Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Wahlkampf Rheinland-Pfalz
-
Das sagen die Parteien zu Apotheken

Anlässlich der anstehenden Landtagswahl in Rheinland-Pfalz hat die PZ Interviews mit den Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der Parteien geführt. Alle Parteien wollen sich für die Apotheken einsetzen, legen in ihrem Wahlkampf jedoch unterschiedliche Schwerpunkte.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 18.03.2026  09:00 Uhr
Datum Aktualisiert am 18.03.2026  10:43 Uhr

Schnieder: »Die Vor-Ort-Apotheke ist kein Auslaufmodell«

»In Regionen, in denen Krankenhäuser in den vergangenen Jahren schließen mussten, werden wir die Kommunen beim Ausbau sektorübergreifender Praxiskliniken unterstützen«, sagt Gordon Schnieder gegenüber der PZ. Diese Zentren sollen laut dem CDU-Kandidaten haus- und fachärztliche Angebote in unterversorgten Gebieten bündeln und eine schnelle medizinische Versorgung auch außerhalb der regulären Sprechzeiten ermöglichen. »Bei der Planung werden wir dabei auch gezielt Apotheken miteinbeziehen, um einen zuverlässigen und wohnortnahen Zugang zu Medikamenten zu gewährleisten – besonders in ländlichen Regionen.«

Damit sie ihren Versorgungsauftrag erfüllen können, bräuchten Apotheken wirtschaftliche Stabilität und Planungssicherheit. »Deshalb will ich, dass das Apothekenfixum so angepasst wird, dass Apotheken wirtschaftlich arbeiten können«, sagt Schnieder. Seine Partei will zusätzliche heilberufliche Leistungen in den Apotheken ermöglichen, die qualitätsgesichert sind. »Dafür brauchen wir rechtlich klare Grundlagen, die den PTA verbindliche Kompetenzen übertragen.« Außerdem will seine Partei »unnötige Bürokratie« abbauen und für mehr Pharmaziestudienplätze sorgen. »Die Vor-Ort-Apotheke ist kein Auslaufmodell, sondern eine tragende Säule der Versorgung. Eine moderne Reform muss genau das absichern«, so Schnieder. 

Bollinger: »Die Verantwortungsbereiche der Heilberufe dürfen nicht verwischt werden«

»Apotheken sind neben Ärzten die wichtigsten Gesundheitsversorger vor Ort«, sagt der AfD-Spitzenkandidat Jan Bollinger auf Anfrage der PZ. Seine Partei plädiert für die Einrichtung einer Regierungskommission zum Abbau von Bürokratie. Zudem möchte er die Zahl der Pharmaziestudienplätze erhöhen, mehr Flexibilität durch zentrale Labor- und Rezeptureinrichtungen innerhalb einer Region schaffen und die dauerhafte Kostenfreiheit für alle PTA-Schulen sicherstellen. Außerdem fordert er eine niedrige Mehrwertsteuer und eine Senkung der Gewerbesteuern für Gesundheitsleistungen. »Die Inländerbenachteiligung gegenüber ausländischen Versandapotheken muss enden, damit das Apothekensterben in Deutschland endlich beendet wird«, so Bollinger. 

Seine Partei will die Impfprävention stärken, lehnt aber eine »Impfpflicht oder andere medizinische Zwangsmaßnahmen« ab. Schutzimpfungen vor Infektionskrankheiten seien eine wirksame Maßnahme des Gesundheitsschutzes und der Vorsorge, so Bollinger. »Eine Impfpflicht mit unbekannten und nicht hinreichend erprobten Wirkstoffen, wie in der Corona-Krise, lehnen wir ab und fühlen uns darin im Nachhinein durch die Entwicklungen seitdem bestätigt.« Dass Apotheken bald alle Totimpfungen verabreichen dürfen, sieht der AfD-Kandidat kritisch: »Die Zuständigkeits- und Verantwortungsbereiche der Heilberufe dürfen nicht verwischt werden. Ärzte bleiben für die Diagnose und Therapie einschließlich aller Eingriffe wie Injektionen zuständig. Umgekehrt dürfen Arztpraxen auch keine Behelfsapotheken werden, in denen Medikamente ausgegeben werden.«

Mehr von Avoxa