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Hypertonie
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Die Apotheke als Patienten-Coach

Täglich werden Patienten mit Bluthochdruck in der öffentlichen Apotheke beraten. Auch in Zukunft benötigt diese große Patientengruppe die fachliche Expertise der Apotheker, weil die Therapie komplex ist und ein qualitätsgesichertes Monitoring ein wichtiger Garant der Behandlung ist.
AutorKontaktKatja Renner
Datum 19.03.2026  09:00 Uhr

Im Jahr 2023 hat die WHO bereits einen Bericht veröffentlicht (1), der für die Notwendigkeit der stärkeren Prävention und Therapiebegleitung bei Bluthochdruck sensibilisieren soll. Rund ein Drittel der erwachsenen Menschen ist weltweit und auch in Deutschland von Hypertonie betroffen. Hierzulande lassen sich zwar 88 Prozent der Menschen behandeln, doch nur etwa die Hälfte von ihnen erreicht die angestrebten Zielwerte (2).

Die frühzeitige konsequente Behandlung ist entscheidend zur Vermeidung von Endorganschäden und kardiovaskulären Ereignissen. Hypertonie ist längst keine reine Erkrankung des höheren Lebensalters mehr. Bereits bei Kindern und Jugendlichen zeigen sich erhöhte Blutdruckwerte, meist im Zusammenhang mit Übergewicht, Bewegungsmangel und ungünstigen Ernährungsgewohnheiten. Maßnahmen zur Prävention sollten daher bereits im Kindesalter ansetzen.

Viele Menschen mit erhöhten Blutdruckwerten kommen in die Apotheke – oft ohne optimale Einstellung oder sogar ohne Diagnose. Die Apotheke ist eine wichtige niedrigschwellige Anlaufstelle, die sowohl auf den Ebenen der Prävention und Früherkennung als auch bei der Therapiebegleitung einen wichtigen Beitrag leisten kann. Es gibt zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine Messung des Blutdrucks und Beratungsangebote zur Therapie, zum Beispiel an Gesundheitsaktionstagen, bei Abgabe von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) in der Selbstmedikation, bei Patienten mit chronischen Erkrankungen aus dem Formenkreis des metabolischen Syndroms oder im Zusammenhang mit der pharmazeutischen Dienstleistung (pDL) der erweiterten Medikationsberatung bei Polymedikation.

Patientenbeispiel zur Früherkennung

»Kann man bei Ihnen den Blutdruck messen lassen?« Mit dieser Frage kommt ein Mann mittleren Alters in die Apotheke. Er wirkt gestresst. Die Apothekerin bietet ihm einen Platz im Beratungsraum zur Blutdruckmessung an. Sie fragt, ob er aktuell Blutdruckmedikamente einnimmt, ob es bekannte Risikofaktoren und Vorerkrankungen gebe. Der Mann gibt an, aktuell viel beruflichen Stress zu haben, regelmäßig zu rauchen und leicht erhöhte Cholesterinwerte zu haben. Ein Blutdruckmittel nimmt er bisher nicht; sein Vater sei aber vor einigen Monaten an einem Herzinfarkt gestorben.

Die Apothekerin nutzt zur Dokumentation der Messwerte den Informationsbogen Blutdruck (3), der auf der ABDA-Seite zur Verfügung steht. Dieser unterscheidet sich geringfügig vom Bogen zur Erfassung der Blutdruckwerte bei der pDL »Strukturierte Risikoerfassung Bluthochdruck«, der bisher nur Patienten mit antihypertensiver Therapie angeboten werden darf. Im Fallbeispiel ergibt sich ein Durchschnitt des zweiten und dritten gemessenen Wertes von 148/90 mmHg bei einem Puls von 70 Schlägen (Kasten).

Gemäß der Einordnung der europäischen und nationalen Leitlinien zur Behandlung der Hypertonie ist der Grenzwert von 140/90 mmHg damit überschritten. Welche Konsequenz hat dieses Ergebnis?

Die Apothekerin nimmt ihre Rolle als Lotsin wahr. Sie informiert den Patienten über sein erhöhtes Risikoprofil für spätere kardiovaskuläre Ereignisse und erläutert die Bedeutung eines gut kontrollierten Blutdrucks. Zur weiteren Abklärung rät sie ihm, in der folgenden Woche regelmäßig zweimal täglich den Blutdruck zu messen und zu dokumentieren. Falls die häuslichen Messungen über 135/85 mmHg liegen, sollte zeitnah ein Arztbesuch stattfinden. Der Arzt könne dann auch eine 24-Stunden-Blutdruckmessung anordnen und entscheiden, ob drucksenkende Maßnahmen nötig sind.

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