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Universitätsmedizin in MV
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Bündnis für klinische Studien

Die Universitäten Rostock und Greifswald wollen die Anzahl klinischer Studien in Mecklenburg-Vorpommern signifikant erhöhen. Dazu setzen die Standorte auf Vernetzung, Patientenbeteiligung und Kooperationen mit der Industrie. Das Konzept wurde am 28. Oktober beim ersten »Clinical Trials Focus Day« in Rostock vorgestellt.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 30.10.2026  11:30 Uhr

Die Universitätsmedizin Rostock (UMR) und Greifswald (UMG) können an Größe nicht mit anderen Universitätskliniken konkurrieren, wollen diesen Makel aber durch Geschwindigkeit und Effizienz wettmachen. Zur Professionalisierung und Erweiterung des Studienmanagements wurde das Zentrum für Klinische Studien (ZKS) gegründet.

Ziel des ZKS ist, die Zahl gemeinsamer Studien in Mecklenburg-Vorpommern deutlich zu erhöhen. Dabei helfen eine einheitliche Vertragsgestaltung, Arbeitsteilung und hohe Spezialisierung der Standorte.  Bernd Krause, Dekan und wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Rostock (UMR), sieht die klinischen Studien als Teil einer durchgängigen Innovationskette: »Kein abstraktes Ziel, sondern ein konkreter Nutzen: Neue Erkenntnisse sollen schneller in der Versorgung ankommen.«

Das ist auch für die Industrie interessant, weshalb Hersteller Novartis nicht nur den »Clinical Trials Focus Day« als Partner unterstützt, sondern auch weitere Studien im Norden plant. »Dieser Tag ist eine Brücke zwischen Klinik, Wissenschaft und Industrie«, so Krause.

Agnes Flöel, Prodekanin für Forschung der UMG, sieht den Vorteil im Netzwerk der Universitätsmedizin darin, dass hier ausreichend Teilnehmer für Studien gefunden werden können. Denn das sei gerade im ländlichen Raum mit weiten Wegen oft ein Problem.

Als Positivbeispiel der Vernetzung kann das Comprehensive Cancer Center (CCC-MV) gelten. Direktor Jörg Haier stellte den komplexen Prozess einer Studiendurchführung dar. Mecklenburg-Vorpommern als vernetzter Standort müsse noch schneller werden, um gegenüber größeren Zentren konkurrenzfähig zu sein. Denn nicht nur Deutschland sei im europäischen Vergleich bei Studien abgehängt, auch national gebe es derzeit noch eine Ungleichverteilung zulasten des Nordens der Republik.

Patientenbeirat in Studien einbezogen

Haier betonte, dass dezentrale Studieneinheiten im Rahmen des ZKS nicht abgeschafft, sondern im Gegenteil gestärkt werden sollen. Chia-Jung Busch, Sprecherin des CCC-MV, ergänzte später in einer Podiumsdiskussion, es gehe um »Vertrauen, Kommunikation und Selbstbewusstsein. Wir brauchen uns als Verbund nicht zu verstecken.«

Gemeinsam mit Betroffenen die Forschung zu verbessern, ist Ziel des Patientenbeirats für partizipative Forschung (PART-Beirat UMR). Der wissenschaftliche Mehrwert liegt laut Olga Biernetzky in der Verbindung von Erfahrungswissen und wissenschaftlicher Expertise. Themenspezifische Beiräte etwa zu neurodegenerativen Erkrankungen, Onkologie oder Allgemeinmedizin gibt es schon, ab Dezember soll es zusätzlich einen übergeordneten Beirat geben. Wiebke Kragl ist Mitglied im OnkoBeirat des CCC-MV und betonte: »Wir bringen unsere gelebte Erfahrung mit ein.«

Ohne Partner aus der Industrie lassen sich viele Studien schlicht nicht finanzieren. Novartis ist laut Wolfgang Moll, SMM Portfolio Team Lead, »deutscher Meister in der klinischen Forschung«: 149 klinische Studien mit mehr als 7500 eingeschlossenen Patientinnen und Patienten bundesweit.

Wie kommen Studien nach Deutschland?

Führend waren 2025 die Unikliniken in Berlin (Charité), Dresden, Essen, Köln und Leipzig, aber Studien in 232 Zentren zeigten, dass Forschung in der Fläche stattfinde und nicht wie beispielsweise in Spanien zentralisiert. Und in Rostock werden mit der Radioligandentherapie (RLT) seit Jahren internationale Standards gesetzt.

Studien nach Deutschland zu holen, sei aber »kein Selbstläufer« in einem internationalen Unternehmen wie Novartis, so Moll. Im Wettbewerb zwischen den Ländern geht es um »Performance, Rekrutierung, Qualität und am Ende auch Kosten«, so Moll. Mit der »Strategie in Forschung und Lehre unter Einbeziehung der Krankenversorgung bis 2030« in Rostock könne aber etwas Großes entstehen, so Moll. Diverse Best Cases aus der klinischen Forschung wurden in der Folge präsentiert.

Künftig müssen laut dem Novartis-Manager aber vielleicht gar nicht immer mehr Daten in immer komplexeren Studien erhoben werden. Heute würden 97 Prozent der Gesundheitsdaten nicht genutzt, die teilweise auch außerhalb von Studien erhoben würden. Könnte man mit diesen Daten einen »digitalen Zwilling« des Patienten erstellen und nur auf dieser Grundlage Modelle erstellen und Therapien testen, ließe sich Forschung vielleicht erheblich beschleunigen, so die Hoffnung bei Novartis. Studien würden dann nicht mehr vom Molekül aus, sondern KI-unterstützt von Daten aus durchgeführt.

Verlässlicher politischer Rahmen

Dass Forschung vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen benötigt, unterstrich Robert Seele, bei Novartis zuständig für politische Kommunikation, in der abschließenden Podiumsdiskussion. »Wir haben das Vertrauen verloren in die Verlässlichkeit der deutschen Gesundheitspolitik«, sagte er mit Blick auf die volatilen Sparmaßnahmen der Regierung.

Simone Borchardt (CDU), gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, hielt dagegen: Es habe durchaus Fördermaßnahmen gegeben, die Industrie habe sich dennoch verabschiedet. Die CDU-Politikerin kündigte aber an, dass der Pharmastandort Deutschland mit dem Pharmadialog und weiteren gesetzgeberischen Maßnahmen gestärkt werden soll – schon aus Gründen der Krisenresilienz.

Christiane Stehle, Vorstandsvorsitzende der UMR, verwies auf den erheblichen Wirtschaftsfaktor, den die Universitätsmedizin in MV mit mehr als 11.000 Beschäftigten darstelle. Und Krause betonte die »kompetitiven Strukturen« der Standorte: »Wir sind Spitzenklasse bei speziellen Indikationen.«

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