergebnis, dass der vorgelegte Business-Plan für die Gedisa »unbrauchbar«, »ungenügend« und »falsch in der Darstellung« sei und damit »keine ausreichende Entscheidungsgrundlage« biete. Demnach fehlt dem Plan eine gründliche Marktanalyse und der Finanzierungsbedarf sowie die Planbilanzen und Ertragsaussichten. Seiner Auffassung nach handelt es sich bei der Digital-Gesellschaft um ein »Start-up« und »Blind-Tool«.

Auch der Rechtsanwalt Ralf Wickert warnte vor den möglicherweise explodierenden Kosten des Projekts und dem Szenario, wenn die Refinanzierung über die ebenfalls heute beschlossene Sonderumlage nicht mehr funktioniere. Außerdem kritisierte er die fehlende Einflussmöglichkeit der Mitglieder auf die Gedisa und die mangelnde Auskunftsbereitschaft seitens des DAV.

Die vielen Wortmeldungen der Mitglieder fielen gemischt aus. Fast alle lobten die »gründliche Arbeit« des AVWL-Vorstands, sahen in der Gedisa aber meist deutlich mehr Vorteile als Risiken. Auch ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening meldete sich in der Diskussion zu Wort. Sie appellierte an die Geschlossenheit der Apothekerschaft und warb für die Chance des Portals, die Abhängigkeit von anderen Playern auf dem Markt zu reduzieren. 

Zugang auch für Nicht-Mitglieder

Um die Coronavirus-Impfzertifikate auszustellen, nutzt schon jetzt die Mehrheit der Offizinen das »Apothekenportal«. Und auch Patienten können über die zugehörige Anwendung »Mein Apothekenmanager« etwa eine Apothekensuche starten oder Rezepte vorbestellen. Auch ein (Video-)Chat, der die Kommunikation mit Kunden und anderen Heilberuflern erleichtern soll, sowie eine Kalender-, Terminbuchungs- und Dokumentenfunktion sind vorgesehen. Darüber berichtete bei der heutigen virtuellen Veranstaltung der neue Geschäftsführer der Gedisa, Sören Friedrich. Er war zuvor Abteilungsleiter IT/Telematik bei der ABDA.

Über das Portal sollen sich zudem künftig sowohl Corona-Tests und -Impfungen als auch Video-Sprechstunden vereinbaren lassen. Außerdem wird es demnächst ein Botendienstmanagement und ein cloudbasiertes Archiv geben. Dabei laufen alle Funktionen unabhängig von einem bestimmten Betriebssystem, sind also als webbasierte Lösungen konzipiert. Friedrich kündigte an, dass viele der Funktionen bereits im 2. Quartal dieses Jahres zur Verfügung stehen. Als deutlichen Pluspunkt des Portals hob er hervor, dass es sich um eine Applikation handelt, die auf einen Schlag alle Apotheken in Deutschland erreicht, was etwaige Mitbewerber seiner Ansicht nach nicht leisten können.  

Für den Aufbau und den Betrieb der Gesellschaft sind in den kommenden drei Jahren insgesamt etwa 35 Millionen Euro veranschlagt, was in etwa 50 Euro im Monat für jede Apotheke hierzulande bedeutet. Die bereits beteiligten Verbände erhöhten daher bis einschließlich 2024 ihre Jahresbeiträge um 600 Euro pro Betriebsstätte. Im Anschluss soll sich das Portal über die Apotheken tragen, die dann einzelne Features wie ein Abonnement buchen und bezahlen können. Auch einen Zugang für Nicht-Mitglieder soll es in Zukunft geben. 

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