Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

B.1.617.2
-
Erste Impfdosis wenig wirksam gegen indische Variante

Der Schutz der ersten Dosis einer Coronaimpfung gegen die zuerst in Indien aufgetauchte SARS-CoV-2-Variante B.1.617.2 ist offenbar sehr lückenhaft. Das ist besonders in England problematisch, wo sich B.1.617.2 ausbreitet und viele Menschen erst einmal geimpft sind.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 27.05.2021  18:00 Uhr

Zweitimpfungen beschleunigen

Ob sich diese doch sehr bescheidene Wirksamkeit insbesondere der Astra-Zeneca-Vakzine anhand größerer Datensätze bestätigen wird, bleibt abzuwarten. Gegenüber dem »Science Media Center« wies Professor Dr. Paul Hunter von der University of East Anglia, der nicht an der Studie beteiligt war, darauf hin, dass die hier beobachtete Wirksamkeit von Vaxzevria auch gegen B.1.1.7 niedriger war als in einem anderen Bericht von PHE. Demnach habe die Wirksamkeit der ersten Dosis für Comirnaty und Vaxzevria zwischen 55 und 70 Prozent gelegen und die der zweiten Dosis zwischen 85 und 90 Prozent. Unstrittig sei jedoch, dass die Vervollständigung der Impfung durch die zweite Dosis wichtig sei, um die weitere Verbreitung der Variante B.1.617.2 einzudämmen.

Hier ist Großbritannien allerdings noch nicht so weit wie bei den Erstimpfungen. Die Regierung verfolgte mit der Impfkampagne von Anfang an das Ziel, möglichst schnell möglichst viele Menschen einmal zu impfen. Die Zweitimpfung, die die Immunisierung erst vervollständigt, war bislang weniger hoch priorisiert. Mittlerweile sind in Großbritannien 73 Prozent der Bevölkerung einmal geimpft und 45 Prozent zweimal (Stand 25. Mai).

Ob sich eine Variante gegen andere durchsetzt, hängt jedoch nicht nur davon ab, wie gut sie der Immunreaktion entkommen kann (Immunescape), sondern auch von ihrer Ansteckungsfähigkeit (Fitness). Diesbezüglich hat B.1.1.7 einen klaren Vorteil gegenüber anderen Varianten, weshalb sie sich zunächst in Großbritannien und anschließend auch in Deutschland durchsetzen konnte. Dafür gibt es bei B.1.1.7 keinen Immunescape. Das andere Extrem sind die Varianten B.1.351 (südafrikanische Variante) und P.1 (brasilianische Variante). Sie weisen einen deutlichen Immunescape auf, aber dafür keine erhöhte Fitness. Das erklärte Professor Dr. Christian Drosten von der Berliner Charité im NDR-Podcast »Coronavirus-Update« am 25. Mai. Anhand der bisherigen, noch sehr begrenzten Evidenz gehe er davon aus, dass bei B.1.617.2 eine Mischung aus beidem vorliege: ein leichter Fitnessvorteil gepaart mit einem Immunescape, der aber weniger stark ausgeprägt sei als bei B.1.351.

Mehr von Avoxa