| Theo Dingermann |
| 03.07.2026 16:20 Uhr |
mRNA-Impfstoffe oder -Therapeutika induzieren die Synthese von bestimmten Proteinen. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. / © Getty Images/Science Photo Library/Juan Gaertner
Die Covid-19-Pandemie hat die mRNA-Technologie innerhalb kürzester Zeit von einer experimentellen zu einer klinisch etablierten Impfstoffplattform gemacht. Doch der eigentliche Anspruch der Technologie reicht weit darüber hinaus: mRNA soll nicht nur Immunantworten auslösen, sondern fehlende Proteine ersetzen, Antikörper im Körper produzieren lassen, Krebs gezielt bekämpfen, Genome editieren und Immunzellen programmieren.
In einem Übersichtsartikel im Fachjournal »Nature Reviews Drug Discovery« ziehen Professor Dr. Kenneth Chien und Kollegen vom Karolinska Institutet in Stockholm, Schweden, eine Zwischenbilanz dieser Entwicklung und skizzieren den Übergang von der ersten Generation der mRNA-Technologie hin zu einer zweiten Generation therapeutischer Anwendungen. Sie stellen fest: Die wissenschaftlichen Grundlagen für eine »mRNA 2.0« sind gelegt, doch die größten Herausforderungen liegen heute weniger in der mRNA selbst als in ihrer präzisen, sicheren und wiederholbaren Verabreichung.
Während die erste Generation der mRNA-Technologie vor allem durch Impfstoffe geprägt wurde, verschieben sich die Anforderungen bei therapeutischen Anwendungen grundlegend. Impfstoffe profitieren bekanntlich von einer gewissen Immunaktivierung durch die mRNA und die Lipidnanopartikel (LNP), in die sie eingebettet sind, weil diese als Wirkverstärker (Adjuvans) wirken. Für chronische Therapien ist jedoch genau diese Immunstimulation ein Problem.
Die Immunreaktionen vermindern bei wiederholten systemischen Gaben die Proteinexpression und rufen unerwünschte Nebenwirkungen hervor, die von den Patienten schlecht akzeptiert werden. Hinzu kommt, dass die heute klinisch etablierten LNP bevorzugt in der Leber aufgenommen werden und damit den Einsatz auf andere Organe erheblich einschränken. Daher liegen die Herausforderungen vor allem in zwei zentralen Entwicklungszielen: immunologisch nahezu »stumme« Formulierungen und organspezifische Transportsysteme.