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Nach Todesfall

Brasilien stoppt Einsatz von Vaxzevria bei Schwangeren

Nach dem Tod einer Schwangeren, die zuvor mit dem Covid-19-Impfstoff Vaxzevria® von Astra-Zeneca geimpft worden war, hat Brasilien den Einsatz dieses Impfstoffs bei Schwangeren bis auf Weiteres gestoppt.
Annette Rößler
12.05.2021  15:44 Uhr

In der brasilianischen Stadt Rio de Janeiro ist eine 35-jährige, im sechsten Monat schwangere Frau infolge einer Hirnblutung gestorben, nachdem sie mit Vaxzevria® von Astra-Zeneca gegen Covid-19 geimpft worden war. Der Todesfall wird derzeit von der brasilianischen Gesundheitsbehörde Anvisa als »möglicherweise im Zusammenhang mit der Impfung stehend« eingestuft. Anvisa empfahl, den Einsatz dieses Impfstoffs bei Schwangeren auszusetzen, bis der Sachverhalt geklärt ist. Dieser Empfehlung folgte die Regierung am Dienstag, wie die Nachrichtenagentur »Reuters« meldet.

Schwangere und stillende Frauen waren laut Astra-Zeneca von den klinischen Studien mit Vaxzevria ausgeschlossen. Tierstudien hätten keine Hinweise auf einen möglichen schädlichen Effekt des Impfstoffs geliefert, ließ das Unternehmen laut »Reuters« wissen.

Vaxzevria besitzt in Europa für den Einsatz bei Erwachsenen eine bedingte Zulassung ohne Einschränkungen. Das bedeutet, dass auch Schwangere und Stillende den Impfstoff erhalten können. In Deutschland sprechen jedoch gleich zwei Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) dagegen: zum einen die Altersgrenze von 60 Jahren, die die STIKO für die beiden Vektorimpfstoffe von Astra-Zeneca und Janssen (Johnson & Johnson) befürwortet, und zum anderen die Empfehlung der STIKO, die Impfung Schwangeren nur nach individueller Risikoprüfung anzubieten, die für alle zugelassenen Covid-19-Impfstoffe gilt.

Nach einer Impfung mit einem Vektorimpfstoff kann es in sehr seltenen Fällen zu ungewöhnlichen Gerinnungsstörungen kommen, sogenannten Thrombosen mit Thrombozytopenie (TTS). Ob dies im Fall der Schwangeren aus Brasilien der Fall war, ist zurzeit unklar. Bei einer Pressekonferenz der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) sagte deren Leiter der Pharmakovigilanzabteilung, Dr. Georgy Genov, am Mittwoch, es gebe noch sehr wenig Daten zum Einsatz der Astra-Zeneca-Vakzine bei Schwangeren. Bislang habe die EMA noch keine Patientencharakteristika identifiziert, die einen Risikofaktor für TTS darstellten. Zuletzt hatten deutsche Gerinnungsexperten darauf hingewiesen, dass die Komplikation nicht nur nach der ersten Impfdosis, sondern auch erst nach der zweiten auftreten könne.

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