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Positionen der Parteien

Der PZ-Wahlcheck für Berlin

1. Cannabis zu Genusszwecken: Wie steht die CDU zur Legalisierung und einer kontrollierten Abgabe über die öffentliche Apotheke?

Cannabis ist nach wie vor die Einstiegsdroge Nummer eins. Wir sind gegen Verharmlosung, Liberalisierung und Legalisierung illegaler Drogen, weil der erleichterte Zugang zu Drogen erst recht zum Konsum verleitet. Ein Einstieg in einen staatlich regulierten Markt mit Cannabis zu reinen Genusszwecken wäre aus gesundheitspolitischer Sicht ein völlig falsches Signal und ist darüber hinaus unvereinbar mit den Grundsätzen des Jugend- und Gesundheitsschutzes, welche Vorrang haben müssen vor allen anderen Argumenten. Eine legale Abgabe an Erwachsene hätte fatale Auswirkungen auf die Wahrnehmung von Kindern und Jugendlichen. Hierdurch würde der Eindruck entstehen, der Konsum des bereits stets als »leichte« Droge bezeichneten Cannabis wäre harmlos. Hinzu kommt, dass auch eine regulierte und kontrollierte Abgabe, beispielsweise über Apotheken, Kinder und Jugendliche vor einer Weitergabe nicht schützen würde.

Die unionsgeführte Bundesregierung hat aber die gesetzliche Grundlage für Cannabis als Medizin und für die Kostenübernahme durch die Krankenkassen geschaffen. Dies hilft den Betroffenen unmittelbar. Neben repressiven Mitteln ist eine umfassende Drogenprävention für uns die effektivste Drogenbehandlung, da sie im besten Falle Drogenkonsum gar nicht erst aufkommen lässt.

2. Impfen in der Apotheke: Bereits jetzt gibt es bundesweit zahlreiche Modellprojekte zur Grippeimpfung in Apotheken. Im Zuge der Pandemie wird auch über eine Coronavirus-Impfung in der Apotheke diskutiert. Wie stehen Sie dazu?

Wir werben sehr für die Corona-Schutzimpfung, denn das Impfen ist der beste Weg, um unsere Freiheiten möglichst schnell und dauerhaft zurückzubekommen. Grippeschutz-Impfungen waren bereits in der Vergangenheit in einigen Apotheken möglich. Deshalb spricht für uns auch nichts dagegen, die Apotheken in die Impfkampagne einzubeziehen. Denn sie sind in unserer Stadt flächendeckend vertreten und haben Öffnungszeiten, die auch für Berufstätige gut zu erreichen sind. Etwaiger Mehraufwand der Apotheken muss von den Kassen bzw. dem Gesetzgeber selbstverständlich berücksichtigt werden.

3. Grundsätzlich sollen Apotheken ihren Kunden künftig neue pharmazeutische Dienstleistungen anbieten können. In welchen Bereichen würde die CDU den Apothekern gerne mehr Kompetenzen übertragen (außer Impfen)?

Die Apotheker wären fachlich in der Lage, Mehrleistungen zu erbringen, für die sie dann zusätzlich entlohnt werden müssten. Dies muss sorgfältig abgewogen werden und der Diskussionsprozess, in den auch die Ärzte und Krankenkassen einbezogen werden sollten, ist noch nicht abgeschlossen. Aus unserer Sicht gibt es aber gute Gründe dafür: Denkbar wären für uns beispielsweise Folgerezepte bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen, die der Apotheke normalerweise wohlbekannt sind, um die Arztpraxen zu entlasten und damit die medizinische und Arzneimittelversorgung zu verbessern.

4. Wie steht die CDU zu den Grundregeln Fremd- und Mehrbesitzverbot im deutschen Apothekenmarkt?

Eine Aufweichung des Fremd- und Mehrbesitzverbots lehnen wir ab.

5. Während die Vor-Ort-Apotheken in der Coronakrise zahlreiche Gemeinwohlaufgaben (Masken, Tests, Impfzertifikate) übernommen haben, ist der Arzneimittel-Versandhandel durch die Coronakrise erneut stark gewachsen. Welche Rolle sollte der Versandhandel in der Arzneimittelversorgung und im Wettbewerb mit den Apotheken vor Ort übernehmen?

In der Arzneimittelversorgung kommt den Apotheken vor Ort unverändert eine Schlüsselrolle in Versorgung und Beratung der Menschen zu. Sie leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Patientensicherheit. Denn hier kann einerseits beim persönlichen Kontakt die Aufklärung über Risiken besser erfolgen und negative Interaktionen verschiedener Medikamente werden eher entdeckt, zum anderen besteht mitunter auch ein enger Kontakt zwischen der Apotheke vor Ort und den dort niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, was einen schnelleren und direkteren Austausch zum Wohle der Patientinnen und Patienten begünstigt.

Versandapotheken sind auf dem Vormarsch und werden von den Kundinnen und Kunden offenbar gut angenommen. Wichtig ist für uns dabei jedoch, dass eine fachlich zuverlässige Beratung erfolgt und die Regelungen für verschreibungspflichtige Medikamente beachtet werden. Dies darf bei dieser Art der Versorgung auf keinen Fall auf der Strecke bleiben.

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