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Geschlechterforschung
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Frauenherzen werden anders krank

Herz-Kreislauf-Erkrankungen äußern sich bei Frauen oft anders als bei Männern. Dennoch orientieren sich Diagnostik und Wahrnehmung vielerorts noch am männlichen Krankheitsbild. Welche Folgen das hat und warum geschlechtersensible Medizin Leben retten kann, erläuterte eine Kardiologin beim Pharmacon in Meran.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 02.06.2026  15:45 Uhr
Störungen der Mikrozirkulation und Gefäßspasmen

Störungen der Mikrozirkulation und Gefäßspasmen

Bei jüngeren Frauen sind häufiger Funktionsstörungen der kleinen Herzgefäße oder Gefäßspasmen und seltener Verengungen der großen Herzkranzgefäße die Ursache. Kommt es dadurch zu einer Minderdurchblutung des Herzmuskels, spricht man von INOCA (Ischemia with Non-Obstructive Coronary Arteries). Auch Herzinfarkte und Angina pectoris treten bei Frauen häufiger ohne relevante Verengung der Herzkranzgefäße auf. Diese Krankheitsbilder werden als MINOCA (Myocardial Infarction with Non-Obstructive Coronary Arteries) beziehungsweise ANOCA (Angina with Non-Obstructive Coronary Arteries) bezeichnet. Erst ab einem Alter von etwa 70 Jahren zeigen sich auch bei Frauen wieder vermehrt die »klassischen« Obstruktionen großer Koronargefäße.

Da auch Männer – wenn auch seltener – an INOCA, ANOCA und MINOCA erkranken, profitierten beide Geschlechter von den Erkenntnissen der Genderforschung, betonte die Referentin.

Regitz-Zagrosek machte zudem auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei kardiovaskulären Risikofaktoren aufmerksam. So habe Stress bei Frauen einen größeren Einfluss auf die Herzgesundheit als bei Männern. Hinzu kommen Risikofaktoren, die naturgemäß nur Frauen betreffen können, darunter eine frühe Menopause, das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom (PMOS, vormals polyzystisches Ovarialsyndrom, PCOS), Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie und postpartale Depressionen. »Bei Frauen, die sich einer Fertilitätstherapie unterzogen hatten, ist das Herz-Kreislauf-Risiko im Alter besonders stark erhöht.«

Da dieses Wissen in der Bevölkerung bislang nur unzureichend verbreitet sei, sieht Regitz-Zagrosek Apothekenteams als wichtige und niedrigschwellige Anlaufstellen für Aufklärung und Prävention.

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