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Covid-19-Impfkampagne

BMG sucht nach Lösung zur Einbindung der Privatärzte 

Bislang dürfen Apotheken Covid-19-Impfstoffe nur an Kassenärzte ausliefern. Spätestens im Juni sollen nun auch die Betriebsärzte dazukommen. Privatarztpraxen müssen hingegen zunächst noch eine technische Hürde nehmen. Astra-Zeneca soll derweil mit einer großen Impfstoff-Lieferung in dieser Woche zuletzt gekürzte Mengen ausgleichen. 
Stephanie Schersch
26.04.2021  15:30 Uhr

Vor gerade einmal drei Wochen haben die Apotheken zum ersten Mal Covid-19-Vakzine an die Arztpraxen verteilt. Die Impfkampagne gewinnt seitdem deutlich an Fahrt. Mehr als 3,2 Millionen mal haben die Mediziner bereits geimpft, rund 65.000 Ärzte sind nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) inzwischen dabei.

Bislang handelt es sich ausschließlich um Mediziner mit einer Kassenzulassung und in der Regel um Hausarztpraxen. Hintergrund sind die immer noch knappen Impfstoffe, auch wenn die Mengen stetig steigen. So werden in dieser Woche erstmals rund 2 Millionen Impfdosen in die Praxen gelangen, in der ersten Maiwoche sollen es bereits 3 Millionen Dosen sein. Vor diesem Hintergrund plant das BMG bereits den nächsten Schritt. So soll die routinemäßige Einbindung der Betriebsärzte »spätestens im Juni« möglich sein, schreibt das Ministerium in einem Bericht zum Stand der Impfkampagne. »Die Betriebsärzte sollen die Impfdosen dann, wie etwa Grippe-Impfstoffe auch, regulär über die Apotheken beziehen können.«

Entsprechende Gespräche mit den Verbänden von Arbeitgebern und Betriebsärzten stehen laut BMG kurz vor dem Abschluss. Rechtlich soll eine Novelle der Impfverordnung die Sache verankern. Überarbeitet werden müsste dann auch die sogenannte Allgemeinverfügung zur Sicherstellung der flächendeckenden Verteilung von Covid-19-Impfstoffen. Sie verbietet Apothekern bislang die Abgabe der Vakzine an Ärzte ohne Kassenzulassung.

Privatpraxen fehlt die technische Anbindung

Unklar ist noch, wann auch die Privatärzte Covid-19-Impfungen übernehmen. Dem BMG zufolge hat das vor allem technische Gründe. So müsse es zunächst eine Art Register geben, über das sich Privatarztpraxen authentifizieren. »Denn bei weitem nicht jeder Inhaber eines Arztausweises ist tatsächlich Betreiber einer Praxis.« Darüber hinaus ist offenbar auch die Dokumentation ein Problem. Für das Impfquoten-Monitoring müssten die Impfungen zeitnah in die Statistik des Bundes einfließen können, betont das Ministerium. Die Hausärzte melden bestimmte Impfdaten derzeit täglich über ein Portal an die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die alle Daten an das Robert-Koch-Institut (RKI) weitergibt. Privatpraxen sind jedoch nicht Teil dieser Infrastruktur. Das BMG sucht nun zusammen mit den Verbänden der Privatärzte und der Bundesärztekammer nach einer Lösung des Problems.

In Deutschland ist nach Ministeriumsangaben inzwischen mehr als jeder Fünfte bereits mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Im Laufe dieser Woche soll es bereits jeder Vierte sein, Ende Mai dann jeder Dritte. Für das zweite Quartal haben die Hersteller insgesamt 80 Millionen Impfdosen zugesagt, 50 Millionen sollen allein von Biontech/Pfizer kommen. Zuletzt hatte sich allerdings immer wieder gezeigt, dass die Lieferprognosen der Hersteller mit Vorsicht zu genießen sind. So waren vor Kurzem etwa Dosen des Astra-Zeneca-Vakzins Vaxzevria® weggebrochen, die eigentlich für die Hausarztpraxen vorgesehen waren. Ähnliche Probleme gibt es auch rund um den Impfstoff Vaccine Janssen® des US-amerikanischen Herstellers Johnson & Johnson, der in der kommenden Woche anders als ursprünglich geplant nun doch noch nicht außerhalb der Impfzentren zum Einsatz kommen wird.

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