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Medizinisches Cannabis

Cannabis – Made in Germany

Pflanzen sollen keimfrei heranwachsen

Demnach wurden je Sorte 150 Stecklinge aus Kanada eingeflogen. »Die drei Sorten werden parallel angebaut. Das war die große Herausforderung für uns, dass es hier zu keiner Kreuzkontamination kommt. Nach jeder Ernte wird alles gereinigt und dann kommt die nächste Charge«, erklärte Knopp. Aus den ersten Setzlingen werden die künftigen Cannabis-Pflanzen via Mikrovermehrung geklont. Die gleiche Pflanze wird über die nächsten Jahre somit immer wieder verwendet. Nach einer 10-tägigen Anzuchtphase in den Anzuchtkammern, die quasi als Kinderstuben fungieren, werden die Pflanzen in die größeren Blühvegetationskammern mit je rund 170 Quadratmetern in Mineralwolle-Blöcke gepflanzt. Die Pflanzen dürfen nicht in Erde gedeihen, da aus Sorge vor Krankheiten jegliche organischen Stoffe von ihnen ferngehalten werden müssen.

So dürfen auch nur wenige Menschen in die Kammern mit entsprechender Schutzausrüstung, auch eine 20-sekündige Luftdusche zur Reinigung von Pilzen und Sporen darf vor dem Betreten der Kammern nicht fehlen. Eventuell verbleibende Sporen und Keime in der Kammer werden durch die Zugabe von Ozon abgetötet, erklärte Kolisch. »Ein Befall wie etwa Blattläuse ist damit nahezu ausgeschlossen. Eine befallene Kammer könnte jedoch autark evakuiert werden«, betonte der 51-Jährige. Pro Kammer wachsen in 45 Reihen eng nebeneinander die Pflanzen. Durch Barcodes kann später jede Charge mit der exakten Zuordnung zur Kammer, Reihe und sogar einzelnen Pflanze nachvollzogen werden, woher die Cannabisblüten stammen.

Die Pflanzen verbringen in den Indoor-Kammern ohne Tageslicht rund 70 Tage und wachsen in dieser Zeit zu einer Höhe von etwa 80 Zentimetern heran. »Entscheidend ist aber nicht die Höhe der Pflanze, sondern die Qualität und Anzahl der Blüten«, betonte Knopp. Denn nur die Blüten werden später zu medizinischem Cannabis getrocknet und weiterverarbeitet. Während der Anbauzeit werden die Pflanzen über schwarze Dripper, die in jedem Steinwolle-Quader mit einer Kantenlänge von 15 Zentimetern stecken, mit einer speziellen Nährlösung unter anderem mit Stickstoff versorgt. »Die genaue Zusammensetzung der Nährlösung ist an jede Sorte angepasst und bleibt ein Firmengeheimnis«, erklärte Kolisch. Durch die verbesserten Bedingungen, einer konstanten Raumtemperatur zwischen 20 und 25 Grad und durch ungefähr 12 Stunden helles Pflanzenlicht am Tag kann der normale Zyklus in der Natur erheblich verkürzt werden. »Wir sind drei bis viermal schneller als die Natur. Wir planen vier bis fünf Ernten pro Jahr«, erklärt Knopp. Mit anderen Worten: In der Halle gibt es keinen Herbst und Winter, sondern nur die Jahreszeiten Frühling und Sommer.

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