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Neues Konzept
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Die sieben Kernpunkte der Muskelgesundheit

Der Skelettmuskel ist weit mehr als der Motor für Bewegung. Er ist eines der größten Stoffwechselorgane des Menschen, ein wichtiger Speicher für Aminosäuren und zugleich ein endokrines Organ, das über Botenstoffe mit nahezu allen wichtigen Organsystemen kommuniziert. Ein neues Konzept beschreibt Muskelgesundheit systematisch mit dem Ziel, diese besser messen und möglicherweise Muskelmasse gezielter erhalten zu können.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 22.09.2026  07:00 Uhr

Ein internationales Autorenteam um Dr. Anna Vainshtein vom Unternehmen Craft Science in Toronto und Professor Dr. Marco Sandri vom Department of Biomedical Sciences der University of Padova, Italien, stellen im Wissenschaftsmagazin »Nature Metabolism« ein Konzept vor, in dem sie sieben miteinander verknüpfte Kennzeichen gesunder Skelettmuskulatur definieren. Hierzu gehören Metabolismus und Bioenergetik, Proteostase, Genomik, Erregbarkeit, Struktur, Regeneration und Cross-Talk. Angelehnt ist dies an die Hallmark-Konzepte, die Hallmarks of Aging oder die Hallmarks of Cancer.

Muskelmasse steht bei dem neuen Konzept zwar im Zentrum des Modells, ist aber ausdrücklich nicht mit Muskelgesundheit gleichzusetzen. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel der verschiedenen Systeme, das Integrität, Anpassungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit des Muskels bestimmt.

Die sieben Bereiche lassen sich drei Ebenen zuordnen: Zu den fundamentalen Prozessen zählen Stoffwechsel, Proteostase (die Aufrechterhaltung eines stabilen, funktionellen Proteinbestands in Zellen, Zellorganellen und im extrazellulären Raum) und Genomik. Struktur und Erregbarkeit bilden die funktionelle Ebene. Und schließlich bilden Regeneration und interzelluläre beziehungsweise interorganische Kommunikation die integrative Ebene.

Bedeutung des Stoffwechsels und der Proteostase

Besonders deutlich wird die systemische Bedeutung beim Stoffwechsel. Der Skelettmuskel macht bei Menschen ohne Adipositas etwa 40 bis 50 Prozent der Körpermasse aus und übernimmt einen Großteil der postprandialen Glucoseverwertung. Eine gesunde Muskulatur zeichnet sich durch metabolische Flexibilität aus. Je nach Nahrungsangebot und körperlicher Belastung kann sie zwischen Fettsäuren, Glucose und anderen Energieträgern wechseln.

Typ-I-Fasern verfügen über eine besonders hohe mitochondriale Ausstattung, während Typ-II-Fasern stärker auf die Glykolyse ausgerichtet sind. Training verbessert diese Flexibilität und fördert über den transkriptionalen Kofaktor PGC-1α unter anderem die mitochondriale Biogenese, die Angiogenese und eine Verschiebung hin zu oxidativeren Fasereigenschaften.

Ein zweiter zentraler Pfeiler ist die Proteostase. Ein gesunder Muskel benötigt weder maximale Proteinsynthese noch maximale Proteinabbaurate, sondern ein fein reguliertes Gleichgewicht. Regulatoren, Enzyme und Transkriptionsfaktoren wie mTOR, AMPK, FOXO bilden zusammen mit Autophagie und dem Ubiquitin-Proteasom-System ein eng gekoppeltes Netzwerk.

Im Alter nehmen unter anderem Autophagie, Mitophagie und proteasomale Aktivität ab, sodass sich beschädigte Proteine und Organellen anreichern können. Bemerkenswert ist deshalb, dass eine möglichst starke dauerhafte Aktivierung anaboler Signalwege keineswegs automatisch günstig ist. Chronische mTOR-Aktivierung kann die Autophagie unterdrücken und damit proteostatische Probleme sogar verstärken.

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