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Antibiotika-Tabellen

Für Kinder und Erwachsene

Tonsillopharyngitiden werden überwiegend viral ausgelöst. Der häufigste bakterielle Erreger ist Streptococcus pyogenes (β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A) mit einer Prävalenz von etwa 50 bis 70 Prozent. Eine Indikation für eine Antibiotika-Therapie besteht, wenn eine gesicherte Streptokokken-Infektion nach positivem Antigentest oder Rachenabstrich oder ein hochgradiger Verdacht mit einem McIsaac-Score von 4 bis 5 gegeben ist (5–7).

In Deutschland treten jährlich 1 bis 1,5 Millionen akute Streptokokken-Tonsillopharyngitiden auf, wobei Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren am häufigsten betroffen sind (8). Daher wurde für diese Indikation eine Vergleichstabelle erstellt.

Als Mittel der Wahl werden Phenoxymethylpenicillin-Kalium sowie Phenoxymethylpenicillin-Benzathin, mit einer deutlich kürzeren Halbwertszeit, eingesetzt. Als Alternativen bei Therapieversagen oder Penicillinallergie werden Cephalosporine der ersten oder zweiten Generation, Makrolide und Clindamycin empfohlen (9, 7).

Fallbeispiel: Aut-simile-Prozess in der Apotheke

Ein 35-jähriger Patient, der über starke Halsschmerzen und Fieber klagt, legt am Samstagnachmittag in der Apotheke folgende Verordnung zulasten der GKV vor:

► Clarithromycin 500 mg Filmtabletten 20 Stück, zweimal täglich 500 mg für zehn Tage.

Aktuell kann der Apotheker die Verordnung nicht beliefern, da die entsprechenden Film- und Retardtabletten (FTA, RET) von keinem Hersteller am Lager sind. Die allgemeine Vergleichstabelle der Antibiotika zeigt, dass Clarithromycin (im PDF beschrieben auf Seite 5) neben Tabletten auch als Granulat zur Herstellung einer Suspension (GSE) zur Verfügung steht. Jedoch hat die Apotheke das Granulat ebenfalls nicht am Lager.

Da die Verordnung aufgrund des akuten Infekts sofort beliefert werden sollte, denkt der Apotheker an einen Aut-simile-Austausch. Der Patient berichtet, dass der Arzt ihm das Antibiotikum verordnet habe, nachdem ein Rachenabstrich positiv war und er in der Vergangenheit mit Hautausschlägen auf diverse Antibiotika reagiert habe. Wie in der Vergleichstabelle Tonsillopharyngitis (im PDF Seite 2) aufgeführt, werden in solchen Fällen Makrolide wie Clarithromycin als Alternative eingesetzt.

Auf die Frage nach weiteren Arzneimitteln berichtet der Patient, dass er unter Nesselsucht leide und nächste Woche einen Termin für einen Allergietest habe. Bis dahin habe sein Hausarzt ihm Ebastin 10 mg verschrieben. Aktuell nimmt der Patient täglich eine Tablette gegen die Beschwerden ein, weil ihn der starke Juckreiz sehr belastet. Beim Arzt habe er jedoch vergessen, davon zu berichten, da dieses Arzneimittel noch neu für ihn sei.

Aufgrund einer verstärkten Wirkung des H1-Antihistaminikums Ebastin bei gleichzeitiger Einnahme von Clarithromycin besteht ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen durch QT-Zeitverlängerung. Da alle Makrolid-Antibiotika über eine CYP3A4-Hemmung diesen Effekt hervorrufen, sind sie bei gleichzeitiger Einnahme von H1-Blockern kontraindiziert (10, 11). Daher kommen andere Makrolide bei einem Aut-simile-Austausch für diesen Patienten ebenfalls nicht infrage.

Lincosamide zeigen diese Wechselwirkung mit CYP3A4 nicht und werden ebenfalls als Alternative bei Tonsillopharyngitis eingesetzt. Daher kann der Apotheker dem verordnenden Arzt Clindamycin zum Austausch vorschlagen. Bei der Arztrücksprache muss neben der Wahl des Arzneistoffs, der Darreichungsform und der Wirkstärke auch die für den Behandlungszeitraum erforderliche Packungsgröße geklärt werden. Weiterhin sollten Arzt und Apotheker die patientenindividuelle Dosierung besprechen.

Clindamycin steht als Filmtablette mit Wirkstärken von 150 bis 600 mg zur Verfügung und wird bei Tonsillopharyngitis üblicherweise mit 600 bis 1800 mg pro Tag, aufgeteilt auf zwei bis vier Einzelgaben, eingesetzt.

► Das Ergebnis der Arztrücksprache kann zum Beispiel lauten: Clindamycin 600 mg Filmtabletten 30 Stück, dreimal täglich 600 mg für zehn Tage.

Der Apotheker muss den Aut-simile-Austausch anschließend auf der Verordnung dokumentieren und abzeichnen. Zudem muss er dem Patienten die Notwendigkeit und das Ergebnis der Arztrücksprache erklären und ihm die geänderte Dosierung und das geänderte Einnahmeschema erläutern.

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