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Banal bis lebensbedrohlich
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Elektrolyte aus dem Gleichgewicht

Im Gleichgewicht steuern Elektrolyte wichtige Funktionen des Körpers. Sie regulieren unter anderem Muskel- und Herztätigkeit und kontrollieren den Flüssigkeitshaushalt sowie Säure-Basen-Reaktionen. Mangelerscheinungen können zu schweren gesundheitlichen Schäden führen.
AutorKontaktKatja Renner
Datum 24.07.2022  08:00 Uhr

Natrium aus dem Lot

Die tägliche Natriumchloridzufuhr und -ausscheidung bei Erwachsenen liegt, abhängig von der über die Nahrung zugeführten Menge, zwischen 4,5 und 18 g. Unabhängig von der Zufuhr bleibt die Konzentration im Extrazellulärraum jedoch weitgehend konstant. Die Natriumionen-Konzentration wird über die renale Ausscheidung, gesteuert durch das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System und natriuretische Peptide, reguliert.

Die häufigste Störung des Wasserhaushalts ist die Hyponatriämie mit einer Konzentration von Natrium im Serum unter 135 mmol/l. Es werden eine milde (130 bis 135 mmol/l), eine mäßige (niedriger als 130 mmol/l) und eine schwere Form (unter 120 mmol/l) unterschieden.

In der Regel ist eine Störung des Flüssigkeitshaushalts die primäre Ursache. Hieran ist das antidiuretische Hormon (ADH, Vasopressin) maßgeblich beteiligt. ADH kontrolliert die Wassermenge, die über die Niere ausgeschieden wird. Das Syndrom der gestörten (inadäquaten) ADH-Sekretion (SIADH) ist die häufigste Ursache der Hyponatriämie. Dabei wird von der Hypophyse zu viel Vasopressin freigesetzt, wodurch der Körper mehr Flüssigkeit zurückhält und die Natriumkonzentration durch Verdünnung sinkt. Dieses Syndrom kann durch Erkrankungen, zum Beispiel Tumoren oder Tuberkulose, und durch Arzneimittel wie Antidepressiva, Antiepileptika oder Zytostatika begünstigt werden. Eine Verdünnungshyponatriämie ist auch bei generalisierten Ödemen, zum Beispiel bei Patienten mit Herzinsuffizienz, zu finden.

Eine Verlusthyponatriämie kann durch gastrointestinale Infekte mit Erbrechen und Durchfällen und außerdem durch Thiazide hervorgerufen werden. Die Beschwerden sind vielfältig von leicht bis lebensbedrohlich und hängen vom Ausmaß des Mangels ab. Bei einer Verlusthyponatriämie überwiegen hypotone Kreislaufstörungen, bei einer Verdünnungshyponatriämie kommt es vermehrt zu neurologischen Ausfällen (Krämpfen, Übelkeit, Kognitionseinschränkungen oder Gangunsicherheit).

Die Intensität der Therapie richtet sich nach dem Ausmaß der Symptomatik und der Ursache. Ziel ist die Wiederherstellung der physiologischen Konzentrationsverhältnisse. Dazu erfolgt eine Volumensubstitution mit isotoner Kochsalzlösung bei Exsikkose und eine ursachenspezifische Therapie bei einem SIADH. Hier wird außerdem Tolvaptan, ein selektiver Antagonist an Vasopressin-2-Rezeptoren, eingesetzt.

Eine Hypernatriämie ist selten und kann durch eine exzessive Salzzufuhr oder einen primären Hyperaldosteronismus entstehen. Das Symptombild ähnelt dem der Verlusthyponatriämie mit Hypotonie und Kreislaufschwäche. Allerdings geht diese Elektrolytstörung mit einem höheren Mortalitätsrisiko einher – insbesondere bei Menschen mit eingeschränktem Durstgefühl. Behandelt wird durch Gabe einer 5-prozentigen Dextrose-Infusionslösung oder einer halbisotonen, also 0,45-prozentigen Kochsalzlösung oder bei hypervolämer Form mit Furosemid.

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