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Diabetes in der Pandemie

Blutzucker normnah einstellen, aber ohne Hypoglykämien

Normnahe Blutzuckereinstellung, mehr Sport und häufigere Selbstmessungen: Das empfehlen Diabetologen allen Patienten mit Typ-2-Diabetes in der Pandemiezeit.
Brigitte M. Gensthaler
03.07.2020
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In der Akutphase der Coronavirus-Pandemie trat die Versorgung chronisch kranker Menschen in den Hintergrund. Viele ambulante und stationäre Angebote für Diabetes-Patienten wurden gestoppt. Auch wenn es noch keine validen Daten zu den Langzeitfolgen gibt: »Wir sehen jetzt vermehrt Patienten mit höheren HbA1C- und nicht normnahen Blutzucker-Werten«, sagte Professor Dr. Baptist Gallwitz, Mediensprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Ende Juni bei einer Online-Pressekonferenz der DDG und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

Dabei hätten Menschen mit schlechter Stoffwechsellage, ältere Patienten und solche mit Folgeerkrankungen, vor allem an den Gefäßen, ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Infektionskrankheit, auch mit SARS-CoV-2. Bei gut eingestellten und jüngeren Patienten sei das Risiko für eine Covid-19-Erkrankung geringer. Um die Komplikationsrate zu reduzieren, sollten sich chronisch Kranke »bei Infektzeichen sofort testen und frühzeitig ärztlich behandeln lassen«.

Gallwitz empfahl, zum normalen Kontrollrhythmus beim Arzt zurückzukehren und zum Beispiel einmal im Quartal den HbA1C-Wert zu bestimmen. »Eine normnahe Einstellung ist jetzt besonders wichtig«. Der HbA1c sollte unter 7,5 Prozent liegen und möglichst ohne Unterzuckerung erreicht werden. Der Arzt plädierte für mehr Sport, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Selbstkontrollen. Auch Telefonberatung und telemedizinische Angebote könnten helfen, eine bessere Stoffwechseleinstellung zu erreichen.

Empfehlungen bei Covid-19

In ihren »Praktischen Empfehlungen zum Diabetes-Management bei Patientinnen und Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung« empfiehlt die DDG einen Blutglucose-Wert bei infizierten Diabetes-Patienten zwischen 70 und 180 mg/dl (3,9 und 10 mmol/dl) und einen HbA1c unter 7,5. Bei intensivmedizinisch betreuten Patienten sei ein Wert zwischen 140 und 180 mg/dl (7,8 bis 10 mmol/dl) anzustreben. Der Blutdruck sollte bei milden und schweren Verläufen möglichst nicht höher als 135/85 mmHg sein.

Zudem raten die Experten, alle an Covid-19 erkrankten Personen auf einen bislang unerkannten Diabetes hin zu untersuchen. Möglicherweise kann die Infektion selbst sogar Diabetes verursachen, denn SARS-CoV-2-Viren gelangen über ACE2-Rezeptoren, die sich auch auf den Betazellen des Pankreas befinden, in humane Zellen. So kann die Infektion die Insulin-produzierenden Betazellen schädigen. Dazu seien aber noch viele Fragen offen, resümierte Gallwitz. 

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