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Ebolaviren
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Breitband-Impfstoff in der Entwicklung

Forschende entwickeln einen weiteren Impfstoff gegen Ebola und verwandte Viren. Ein Lipidnanopartikel soll mRNA gegen drei pathogene Spezies enthalten – auch gegen das aktuell grassierende Bundibugyo-Virus.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 26.05.2026  13:30 Uhr

Orthoebolaviridae sind hochvirulente Zoonosen, die sich durch direkten Kontakt mit infiziertem Blut oder Körperflüssigkeiten ausbreiten und mit einer durchschnittlichen Fallsterblichkeitsrate von etwa 50 Prozent verbunden sind. Während die West-Afrika-Epidemie 2013 bis 2016 mehr als 28.600 Infektionen und 11.300 Todesfälle verursachte, bleibt der mangelnde Schutz gegen mehrere pathogene Spezies ein zentrales Problem der globalen Seuchenkontrolle, wie auch die aktuelle Epidemie im Ostkongo zeigt.

Bisherige Impfstoffstrategien zum Schutz vor Orthoebolaviridae konzentrieren sich primär auf das Ebolavirus (EBOV, Orthoebolavirus zairense). Die gängigen lizenzierten Vakzine wie Ervebo® (rVSV-EBOV) und das nicht mehr in Europa zugelassene zweikomponentige Regime Zabdeno®/Mvabea® bieten begrenzte Kreuzprotektion gegen andere pathogene Orthoebolaviren wie das Sudanvirus (SUDV, Orthoebolavirus sudanense) und das aktuell grassierende Bundibugyo-Virus (BDBV, Orthoebolavirus bundibugyoense). Die Sudan-Epidemie in Uganda 2022 bis 2023 verdeutlichte diese Lücke eindrucksvoll.

Mehrere Antigene in einem Lipidnanopartikel

Etliche Impfstoffkandidaten gegen Ebolaviren sind in der Entwicklung. An einer weiteren multivalenten mRNA-Impfstoffplattform, die die Impfstofflücke schließen soll, arbeitet aktuell ein internationales Forscherteam um Jiachen Zhang von der University of Science and Technology of China in Hefei. Erste Daten publizierte das Team jetzt im Wissenschaftsjournal »Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)«.

In der Formulierung [GPs+NP]@LNP sind in einem einzigen Lipidnanopartikel-System mRNA-Sequenzen verkapselt, die sowohl für Glykoprotein-Sequenzen (GP) aller drei Viren (also EBOV, SUDV und BDBV) als auch für das hochkonservierte Nukleoprotein (NP) des EBOV codieren.

Das Design basiert auf rationalen immunologischen Überlegungen. Während die Glykoproteine primär humorale Antikörperreaktionen auslösen, treibt das Nukleoprotein vor allem zellvermittelte CD8+-T-Zell-Antworten an. Die Verpackung mehrerer Antigene in einem einzigen Lipidnanopartikel führt zu synchroner Antigenexpression und balancierter Immunaktivierung, welche die GP-abhängige Antikörperproduktion verstärkt und gleichzeitig robuste Granzym-B-sezernierende CD8+ T-Zellen sowie Effektor-Gedächtnis-T-Zellen induziert.

Sehr gut wirksam an Mäusen

In präklinischen Modellen zeigte die Formulierung beeindruckende Schutzresultate. Bei EBOV-exponierten BALB/c-Mäusen erreichte [GPs+NP]@LNP 100-prozentige Überlebensraten und eine vollständige virale Clearance in Leber und Serum. Gegen BDBV in Interferon-Alpha-Rezeptor-negativen (IFNAR−/−)-Mäusen reduzierte der Impfstoff hepatische Viruslasten effektiv, während heterologe Glykoproteine allein unzureichend waren.

In einem Hamster-basierten SUDV-Modell vermittelte eine Impfung mit 20 µg [GPs+NP]@LNP vollständigen Schutz und effektive virale Clearance nach einer ansonsten letalen Virus-Exposition.

Bemerkenswert war die langfristige Schutzwirkung. Nach 17 Monaten zeigten mit [GPs+NP]@LNP geimpfte Mäuse robuste Überlebensraten, während Formulierungen, die nur Glykoprotein-Antigene enthielten, variable Schutzraten von 40 bis 80 Prozent aufwiesen. Dies unterstreicht, dass die Aufnahme des Nukleoproteins die Langzeitimmunität stabilisiert, während Glykoprotein-Antikörper bei übermäßiger inflammatorischer Infiltration das Gleichgewicht wahren.

Limitationen

Die Forschenden weisen selbstkritisch allerdings auch auf Limitationen hin. Nagetiermodelle bilden nicht vollständig die komplexe Pathophysiologie humaner Infektionen ab. Zudem repräsentieren IFNAR−/−-Mäuse ohne ein intaktes Typ-I-Interferon-Signaling immundefiziente Zustände.

Zudem können die durch die mRNA kodierten Antigenbereiche für die Glykoproteine und das Nukleoprotein noch optimiert und damit die Länge der mRNA verringert werden. Dies würde voraussichtlich auch die Verträglichkeit des Impfstoffs verbessern.

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