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Schlafstörungen

Das ideale Schlafmittel gibt es nicht

Als »mau« bezeichnete der Pharmakologe die Wirksamkeit von Melatonin zur Behandlung von Insomnien; deshalb werde es generell nicht empfohlen. In Deutschland ist ein 2mg-Retardpräparat als Arzneimittel zur kurzfristigen Behandlung der primären Insomnie bei Patienten ab 55 Jahre zugelassen. Alle anderen Melatonin-haltigen Zubereitungen sind als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt.

Zurückhaltend äußerte sich Schmidtko auch bezüglich der Effektivität der sedierenden H1-Antihistaminika Diphenhydramin und Doxylamin. »Es gibt keine hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien.« Antihistaminika hätten gemäß bisheriger wissenschaftlicher Erkenntnisse einen allenfalls mäßigen Effekt nach deutlich verzögertem Wirkeintritt und könnten rasch eine Toleranz entwickeln.

Aufgrund des erwiesenen erhöhten Sturzrisikos («signifikante Verdopplung der Sturz- und Frakturrate bei den Über-65-Jährigen«) plädierte der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht im Januar vergangenen Jahres dafür, Doxylamin und Diphenhydramin bei Patienten über 65 Jahre der Verschreibungspflicht zu unterstellen.

Dagegen empfahl der Sachverständigenausschuss, dessen Mitglied Schmidtko ist, Dimenhydrinat nicht der Verschreibungspflicht zu unterstellen. Der Pharmakologe erklärte den Hintergrund: »Dimenhydrinat ist indiziert bei Erbrechen und nicht bei Schlafstörungen. Da ist das Risiko von Stürzen weniger gegeben.«

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