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Tipps von italienischen Kollegen

Die Apotheke auf die Krise vorbereiten

Italien ist stark von der Coronavirus-Epidemie getroffen, Deutschland könnte folgen. Wie sich deutsche Apotheken auf die bevorstehende Notfallsituation vorbereiten können, berichten zwei Pharmazeuten aus Südtirol.
Christina Hohmann-Jeddi
12.03.2020
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Italien ist mit 12.500 SARS-CoV-2-Infektionen derzeit nach China das Land mit den höchsten Fallzahlen. Die Apotheker dort mussten sich vor allem in den schwer betroffenen Gebieten wie der Lombardei, der Region Venetien und Südtirol rasch auf die Epidemie einstellen.

Die Apotheker Stephan und Florian Peer aus der Apotheke »Peer Lana« in Lana in Südtirol berichten, welche Maßnahmen sie in ihrer Offizin ergriffen haben und was es zu bedenken gibt. Damit wollten sie keine Panik schüren, aber die Kollegen in noch nicht so stark betroffenen Gebieten wachrütteln. »Auch wir haben es noch vor 14 Tagen eher locker gesehen«, schreiben sie in einer Mitteilung. Mit ihren Hinweisen wollen sie den Kollegen einen Vorsprung geben, um gewappnet zu sein. »Wir können nur empfehlen, jetzt schon alles vorzubereiten, denn es kommt hart.«

Organisation des Handverkaufs

  • Schilder für Eingang anfertigen: Diese sollten folgende Hinweise tragen: Patienten mit Fieber bitte draußen bleiben, Abstand halten, Hände desinfizieren
  • Desinfektionstation für Kunden am Eingang einrichten
  • sich darauf einstellen, dass extrem viel zu tun ist. Trotz Ausgangsverbot war Kundenfrequenz sehr hoch
  • maximale Anzahl der Kunden in Apotheke definieren
  • eine Türsperrung planen, wenn zu viele Personen in der Apotheke sind
  • Bei dem derzeit beobachteten Ansturm ist ein Arbeiten über die Notdienstklappe NICHT möglich.
  • Plexiglaswände für Handverkaufstisch besorgen, Kugelschreiber für Kunden vor dem Plexiglas anbringen
  • HV-Tisch verbreitern auf über 1 m, um ausreichend Sicherheitsabstand für Mitarbeiter zu gewährleisten
  • Handschuhe- und Maskennutzung des Personals planen 
  • Ärzte darauf hinweisen, dass sie den Patienten sagen, dass jemand Gesundes die Medikamente holen soll
  • Botendienst planen und eventuell verstärken
  • Es dauert lange, bis die Leute den Ernst der Lage realisieren!

Warenlager organisieren

  • Warenlager hochfahren, um auf Ansturm vorbereitet zu sein. Richtige Hamsterkäufe seien zwar nicht zu beobachten, aber jeder nimmt doch eine Packung Schmerzmittel etc. mit
  • Vitamin C in allen Formen, Hütchen für Braun Thermoscan, plus Paracetamol, Ibuprofen und alle Fieber und Erkältungsmittel (wenn möglich) vorrätig haben
  • Desinfektionsgele für die Hand so viele wie möglich an Lager haben, ebenso Ethanol und alle Bestandteile zur Eigenherstellung, die Abgabe ist limitiert auf ein Stück pro Person
  • Schutzausrüstung für Mitarbeiter organisieren (wenn möglich)

Weitere Planung

  • Reinigungsfirmen darauf vorbereiten, dass sie trotzdem noch putzen kommen (auch wenn alles andere geschlossen ist), dabei sind arbeitsmedizinische Vorschriften zu berücksichtigen
  • regelmäßige Information der Mitarbeiter
  • Einteilung der Mitarbeiter und Aufgabenverteilung planen
  • Planung für Ausfälle von Mitarbeiter im Krankheitsfall und für Schließungen von Schulen oder Kindertagesstätten.

Hygiene

  • Nach Möglichkeit arbeitet jeder Mitarbeiter am eigenen Arbeitsplatz, nur ein Platz für die wechselnden PKA (Platz ganz hinten
  • Wechsel Verkauf / Backoffice so gering wie möglich halten. Am besten sollten bis zur Pause die gleichen Leute vorne bleiben. Besser einer zuviel vorne der wartet, als hin und her wechseln.
  • Arbeiten mit Handschuhen, m it den Handschuhen nicht ins Gesicht fassen. Handschuhe zentral entsorgen.
  • Produkte über Ausgabe oder Papiertüte den Kunden geben (Kunden möglichst nicht berühren)
  • Desinfektion der Oberflächen erhöhen (viermal täglich)
  • Händedesinfektion einführen (nach jedem direkten Kontakt sowie regelmäßig
  • Warenannahme: Nach dem Auspacken Hände desinfizieren
  • Sofern der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, muss Schutzkleidung getragen werden (Mundschutz, Handschuhe)

Bei hoher Risiko-Einschätzung

  • Maximale Anzahl an Personen definieren, die gleichzeitig in die Apotheke dürfen (Hinweis an der Eingangstüre)
  • nach Möglichkeit Mundschutz FFP2 für Mitarbeiter
  • nach Möglichkeit chirurgischer Mundschutz für Kunden
  • nach Möglichkeit Brille für Mitarbeiter
  • direkten Kontakt mit Kunden möglichst vermeiden

Weitere Tipps zur Vorbereitung auf die Krisensituation gaben zwei Pharmazeuten der Arbeitsgemeinschaft Notfall- und Katastrophenpharmazie (AG KatPharm) der DPhG vor Kurzem in einem Interview mit der PZ. Das Robert-Koch-Institut fordert die im Gesundheitswesen Verantwortlichen, vor allem Ärzte und Krankenhäuser, schon seit einiger Zeit auf, Notfallpläne auszuarbeiten. Seit Dienstag sollen sie dem RKI zufolge sogar aktiviert sein.

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