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Charakteristika diagnostischer Covid-19-Tests

Seit Wochen wird vor der Unzuverlässigkeit von Antikörpertests zur Bestimmung einer möglichen Serokonversion nach überstandener Covid-19-Erkrankung gewarnt. Damit fehlte ein wichtiger Baustein in der Covid-19-Diagnostik. Das ändert sich jedoch gerade.
Theo Dingermann
07.05.2020  18:08 Uhr

Noch ist die die SARS-CoV-2-Pandemie alles andere als überstanden. Aber in vielen Ländern gibt es klare Anzeichen, dass zumindest die erste Infektionswelle sich abschwächt. Das hat Konsequenzen für das diagnostische Methodenspektrum zur Beurteilung des Pandemieverlaufs. Stand bisher der Nachweis einer akuten Infektion auf der Dringlichkeitsleiter ganz oben, gewinnt jetzt der Nachweis der Serokonversion, also der Test auf das Vorhandensein SARS-CoV-2 spezifischer Antikörper, zunehmend  an Bedeutung.

Dem trägt auch das Fachjournal »JAMA« Rechnung, das in einem Viewpoint-Artikel einen Überblick über die Zeitspannen gibt, in denen die Reverse Transkriptase Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) und der IgM- und IgG-Enzym-Immunosorbent-Assay (ELISA) eingesetzt werden können. Denn um Fehlinterpretationen zu vermeiden, ist es wichtig, dass die beiden grundverschiedenen diagnostischen Tests zum richtigen Zeitpunkt nach einer möglichen Infektion zum Einsatz kommen.

Der RT-PCR-Test

Nach wie vor wird eine RT-PCR-Diagnostik in den allermeisten Fällen bei symptomatischen Patienten sowie bei nachvollziehbaren Kontakten mit diesen Personen durchgeführt. Zusätzlich geht man nun dazu über, auch Bewohner von Alten- und Pflegeheimen engmaschiger zu testen. Zudem werden Angehörige der Heilberufe, die intensiv Infizierte versorgen, mit hoher Priorität getestet. Bei den meisten Personen wird die virale RNA im Nasen-Rachen-Abstrich, gemessen. Virale RNA ist bereits am ersten Tag des Symptombeginns nachweisbar. Die Nachweismöglichkeit erreicht ihren Höhepunkt dann innerhalb der ersten Woche nach Symptombeginn (siehe Abbildung).

Als Verfahren wird heute nahezu ausnahmslos die »Echtzeit-PCR« (Real Time PCR) eingesetzt, die es erlaubt, nicht nur qualitative, sondern auch quantitative Aussagen zu machen, also den Virusgehalt in der Probe ermittelt. Der Zyklus-Schwellenwert (cycle threshold; Ct) ist der relevante Signalwert. Er ergibt sich aus der Anzahl der Replikationszyklen, die erforderlich sind, um ein Fluoreszenzsignal zu erzeugen. Niedrigere Ct-Werte signalisieren eine höhere Viruskonzentration. Ein Ct-Wert von weniger als 40 wird klinisch als PCR-positiv gemeldet.

Das Nachweisfenster von Viren im Nasen-Rachen-Abstrichen beginnt sich ab Woche 3 wieder zu schließen. Bald danach ist die Virus-RNA nicht mehr nachweisbar. Die Ct-Werte schwer kranker, hospitalisierter Patienten sind niedriger als die Ct-Werte milder Fälle. Ein positives PCR-Ergebnis spiegelt nur den Nachweis viraler RNA wider und ist nicht zwingend ein Nachweis für das Vorhandensein replikationsfähiger Viren.

Die PCR-Positivität im Sputum nimmt langsamer ab und kann auch nach einem negativen Nasen-Rachen-Abstrich noch erhalten sein. Auch im Stuhl kann virale RNA im Median 4 bis 11 Tagen länger nachgewiesen werden als im Nasen-Rachen-Abstrich.

In einer Studie mit 205 Patienten mit bestätigter Covid-19-Infektion war die RT-PCR-Positivität in bronchoalveolären Lavage-Proben am höchsten (93 Prozent), gefolgt von Sputum (72 Prozent), Nasenabstrich (63 Prozent) und Rachenabstrich (32 Prozent). Falsch-negative Ergebnisse traten hauptsächlich aufgrund eines unangemessenen Zeitpunkts der Probenentnahme im Zusammenhang mit dem Krankheitsbeginn und mangelnder Probenentnahmetechnik, insbesondere von Nasen-Rachen-Abstrichen, auf. Die Spezifität der meisten RT-PCR-Tests liegt bei 100 Prozent. Selten kann es aufgrund technischer Fehler zu falsch-positiven Ergebnissen kommen.

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