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Neue Arzneistoffe 2020

Fokus lag auf Krebs und Entzündungen

Nach Zählung des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) sind in diesem Jahr 32 Medikamente mit neuen Wirkstoffen zugelassen worden. 29 davon listen wir in unserer Datenbank »Neue Arzneistoffe« auf.
PZ
28.12.2020  15:00 Uhr

32 Präparate mit neuen Wirkstoffen kamen laut vfa in diesem Jahr in Deutschland auf den Markt. Das sind sieben mehr als im Vorjahr. Die Bilanz für 2020 liege genau im Durchschnitt der Neuerscheinungen der letzten fünf Jahre, so der Verband. Hinzu kamen noch zahlreiche Zulassungserweiterungen bei bereits bekannten Arzneistoffen für weitere Indikationsgebiete sowie neue Darreichungsformen. Ausführliche Wirkstoffprofile aller Neulinge sind in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe unter dem Jahrgang 2020 zu finden.

Am meisten Aufsehen erregte sicherlich die bedingte EU-Zulassung des ersten Covid-19-Impfstoffs Comirnaty® (Tozinameran/BNT162b2) von Biontech und Pfizer vor genau einer Woche. Der vfa rechnet mit weiteren Vakzinen und auch Therapeutika im kommenden Jahr. Als nächstes wird voraussichtlich der Impfstoff von Moderna folgen. Und auch Remdesivir (Veklury®) als erstes antivirales Medikament gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 zählt zu den spektakulärsten Neulingen des Jahres 2020. Beide Mittel sind nur über staatliche Belieferung zu bekommen.

Auch zwei weitere Antiinfektiva sind Besonderheiten: Mit Ibalizumab (Trogarzo®) kam der erste monoklonale Antikörper gegen multiresistente HIV-Infektionen auf den Markt. Bulevirtid (Hepcludex®) ist das erste zugelassene Medikament zur Behandlung einer chronischen Hepatitis-D-Infektion. Ein neues Antibiotikum war dagegen nicht dabei, wird aber voraussichtlich Anfang 2021 folgen.

Krebsmedikamente werden spezifischer

Mit zehn neuen Wirkstoffen war wie in den Vorjahren die Onkologie stark vertreten. »Für die Anfang 2019 vom Forschungs- und Gesundheitsministerium initiierte Nationale Dekade gegen Krebs sind diese Medikamente eine wichtige Stärkung«, kommentiert vfa-Präsident Han Steutel. »Denn in ihr geht es neben Prävention und Früherkennung auch um noch wirksamere Behandlungen für Krebspatienten, die im besten Fall eine Heilung ermöglichen.«

Bei vier Onkologika muss vor der Anwendung ein Gentest erfolgen, um zu prüfen, ob eine bestimmte Mutation im Tumorgewebe vorliegt, gegen die die Medikamente spezifisch angehen. Mit Entrectinib (Rozlytrek®) kam zudem ein zweites Krebsmedikament auf den Markt, dass unabhängig von der Lokalisation des Tumors eingesetzt werden kann, solange eine bestimmte Mutation (NTRK-Genfusion) vorhanden ist. 

Unter den sonstigen Indikationen der neuen Krebstherapeutika finden sich mit Brust-, Lungen- und Prostatakrebs die häufigsten Krebsarten und auch für Patienten mit Leukämien oder Lymphomen gibt es Neuerungen. Sechs der zehn neuen Onkologika zählen zu den Orphan Drugs, sind also Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen. Insgesamt zählt der vfa 13 dieser Medikamente mit diesem Sonderstatus, der einen verlängerten Patentschutz gewährt.

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