| Alexander Müller |
| 11.06.2026 11:21 Uhr |
Der BPI-Vorsitzende Oliver Kirst betonte die Bedeutung der Pharmaindustrie für die Wirtschaft mit rund 8 Millionen Arbeitsplätzen und 12,5 Prozent Anteil an der Gesamtbruttowertschöpfung. »Unsere Industrie ist Innovationstreiber, Wirtschaftsmotor und Garant für eine hochwertige Arzneimittelversorgung.«
In einem »besorgniserregenden Trend der Deindustrialisierung« hierzulande sei die Pharmaindustrie »eine der letzten Zukunftsbranchen des Landes«. Die Politik müsse aber auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass dies auch in Deutschland stattfinde.
Das GKV-Spargesetz sei nicht zu Ende gedacht, so Kirst. Wenig werde mit dem Gesetz besser, es werde primär billiger, betonte der BPI-Vorsitzende. Das umstrittene Vorhaben wird morgen in Bundestag und Bundesrat beraten. »Ein 1 Euro höherer Zwangsrabatt führt zu 3,80 Euro weniger Wertschöpfung«, so Kirst. Das sei auch aus sicherheitspolitischer Perspektive relevant. Mit dem GKV-Spargesetz ist unter anderem ein zusätzlicher, dynamischer Herstellerabschlag geplant.
Der BPI-Vorsitzende warnte vor dem Risiko der Abhängigkeit von Asien, insbesondere China, bei der Wirkstoffproduktion. Europa sei doppelt unter Druck, weil China auch bei Innovationen stark aufholt. Hinzu komme die Abhängigkeit vom USA-Markt bei den Exporten. Ein 10-Punkte-Plan des BPI soll der Politik die Bedeutung der Arzneimittelproduktion für die Sicherheit des Landes in Erinnerung rufen.
ABDA-Präsident Thomas Preis betonte, ein Jubiläum sei nicht nur eine gute Gelegenheit, zurückzuschauen, »sondern auch miteinander darüber zu sprechen, wie wir die Arzneimittelversorgung in Deutschland gemeinsam sichern und stärken können«.
In 75 Jahren habe der BPI politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen »begleitet, mitgeprägt und angestoßen«. Auch die ABDA konnte im vergangenen Jahr ihr 75-jähriges Jubiläum feiern. Insofern gebe es nicht nur fachliche Schnittmengen, sondern auch biografische Parallelen.
Wichtiger Berührungspunkt sei etwa die Rote Liste gewesen, das umfassende Standardwerk für Arzneimittel. Auch die Initiative zu dem Satz »Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker« sei ein starkes öffentliches Signal für die Rolle der Apotheken gewesen. »In gewisser Weise hat dieser Satz auch das Selbstverständnis unseres Berufs mitgeprägt: weg vom reinen Abgabebild, hin zum beratenden Heilberuf«, so Preis.
Natürlich würde heute nicht mehr jedes Arzneimittel in der Apotheke selbst hergestellt. Aber die Abgabe von rund 900 Millionen Packungen und die zentrale Aufgabe der Arzneimittelversorgung könnten die Apotheken nur erfüllen, wenn sie sich auf qualitativ hochwertige Arzneimittel zuverlässiger Hersteller verlassen könnten. Pharmazeutische Industrie und Apotheken würden unterschiedliche Verantwortung tragen, verfolgten aber ein gemeinsames Ziel: »Patientinnen und Patienten müssen die Arzneimittel erhalten, die sie brauchen, sicher, schnell und in der notwendigen Qualität.«