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Antigentests

FDA warnt vor falsch positiven Corona-Schnelltests

Die US-Arzneimittelbehörde FDA weist noch einmal in einem Rundschreiben an Testlaboratorien und Gesundheitseinrichtungen auf das eigentlich bekannte Problem falsch positiver Antigentests zum Nachweis einer SARS-CoV-2-Infektion hin. Gleichzeitig gibt die Behörde Tipps, wie diese falschen Resultate vermieden werden können.
Theo Dingermann
05.11.2020  12:30 Uhr

Die FDA hat am Mittwoch Mitarbeiter klinischer Laboratorien und Gesundheitsdienstleister gewarnt, dass falsch positive Ergebnisse bei Antigentests auftreten können, wenn die Anwender die Gebrauchsanweisung für die Tests nicht penibel einhalten. Dies ist eigentlich ein bekanntes Problem, das aber in der momentanen Größenordnung nicht akzeptabel ist, da die Testergebnisse relevante Konsequenzen nach sich ziehen können.

Die Gefahr, dass Antigentests ein falsch positives Resultat anzeigen, ist besonders hoch, wenn Tests für das Screening großer Populationen bei einer niedrigen Infektionsprävalenz eingesetzt werden. Um dieses Problem so gering wie möglich zu halten, sollten bei kritischen Analysen routinemäßig Folgeuntersuchungen (Reflextests) durchgeführt werden, um die Ergebnisse zu bestätigen oder zu falsifizieren. 

Konkret empfiehlt die FDA, bei der Durchführung und beim Ablesen der Ergebnisse die Gebrauchsanweisungen des Herstellers exakt zu befolgen. Diese sind jeder Testkit-Packung beigefügt. Zudem sind die autorisierten Gebrauchsanweisungen für jeden Test auch im Internet zu finden.

Uhr im Blick behalten und Kreuzkontaminationen vermeiden

Wichtig ist, dass die Kits vorschriftsmäßig und nicht vor der Verwendung offen gelagert werden. Eine nicht ordnungsgemäße Lagerung kann einen Test unbrauchbar machen. Zu beachten ist außerdem, das Testergebnis in dem Zeitintervall abzulesen, wie dies in der Anleitung dargelegt ist. Das Ablesen eines Testergebnisses vor oder nach der angegebenen Zeit kann zu falsch positiven oder falsch negativen Ergebnissen führen.

Die Verarbeitung mehrerer Proben im Batch-Modus erschwert es, die korrekte Inkubationszeit für jede Probe sicherzustellen. Und beim parallelen Testen mehrerer Patientenproben sollte man sich des Risikos für Kreuzkontaminationen bewusst sein.

Ein besonderes Problem ergibt sich dann, wenn in einer Umgebung getestet wird, wo die Infektionsinzidenz gering ist. Auf dieses Problem wurde auch bereits auf PZ-online hingewiesen. Dies lässt sich am besten an einem konkreten Beispiel erläutern:

  • Zum Beispiel würde ein Test mit 98 Prozent Spezifität einen positiven prädiktiven Wert (PPV) von knapp über 80 Prozent besitzen, wenn die Prävalenz in einer Bevölkerung 10 Prozent beträgt. Das bedeutet, dass 20 von 100 positiven Ergebnissen falsch positiv wären.
  • Derselbe Test würde in einer Population mit einer Prävalenz von 1 Prozent nur noch einen PPV-Wert von etwa 30 Prozent aufweisen, was bedeutet, dass 70 von 100 positiven Ergebnissen falsch positiv wären. Das wiederum bedeutet, dass in einer Bevölkerung mit einer Prävalenz von 1 Prozent nur 30 Prozent der Personen mit positiven Testergebnissen tatsächlich infiziert sind.
  • Bei einer Prävalenz von 0,1 Prozent würde der PPV-Wert nur 4 Prozent betragen, was wiederum bedeutet, dass 96 von 100 positiven Ergebnissen falsch positiv wären.

Aus diesem Grund sind Plausibilitätsüberlegungen auf Basis klinischer Beobachtungen, Patientenanamnese und epidemiologischer Informationen wichtig, um die Zuverlässigkeit der Analyseergebnisse abschätzen zu können, so die FDA.

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