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Psychopharmaka

Die wichtigsten Interaktionen

Spezifische Narkolepsie-Medikamente

Medikamente gegen exzessive Tagesschläfrigkeit (Narkolepsie) kommen in der Verordnung nicht sehr häufig vor und sind daher oft wenig bekannt. Pitolisant und Solriamfetol sind überdies indiziert bei Erwachsenen mit obstruktiver Schlafapnoe, die an übermäßiger Tagesschläfrigkeit leiden.

Pitolisant hat einen neuen Wirkmechanismus: Es handelt sich um einen Histamin-H3-Rezeptor-Antagonisten, der mittels Blockade der Histamin-Autorezeptoren die Aktivität von histaminergen Neuronen im Gehirn, einem wichtigen Erregungssystem mit weitläufigen Projektionen in das gesamte Gehirn, verstärkt. Entsprechend kommt es durch antihistaminerge Substanzen wie Trizyklika und Antihistaminika zu einer Wirkabschwächung. Es ist zudem krampfschwellensenkend und QTc-verlängernd, sodass ein Interaktionscheck unbedingt anzuraten ist.

Pharmakokinetisch sind einige Interaktionen möglich: Als CYP3A4-Induktor schwächt Pitolisant die Wirkung von Substraten dieses Isoenzyms, zum Beispiel Kontrazeptiva, ab. Zudem induziert es CYP2B6 sowie Proteine wie UDP-Glucuronosyltransferase (UGT), P-Glykoprotein und Organic-Cation-Transporter-1.

Modafinil hemmt die Noradrenalin- und Dopamin-Wiederaufnahme. Daher ist von ähnlichen Wechselwirkungen wie bei Stimulanzien auszugehen, jedoch weist die Fachinformation diese nicht aus. Hier wird lediglich vor pharmakokinetischen Interaktionen gewarnt. Modafinil ist ein CYP3A4-Induktor; Kontrazeptiva und Ciclosporin verlieren an Wirkung. Dagegen werden CYP2C19 und 2C9 inhibiert. Ein sorgfältiger Interaktionscheck ist unbedingt ratsam.

Solriamfetol ist ebenfalls ein Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, die Interaktionen gleichen daher denen von Modafinil und Bupropion (gleicher Wirkmechanismus). Eine Kombination mit MAO-Hemmern (hypertensive Krisen) oder dopaminergen Wirkstoffen (Psychoserisiko) sollte vermieden werden. Solriamfetol ist im Gegensatz zu Bupropion nur ein schwacher Inhibitor für CYP2D6, sonst sind keine Induktions- oder Inhibitionseffekte bekannt.

Natriumoxybat ist das Natriumsalz der Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB), eines wichtigen Neurotransmitters des zentralen Nervensystems. Der genaue Wirkungsmechanismus, mit dem sich der günstige Effekt auf eine Kataplexie (kurzzeitiger Verlust des Muskeltonus) erklären lässt, ist nicht bekannt. Vermutet wird eine modulierende Wirkung auf die Aktivität stimulierender Neurotransmitter wie Acetylcholin, Dopamin, Noradrenalin und Serotonin. Da Natriumoxybat (wie andere GABA-erge Substanzen) atemdepressiv wirkt, sollte eine Kombination mit Benzodiazepinen und Opioiden vermieden werden.

Natriumoxybat führt nach jetzigem Kenntnisstand nicht zu Interaktionen mit CYP, jedoch mit GHB-Dehydrogenase-Inhibitoren. Antiepileptika wie Phenytoin, Ethosuximid und Valproat erhöhen die Serumkonzentration von Natriumoxybat. Das Gegenteil ist der Fall bei Topiramat, das die GHB-Dehydrogenase-Konzentration erhöht; es sollte nicht kombiniert werden. Da Nahrung die Resorption deutlich reduziert, ist eine Nüchterneinnahme angezeigt.

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