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Arzneimittelpreise
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Blockbuster Keytruda als Systemsprenger?

Das Krebsmittel Keytruda gilt als das umsatzstärkste Medikament der Welt – und kostet laut aktuellen Berechnungen offenbar deutlich mehr, als vertretbar wäre. Zugrunde liegen Daten eines internationalen Krankenversicherungsverbands.
AutorKontaktPZ
Datum 15.04.2026  13:26 Uhr
Blockbuster Keytruda als Systemsprenger?

Die Dachorganisation Association Internationale de la Mutualité  (AIM) lieferte demnach für ein gemeinsames Rechercheprojekt von »Spiegel« und ZDF Daten, ein Rechenmodell und daraus abgeleitete Vergleichszahlen. Als »fairen« Preis errechnete die AIM 40 Euro pro 100 Milligramm des Präparats. Darin enthalten seien bereits die Forschungs- und Entwicklungskosten sowie eine Rendite von 8 Prozent. Dass die Krankenkassen in Deutschland derzeit 2039,27 Euro für 100 Milligramm des Arzneimittels bezahlen, übersteigt laut den Berechnungen den vertretbaren Preis also um ein Vielfaches.  

Keytruda mit dem Wirkstoff Pembrolizumab ist ein Präparat des US-Herstellers MSD Sharp & Dohme (MSD) und wird häufig als »Gamechanger« in der Krebstherapie bezeichnet. In Deutschland kam es 2015 auf den Markt. Allein hier zahlten die Krankenkassen im vergangenen Jahr mehr als zwei Milliarden Euro dafür. Das Präparat zählt zu den Blockbuster-Medikamenten des Jahres 2025 und konnte mit einem Umsatz von 31,6 Milliarden US-Dollar seine Spitzenposition in der Rangliste der umsatzstärksten Arzneimittel behaupten; die Marke entspricht einem Anstieg von 2,2 Milliarden US-Dollar (7 Prozent) gegenüber 2024.

Pembrolizumab gehört zu den Checkpoint-Inhibitoren, die die körpereigene Immunabwehr gegen Krebszellen verstärken – sie haben sich als wichtige Säule in der Krebstherapie etabliert. Keytruda ist mittlerweile bei einer Vielzahl von Krebserkrankungen zugelassen, darunter Melanome, nicht kleinzelliger Lungenkrebs und triple-negativer Brustkrebs.

MSD begründet den hohen Preis mit Forschungs- und Entwicklungskosten. Diese sollen bei 44 Milliarden US-Dollar (rund 37,7 Milliarden Euro) liegen – davon 30 Milliarden für interne Entwicklung und 14 Milliarden für Forschungskooperationen. Dem stehen Angaben des Schweizer Organisation Public Eye entgegen; diese kommen laut »Spiegel« und ZDF auf lediglich rund 4,8 Milliarden Dollar, inklusive eines Risikoaufschlags für gescheiterte Projekte.

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