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Expopharm Impuls

Die Pandemie und ihre Folgen für Apotheken

Länger als ein halbes Jahr leben wir in Deutschland nun schon mit Covid-19 und seinen Folgen. Wie haben die Apotheker hierzulande die Corona-Krise verkraftet und wie wird sie ihren Arbeitsalltag weiter verändern? Auf der Expopharm Impuls werden Apotheker aus ganz verschiedenen Offizinen über diese Fragen diskutieren.
Anna Pannen
01.10.2020  12:30 Uhr

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Anfang März 2020 den landesweiten Lockdown ausrief, änderte sich für die Inhaber kleiner und mittelgroßer Geschäfte alles. Von einem auf den anderen Tag kamen kaum noch Kunden, und wenn sie kamen, kauften sie nur das Nnötigste.

Bei den Apotheken sah die Sache etwas anders aus. Zwar waren auch sie von schwindender Laufkundschaft betroffen, gleichzeitig aber rückte das Thema Gesundheit derart in den öffentlichen Fokus, dass bestimmte Artikel mehr nachgefragt waren als je zuvor. Wie die einzelnen Offizinen durch die Krise kamen und noch immer kommen, das hänge stark von ihrem Standort und ihrer Digitalstrategie ab, sagt Florian Giermann vom Rezeptabrechnungs- und Warenwirtschafts-Anbieter Noventi. Er hat in den vergangenen Monaten mit vielen Apothekern gesprochen und dabei große Unterschiede festgestellt.

Am meisten gebeutelt hat die Pandemie Giermann zufolge Apotheken in Einkaufscentern. Diese leben fast nur von Laufkundschaft und haben unter existenzgefährdenden Umsatzeinbrüchen zu leiden. Bei der Expopharm Impuls wird unter anderem Apotheker Elmar Arnold von den für ihn schwierigen vergangenen sechs Monaten berichten. Arnold ist Inhaber der Metropolitan Pharmacy Apotheke am Internationalen Flughafen Frankfurt am Main, in die ohne nennenswerten Flugverkehr kaum noch Kundschaft kam.

Am besten weggesteckt wiederum hätten die Krise Apotheken, bei denen Kunden Medikamente online vorbestellen und sich diese auch liefern lassen können, so Giermann. Click&Collect beziehungsweise Click&Delivery heißen solche Vermarktungskonzepte. In der Zeit der Pandemie sei es plötzlich ein entscheidender Vorteil gewesen, wenn eine Offizin hier bereits ein eingespieltes und gut funktionierendes Bestellsystem besaß, erklärt der Noventi-Experte.

Vorteil durch Bestellsystem per App

So ging es etwa Daniela von Nida, die die Alte Apotheke im Hessischen Groß-Zimmern leitet. Auch sie wird bei der Expopharm Impuls von ihren Erfahrungen berichten. Die Inhaberin hatte zu Beginn der Krise bereits seit fünf Jahren Erfahrung mit einem Bestellsystem per App, das ihre Kunden auch rege nutzten. Ab März kam ihr und ihrer Apotheke diese Erfahrung zugute.

Tom Grittmann dagegen hatte zu Beginn der Pandemie gerade seine allererste Apotheke – die Park Apotheke im Bayerischen Miltenberg – übernommen und folglich noch keine ausgereifte Online-Strategie. Wie er es schaffte, noch im April ein Bestellsystem einzurichten, um seine Apotheke gut durch die Krise zu bringen, davon wird der junge Apotheker ebenfalls bei der Expopharm Impuls berichten.

Giermann zufolge hatte die Pandemie einen großen Lerneffekt auf Apotheker. »Es hat sich gezeigt, dass es ohne ein Bestellsystem kaum noch geht«, sagt er. Apotheker müssten hier unbedingt investieren und Wissen erlangen, um das Geschäft nicht den großen Versandapotheken zu überlassen. Eine leicht bedienbare App und ein gut ausgebauter Lieferdienst hätten einen entscheidenden Vorteil – sie seien schneller und persönlicher als jede Versandapotheke, so Giermann.

Der Noventi-Mitarbeiter glaubt auch, dass sich die Covid-19-Pandemie langfristig auf das Apothekensortiment auswirken wird. »Die Bürger haben in Sachen Gesundheitsschutz viel gelernt«, betont er. Es sei normal geworden, einen Mundschutz zu tragen, sich häufig die Hände zu waschen und Oberflächen zu desinfizieren. »Das wird so bleiben«, vermutet Giermann. Die Bürger aber werden durch diese Entwicklung nicht nur seltener an Covid-19 erkranken, auch Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Infekte werden seltener vorkommen. »Die Apotheken sollten sich darauf einstellen, dass bestimmte Warengruppen dadurch seltener nachgefragt werden und sich eher auf Produkte für die Gesundheitsprävention konzentrieren«, so der Experte.

 

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