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Covid-19-Impfung

Die Diskussion um die Priorisierung ist eröffnet

Vulnerabilität als vorrangiges Kriterium

Bei der Entscheidung, wie priorisiert wird, sei die Vulnerabilität von Personengruppen das erstrangige Kriterium, erklärte der Moraltheologe. Daher habe man alternative Ansätze, zum Beispiel jüngere Menschen zuerst zu impfen, um die Transmissionsrate zu reduzieren, nicht verfolgt.

Schwangere Frauen oder Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen sind in dem Papier nicht genannt. Dies sei schon eine Feinklasterung, so Bormann. Man müsse beispielsweise auch bedenken, ob alte Menschen, die zu Hause leben, das gleiche Risiko haben wie Gleichaltrige in Pflegeheimen. »Die grobe Matrix muss, auch nach den Eigenschaften eines Impfstoffs, feinjustiert werden. Dieses Positionspapier versteht sich als Startschuss für weitere Reflexionen.« Die STIKO will eine genauere Hierarchisierung der Personengruppen bis zum Jahresende vorlegen.

Klar ist für die Experten, dass die Verteilung der Impfstoffe keinesfalls den Kräften des Marktes überlassen werden darf. Und ebenso wenig darf der Versichertenstatus oder die Finanzkraft einer Person über den Zugang entscheiden. Daher plädieren sie für eine staatlich geordnete Verteilung über Impfzentren, die stationär und mobil aufgestellt sind.

Damit die Gesellschaft das Konzept der Priorisierung mitträgt, fordern sie zudem eine vertrauensfördernde und transparente Aufklärung und Kommunikation. Vertrauen entscheidet zudem mit über die Impfquote. Aktuell sind weniger als 60 Prozent der Menschen bereit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen – zu wenig für eine Herdenimmunität.

Keine Zweiklassengesellschaft

Der Theologe sieht keine Gefahr einer Zweiklassenbildung, wenn »im Zeitfenster der großen Knappheit des Impfstoffs« priorisiert wird. Entscheidend sei der Zeitraum, wie lange es dauert, bis jeder, der dies will, eine Impfung bekommt. »Je länger es dauert, umso eher kommt die Frage auf, ob sich Geimpfte von Restriktionen befreien lassen können, zum Beispiel mit einem Immunitätsausweis.«

Doch zur Immunität und zur Dauer des Immunschutzes, auch nach einer erlebten Erkrankung, seien noch viele wissenschaftliche Fragen offen. Ein Immunitätsausweis sei nur möglich und sinnvoll, wenn Immunität zweifelsfrei nachweisbar ist, sagte Bormann. Er halte Immunitätsausweise nicht per se für ethisch unzulässig. Vielmehr komme es auf deren Ausgestaltung und Einsatz an. Sie könnten beispielsweise sinnvoll sein, um Corona-bedingte Freiheitsbeschränkungen zurückzuführen.

 

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