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Corona-Antigentests

Genauigkeit geringer bei Virusvarianten

Wie zuverlässig sind die Ergebnisse aus den Antigen-Schnelltests? Zur Beantwortung dieser wichtigen Frage tragen nun die Ergebnisse der COVAG-Studie bei. Sie zeigen, dass man mit einer deutlich niedrigeren Genauigkeit von Antigen-Schnelltests im Vergleich zu PCR-Tests rechnen muss.
Theo Dingermann
09.08.2021  14:58 Uhr

Die Covid-19 Antigen Studie (COVAG) wurde vom Diagnostikdienstleister Synlab zusammen mit Forschern der Universitäten Heidelberg und Graz sowie dem Testzentrum Cannstatter Wasen in Stuttgart initiiert, um systematisch die reale Sensitivität und Spezifität von Antigen-Schnelltests zu ermitteln. Dazu wurden die Ergebnisse zweier häufig eingesetzter kommerzieller Schnelldiagnosetests (Rapid Diagnostic Tests, RDT) zum Nachweis von SARS-CoV-2-Antigenen der Firmen Roche Diagnostics (SD Biosensor SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test) und Abbott Diagnostics (Panbio COVID-19 Ag Rapid Test) mit Ergebnissen eines rRT-PCR-Tests verglichen. Die Daten dieser Studie wurden jetzt auf dem Preprintserver »MedRxiv« publiziert.

In die Untersuchung eingeschlossen waren 2215 Freiwillige, die zwischen dem 1. Februar und dem 31. März 2021 in dem Stuttgarter Testzentrum zur Testung erschienen waren. Zusätzlich zu der Ermittlung von Sensitivität und Spezifität wurden rRT-PCR-positive Proben auch auf SARS-CoV-2-Varianten analysiert.

Eingeschränkte Sensitivität der Antigen-Schnelltests

Von den 2215 Studienteilnehmern wurde bei 338 Personen eine SARS-CoV-2-Infektion durch rRT-PCR-Test nachgewiesen. Wurden die Proben dieser Virusträger mit dem Roche-Test analysiert, zeigten nur 204 Proben ein positives Resultat. Mit dem Abbott-Test waren hingegen nur 192 der Proben positiv. Das entspricht einer Sensitivität über alle Probandengruppen von 60,4 Prozent für den Roche-Test und 56,8 Prozent für den Abbott-Test.

Daraus lässt sich ableiten, dass von zehn mit einem PCR-Tests positiv getesteten Personen rund vier nicht mit einem Antigen-Schnelltest erkannt werden. Ausschlaggebend für ein korrektes Ergebnis war offensichtlich eine sehr hohe Viruslast. Nur Personen, deren ct-Werte im rRT-PCR-Test unter 20 lagen, wurden zuverlässig von Antigen-Schnelltests als Virusträger erkannt. Das ist problematisch, da bekanntermaßen eine Ansteckungsgefahr auch von Personen mit einer mittleren oder niedrigen Viruslast ausgeht.

Symptomatische Patienten wiesen in aller Regel eine höhere Viruslast und somit einen niedrigeren ct-Wert auf als symptomlose Patienten. Unter der Annahme, dass 10.000 symptomatische Personen getestet werden, von denen 500 wirklich positiv sind, würden die Antigen-Schnelltests 38 falsch positive und 124 falsch negative Ergebnisse liefern. Würden 10.000 asymptomatische Personen getestet, von denen 50 wirklich positiv sind, würde man 18 falsch positive und 34 falsch negative Ergebnisse erhalten.

Berichteten die Probanden mindestens eine Komorbidität, nahm die Sensitivität der Tests noch einmal deutlich ab: Für den Roche-Test wurde unter diesen Bedingungen eine Sensitivität von 38,2 Prozent und für den Abbott-Test eine Sensitivität von 34,4 Prozent ermittelt. Im Vergleich dazu ergaben die Sensitivitäten der beiden Tests für Personen ohne Komorbiditäten 74,4 Prozent beziehungsweise 71,0 Prozent.

Bei Personen, die über mindestens ein klinisches Symptom klagten, war die Sensitivität beider RDT höher (75,2 Prozent für den Roche-Test und 74,3 Prozent für den Abbott-Test) als bei Personen ohne klinische Symptome (31,9 Prozent für den Abbott-Test und 23,8 Prozent für den Roche-Test). Diese Korrelation galt für Symptome mit Ausnahme von Kurzatmigkeit und Durchfall, die offensichtlich keinen Einfluss auf die Testempfindlichkeit hatten.

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