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Leihmutterschaft
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Ethikrat-Chef fordert offene Debatte

Nach der Bekanntgabe der Elternschaft von Jens Spahn ist die Diskussion über Leihmutterschaft und Eizellspende neu entflammt. Während der Vorsitzende des Ethikrates, Helmut Frister, und die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Haßelmann, sich für eine offene gesellschaftliche Debatte aussprechen, kann sich die Familienministerin Prien eine Änderung der Position der CDU nicht vorstellen.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 21.07.2026  11:10 Uhr

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Helmut Frister, fordert eine offene gesellschaftliche Debatte über die Leihmutterschaft. »Wenn man die Debatten nicht führt, wird das Problem latent immer bleiben«, sagte der Rechtswissenschaftler im Deutschlandfunk. »Man sollte diese Debatte führen, und man muss halt dann überlegen, welche Güter sich da gegenüberstehen.«

Das sei auf der einen Seite der unerfüllte Kinderwunsch nicht nur homosexueller männlicher Paare, sondern auch von Frauen, die aus medizinischen Gründen selbst kein Kind austragen könnten. Sie könnten sich diesen Kinderwunsch nur mittels Leihmutter erfüllen. »Und das ist auch nichts, was ein Lifestyle-Problem wäre, sondern dieser unerfüllte Kinderwunsch ist für viele existenziell und kann das Lebensglück bedrohen«, sagte Frister.

Ganz unabhängig vom sehr schwierigen Problem der Leihmutterschaft besteht im Bereich der Fortpflanzungsmedizin insgesamt nach den Worten des Ethikrat-Chefs ein deutlicher Modernisierungsstau.

Haßelmann für neue Debatte

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, Spahns Rücktritt sei »absolut folgerichtig« gewesen. »Die aktuelle gesellschaftliche Debatte zeigt auch, dass es geboten ist, sich erneut inhaltlich mit den Ergebnissen der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin zu befassen.«

Die Kommission war in der vergangenen Legislaturperiode von der Ampel-Koalition eingesetzt worden und hatte im April 2024 ihren Abschlussbericht vorgelegt. Sie empfahl, dass Schwangerschaftsabbrüche in der Frühphase der Schwangerschaft künftig nicht mehr grundsätzlich strafbar sein sollten. Leihmutterschaft könne der Gesetzgeber in bestimmten Fällen zulassen, »sofern insbesondere der Schutz der Leihmutter und das Kindeswohl hinreichend gewährleistet werden«.

Allerdings wiesen die Mitglieder damals auch darauf hin, dass selbst die altruistische Leihmutterschaft – also ohne Bezahlung – das Risiko für Missbrauch berge. Sie sollte deshalb – wenn überhaupt – nur unter sehr engen Voraussetzungen ermöglicht werden, so die Kommission. Dazu zähle, wenn etwa ein nahes verwandtschaftliches oder freundschaftliches Verhältnis zwischen Wunscheltern und Leihmutter bestehe.

Prien sieht betroffene Paare im Dilemma

Familienministerin Karin Prien verwies in einem Interview des Portals »The Pioneer« darauf, dass die CDU ihre Programmatik erst im Februar mit einem Parteitagsbeschluss verschärft habe. Demnach ist nicht nur die gewerbliche, sondern auch die sogenannte altruistische Leihmutterschaft mit dem Werteverständnis der CDU nicht vereinbar.

Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, dass die CDU in naher Zukunft ihre Position verändere und etwas liberalisiere, sagte sie: »Das kann ich mir kaum vorstellen.« Befragt dazu, was ihr beim Thema Leihmutterschaft durch den Kopf gehe, erklärte Prien: »Das muss unendlich schwer sein. Ich kann mir das persönlich ehrlicherweise nicht vorstellen.« Denn man baue gerade in den neun Monaten einer Schwangerschaft eine starke Bindung zu dem Kind auf. Prien ist selbst Mutter von drei Kindern.

Auf der anderen Seite sehe sie natürlich auch das Dilemma von Paaren, die aus medizinischen Gründen keine eigenen Kinder austragen könnten, sagte Prien. »Das ist ein ganz furchtbares Schicksal, mit dem man sich abfinden können muss«, sagte sie. Dass das schwerfalle und dass individuelle Entscheidungen mit Blick auf Möglichkeiten im Ausland vielleicht anders ausfallen könnten, könne sie zumindest nachvollziehen.

Prien zeigte sich offen dafür, das Gesetz »an der einen oder anderen Stelle« noch einmal genauer zu betrachten und vielleicht auch das Adoptionsrecht. Dazu müsse sich die derzeit aufgeheizte Situation aber erst einmal etwas beruhigen.

Warnung vor »Kommerzialisierung« von Frauen

Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in der SPD hat sich beim Thema Leihmutterschaft noch nicht positioniert. Die Meinungsbildung sei noch nicht abgeschlossen, sagte die Co-Vorsitzende Ulrike Häfner den Funke-Zeitungen. Grundsätzlich kritisierten die Frauen in der SPD die zunehmende »Kommerzialisierung von Frauen in der Reproduktionsmedizin und die Ausnutzung ihrer materiellen Notlagen«.

Auch in der Linksfraktion im Bundestag verweist man auf ein mögliches finanzielles Ungleichgewicht zwischen Leihmutter und den Paaren, die Eltern werden wollen. Die frauenpolitische Sprecherin Kathrin Gebel sieht auch altruistische Varianten kritisch: »Gesundheitliche Risiken, Abhängigkeiten und familiärer Druck« verschwänden nicht automatisch, nur weil offiziell kein Geld fließe, so Gebel.

Bevölkerung bei dem Thema gespalten

Eine Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Konkret verboten sind die Vermittlung einer Leihmutterschaft und die ärztliche Behandlung sowie das Einsetzen einer Eizelle und die gesamte ärztliche Begleitung des Prozesses. Allerdings machen sich sogenannte Wunscheltern, die eine Leihmutterschaft in Anspruch nehmen, selbst nicht strafbar.

39 Prozent gaben in einer repräsentativen Befragung des Instituts Insa für die »Bild« an, das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland richtig zu finden. 41 Prozent erklärten hingegen, dass sie das Verbot für falsch halten. Ein außergewöhnlich hoher Anteil von 21 Prozent machte keine Angabe oder gab an, keine Antwort zu wissen. Insa befragte vom 17. bis zum 20. Juli 1004 Menschen. Die maximale Fehlertoleranz beträgt plus/minus 3,1 Prozentpunkte.

Der CDU-Politiker Jens Spahn und sein Mann hatten bekannt gegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte ihren Sohn Georg zur Welt. Spahn war von 2018 bis 2021 Bundesgesundheitsminister – in seinen Zuständigkeitsbereich fiel damit das Embryonenschutzgesetz, in dem das Verbot von Leihmutterschaften geregelt ist. In der Union brach ein Sturm der Empörung los, der am Samstag zu Spahns Rücktritt als Unionsfraktionschef führte. Als mögliche Nachfolgerin wird unter anderem auch Gesundheitsministerin Nina Warken debattiert. Die Meinung unseres Chefredakteurs Alexander Müller dazu lesen Sie hier.

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