| Daniela Hüttemann |
| 14.06.2026 08:00 Uhr |
Von Diversität in den Teams profitiert jedes Krankenhaus, ebenso von kollegialer interprofessioneller Zusammenarbeit. / © Getty Images/RealPeopleGroup
Rund 40 Jahre hat Heineman als pädiatrischer Chirurg in Krankenhäusern gearbeitet, zuletzt in der Universitätsmedizin Groningen. Ihm sind die Strukturen vielerorts immer noch viel zu starr, zu egobasiert. Die Gesundheitsversorgung stecke in einer Phase tiefgreifender Transformation. Auch in Krankenhäusern kämpft man mit Lieferengpässen, Fachkräftemangel und ökonomischem Druck.
Um die Qualität der Versorgung und die Patientensicherheit zu erhöhen, brauche es mehr als neue Prozesse. Es brauche einen kulturellen Wandel. Der Patient und sein Wohlbefinden müsse im Mittelpunkt stehen, nicht das Management von Betten. Krankenhäuser müssen dazu weg vom Silodenken der verschiedenen Abteilungen und Stationen und sich mehr als gemeinsames Ganzes sehen, als lebendiges Ökosystem. »Ein Krankenhaus ist keine Maschine, sondern ein sozialer Prozess«, so Heineman. Prozesse seien noch zu linear organisiert statt quervernetzt.
Ein gesundes Ökosystem sei erfolgreich durch individuelles Wachstum, Diversität, wechselseitigen Beziehungen und Bewegung, ob im Regenwald oder im Krankenhaus. Führungskräfte täten gut daran, diese Punkte zu fördern. Doch jeder einzelne Mitarbeitende könne auch einen Change bewirken, indem er sich in seinem Umfeld und sein Projekt Verbündete sucht, Koalitionen bildet.
Professor Dr. Erik Heineman, Universitätsmedizin Groningen / © Avoxa/Matthias Merz
Als idealen Netzwerkpartner sieht er die Krankenhausapothekerinnen und -apotheker. Es gebe sogar Forschung zu ihrer allgemeinen Persönlichkeit – sie seien uneigennützig, organisiert, verlässlich, leidenschaftlich, vertrauenswürdig, erfinderisch und neugierig. Heineman beschrieb Apotheker als T-förmig: »Der vertikale Balken steht für die tiefe Expertise in einem Fachgebiet, während der horizontale Balken breites Wissen, Kommunikationsfähigkeit und Zusammenarbeit über Disziplinen hinweg symbolisiert, Spezialistentum verbunden mit interdisziplinärer Flexibilität.«
Das Berufsbild habe in den vergangenen Jahren einen enormen Wandel durchgemacht – über die Logistik hinaus zu klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen. Das sollten sie noch proaktiver machen, raus aus dem Keller, rauf auf die Stationen.