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Banal bis lebensbedrohlich
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Elektrolyte aus dem Gleichgewicht

Im Gleichgewicht steuern Elektrolyte wichtige Funktionen des Körpers. Sie regulieren unter anderem Muskel- und Herztätigkeit und kontrollieren den Flüssigkeitshaushalt sowie Säure-Basen-Reaktionen. Mangelerscheinungen können zu schweren gesundheitlichen Schäden führen.
AutorKontaktKatja Renner
Datum 24.07.2022  08:00 Uhr

Magnesium bei Krämpfen?

Magnesium kontrolliert zahlreiche biochemische Vorgänge und ist wichtiger Bestandteil von Knochen- und Muskelgewebe. Es wird im Energiestoffwechsel für die Aktivierung zahlreicher Enzyme benötigt. So beeinflusst Magnesium zelluläre Ionenkanäle und den Transport von Calcium, Kalium und Natrium. Bei der Reizübertragung von Nerven auf die Muskeln und für die Muskelkontraktion ist es ebenfalls wichtig. Die empfohlene Tageszufuhr für Erwachsene liegt zwischen 300 (bei Frauen) und 350 mg (bei Männern).

Eine schwere Mangelsituation resultiert klinisch in einem ähnlichen Bild wie die Hypocalciämie mit tetanischen Muskelkrämpfen, Tachykardie und Herzrhythmusstörungen. Ursachen für eine Hypomagnesiämie sind geringe Zufuhr, hohe Verluste durch Ausscheidung von Magnesium bei starker sportlicher Anstrengung sowie Wechselwirkungen von Diuretika und Protonenpumpenhemmern. Arzneistoffe, die aufgrund einer Schädigung der Tubulusmembran zu erhöhter renaler Magnesiumausscheidung führen, sind Aminoglykoside, Ciclosporin, Amphotericin B und Cisplatin.

Ob Muskelkrämpfe tatsächlich aus einem Magnesiummangel resultieren, wird kontrovers diskutiert. Die Studienlage zur Prophylaxe von Muskelkrämpfen durch Magnesiumgabe ist inkonsistent. Professor Dr. Ingo Froboese von der Deutschen Sporthochschule wird in einem Beitrag des Deutschen Ärzteblatts zitiert, dass muskuläre Krampfereignisse meist nicht durch einen Verlust von Mineralien, sondern durch eine neuromuskuläre Ermüdung oder Fehlsteuerung verursacht werden.

Da ein Magnesiummangel nur schwer in der Apotheke zu identifizieren ist, stellt sich die Frage, ob entsprechende Präparate dennoch angeraten werden können. Manche Menschen profitieren subjektiv von der Magnesiumeinnahme und fragen in der Apotheke nach einem guten Präparat. Das Apothekenteam kann dann Brausetabletten, Direktgranulate oder Pulver empfehlen. Welche Magnesiumverbindung bei einer bestehenden Indikation für eine Supplementierung zu bevorzugen ist, steht in der Diskussion. Organische Verbindungen wie Magnesiumcitrat sollen eine leicht bessere Bioverfügbarkeit aufweisen. Die S1-Leitlinie zu Muskelkrämpfen von 2017 (zurzeit in Überarbeitung) empfiehlt Magnesium als (Hydrogen-)Aspartat, Orotat oder Oxid ein- bis dreimal täglich 5 mmol peroral sowie einen Auslassversuch (erneute Zunahme der Muskelkrämpfe?) beispielsweise nach einer dreimonatigen Behandlungsphase.

Ein Überschuss an Magnesium ist sehr selten und kann durch eine übermäßige Zufuhr von Magnesiumpräparaten, zum Beispiel zum Abführen, oder durch eine Niereninsuffizienz ausgelöst werden. Muskelschwäche, Obstipation und eine Hemmung zentralnervöser Funktionen bis hin zu Atemlähmung und Herzstillstand sind möglich. Auch hier erfolgt die Therapie mit Schleifendiuretika.

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