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Medizinisches Cannabis

Cannabis – Made in Germany

40 Mitarbeiter an Anbau, Ernte und Produktion beteiligt

Für die einzelnen Schritte, vom Anbau über die Ernte bis hin zur Trocknung und Verpackung der Cannabisblüten sind rund 40 Mitarbeiter in Neumünster beteiligt. Vom Gärtner bis hin zu Pharmazeuten werden für den Cannabis-Anbau diverse Expertisen benötigt. Zwei bis vier Apotheker sind ebenfalls dort angestellt, um insbesondere im GMP-Bereich für die korrekte Verarbeitung der Cannabisblüten zu sorgen.

»Abgeholt wird das Cannabis von einer Firma, die ebenfalls vom BfArM beauftragt wurde, die Cansativa«, erläuterte Knopp. Das Startup aus Mörfelden-Walldorf bezeichnet sich auf der eigenen Webseite als »One-Stop-Shop« und übernimmt damit die Rolle des Großhändlers und Anlaufstelle für Apotheken. Cansativa ist für die gesamte Logistik bis zur Lieferung in die Apotheke zuständig. Eigenen Angaben zufolge beliefert das Unternehmen Apotheken mit medizinischem Cannabis bereits seit zwei Jahren, bisher nur eben Importware aus dem Ausland.

Die abgepackten und getrockneten Cannabisblüten aus Neumünster verlassen fertig die Produktionshalle. »Die erste Ernte wird im ersten Quartal 2021 erfolgen, damit könnte unser Cannabis Anfang des zweiten Quartals 2021 in den Apotheken verfügbar sein«, erklärte Knopp. Ein Zwischenschritt wird jedoch vor allem am Anfang noch nötig sein: »Wenn die mikrobakterielle Belastung hoch ist, müssen die Blüten in riesigen Anlagen noch bestrahlt werden«, erklärte Knopp. Ziel sei es jedoch, das Cannabis in so guter Qualität auszuliefern, dass eine Bestrahlung nicht mehr notwendig sei. Am Anfang werde das Medizinalcannabis aber mit Sicherheit noch mit Gamma-Strahlen bestrahlt, insbesondere um Keime abzutöten und die Sicherheit der Patienten, insbesondere Krebspatienten, nicht zu gefährden, so Knopp.

Cannabis-Ruf verbessert sich zunehmend

Schon in ein paar Monaten wird das angebaute Cannabis aus Neumünster in den Apotheken verkauft werden, wenn alles nach Plan läuft. Und obwohl die Nachfrage nach medizinischem Cannabis in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist, plant die Bundesregierung derzeit keine weiteren Ausschreibungen. Sie wolle die Erfahrungen des ersten Anbaus zunächst abwarten, erklärte sie in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. Dass der Bedarf weiter wachsen wird ist allerdings klar. Einer der Hauptgründe: Der Ruf von Cannabis als gefährliche Rauschdroge hin zu einem wirksamen Medikament verbessert sich stetig. Erst vor kurzem strich die UN-Suchtmittelkommission (Commission on Narcotic Drugs) in Wien Cannabis von der Liste der gefährlichen Drogen. 1961 wurde die UN-Drogenkonvention ins Leben gerufen, um der internationalen Staatengemeinschaft Hilfestellung in der Einschätzung um die Gefährlichkeit von Drogen und Substanzen zu geben. Cannabis ist demzufolge nun nicht mehr in der Kategorie IV der gefährlichen Drogen gelistet und damit nicht mehr mit etwa Heroin gleichgestellt, sondern in der Kategorie I der Übereinkunft von 1961 gelistet. Mit dieser Entscheidung folgte die UN-Suchtstoffkommission der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Januar 2019.

Die beiden Aphria-Geschäftsführer Knopp und Kolisch sehen der Zukunft entspannt entgegen. Ihre Anlage steht, das erste Cannabis wird bald angebaut und kann in den kommenden Wochen auch geerntet werden. Wenn ihnen keine Wurzelfäule, Blattläuse oder Mehltau in die Quere kommt, dann wird das Neumünster-Cannabis bald in die Apotheken geliefert und kann zu einer sicheren und zuverlässigen Patientenversorgung in naher Zukunft beitragen.

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