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Charakteristika diagnostischer Covid-19-Tests

Der Antikörper-ELISA-Test

Eine SARS-CoV-2-Infektion kann nach überstandener Krankheit auch indirekt durch Messung der Immunantwort des Infizierten auf das Virus nachgewiesen werden. Die serologische Diagnose ist besonders wichtig für Patienten mit einer symptomarmen Erkrankung. Darüber hinaus wird die serologische Diagnose aber auch zu einem wichtigen Instrument, um das Ausmaß von Covid-19-Erkankungen in einer bestimmten Population zu verstehen und um Personen zu identifizieren, die potenziell vor einer Infektion »geschützt« sind.

Als empfindlichsten und frühesten serologischen Marker werden die Gesamtantikörper bestimmt, deren Spiegel ab der zweiten Woche nach Symptombeginn zu steigen beginnen. Obwohl IgM- und IgG-ELISA bereits am vierten Tag nach Symptombeginn positiv sein können, sind in der zweiten und dritten Krankheitswoche höhere Spiegel nachweisbar. Danach beginnen die IgM-Konzentrationen abzunehmen. Ab der siebten Woche sind meist keine IgM-Antikörper mehr nachweisbar, während das IgG über sieben Wochen hinaus persistiert.

Gute ELISA-basierte IgM- und IgG-Antikörpertests besitzen eine über 95-prozentige Spezifität für die Diagnose von Covid-19. Das Testen von gepaarten Serumproben zunächst mit einer RT-PCR und zwei Wochen später mit dem ELISA-Test kann die diagnostische Genauigkeit weiter erhöhen. Das Pharmaunternehmen Roche wird in Kürze einen Antikörpertest, der auf einem Doppelantigen-Sandwich-Format basiert, mit deutlich besseren Qualitätsparametern auf den Markt bringen: Der Elecsys® Anti-SARS-CoV-2-Test habe eine Sensitivität von 100 Prozent und eine Spezifität von 99,8 Prozent.

In der Regel wird die Mehrzahl der Antikörper gegen das am häufigsten vorkommende Nucleocapsid-Protein (NC) des Virus gebildet. Daher gelten Tests, die NC-Antikörper nachweisen, am empfindlichsten. Informativer ist hingegen der Nachweis von Antikörpern gegen die Rezeptor-Bindungsdomäne des Spike-Proteins (RBD-S), da die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass sich unter diesen Antikörpern auch neutralisierende Antikörper befinden. Zu bedenken ist, dass einige der im Markt befindlichen Tests mit Antikörpern gegen SARS-CoV-1 kreuzreagieren.

Point-of-Care-Schnelltests zum Nachweis von Antikörpern stellen momentan ein großes Problem dar. Sie wurden in großem Umfang entwickelt und vermarktet und sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Viele Hersteller geben die Art der verwendeten Antigene nicht bekannt. Zudem sind diese Tests rein qualitativer Natur und können nur das Vorhandensein oder Fehlen von SARS-CoV-2-Antikörpern anzeigen. Das Vorhandensein von neutralisierenden Antikörpern kann nur durch deutlich aufwendigere Tests bestimmt werden. Die langfristige Persistenz und die Dauer des durch die neutralisierenden Antikörper verliehenen Schutzes bleiben vorerst unbekannt.

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