Vor dem Hintergrund der aktuellen Sparpläne für das Gesundheitswesen hat die Preisdiskussion einige Brisanz. Am gestrigen Dienstag hatte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) einen Fahrplan für die kurzfristige Kassensanierung vorgestellt. Auch die Pharmaunternehmen müssen demnach ihren Beitrag leisten: Im Arzneimittelbereich soll der Herstellerrabatt um eine dynamische Komponente ergänzt werden, die sich am Verhältnis der Arzneimittelausgaben zu den GKV-Einnahmen orientiert. Die Branche reagierte mit Unverständins auf die Pläne.
Dass mehr Transparenz bei der Preisgestaltung die Lager befrieden könnte, berichtet die »Wirtschaftswoche«. Bislang sei es schwer nachprüfbar, wie hoch die Forschungs- und Entwicklungskosten für die Unternehmen tatsächlich sind. Kassen bezögen ihre Berechnungen meist nur auf das jeweilige Medikament, während die Konzerne bei ihren Blockbustern – die oft auf öffentlich finanzierter Grundlagenforschung beruhten – auch die hohen Kosten für die gescheiterten Projekte mit einrechneten.
Im Preisstreit liegen die Argumente demnach auf dem Tisch. Die Konzerne drohten offen mit Abwanderung, falls man sich nicht einig werden sollte – eine reale Gefahr, meinen die einen. »Totaler Unsinn«, entgegen die Kassen. Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse (TK), sagte in einem »Spiegel«-Interview: »Wir sind einer der größten Märkte der Welt und haben mit die höchsten Preise – das vermeintliche Erpressungspotenzial ist nicht vorhanden.« Um »vernünftige Preise« festzusetzen, hätten Unternehmen und Kassen keine gleich langen Hebel, die Politik sei nicht mutig genug. Es fehle ein »Gegengewicht« zur Pharmaindustrie.