Keytruda (Pembrolizumab) ist ein Präparat des US-Herstellers Merck Sharp & Dohme (MSD) und gilt als »Gamechanger« in der Krebstherapie. / © MSD Sharp & Dohme (MSD)
Die Dachorganisation Association Internationale de la Mutualité (AIM) lieferte demnach für ein gemeinsames Rechercheprojekt von »Spiegel« und ZDF Daten, ein Rechenmodell und daraus abgeleitete Vergleichszahlen. Als »fairen« Preis errechnete die AIM 40 Euro pro 100 Milligramm des Präparats. Darin enthalten seien bereits die Forschungs- und Entwicklungskosten sowie eine Rendite von 8 Prozent. Dass die Krankenkassen in Deutschland derzeit 2039,27 Euro für 100 Milligramm des Arzneimittels bezahlen, übersteigt laut den Berechnungen den vertretbaren Preis also um ein Vielfaches.
Keytruda mit dem Wirkstoff Pembrolizumab ist ein Präparat des US-Herstellers MSD Sharp & Dohme (MSD) und wird häufig als »Gamechanger« in der Krebstherapie bezeichnet. In Deutschland kam es 2015 auf den Markt. Allein hier zahlten die Krankenkassen im vergangenen Jahr mehr als zwei Milliarden Euro dafür. Das Präparat zählt zu den Blockbuster-Medikamenten des Jahres 2025 und konnte mit einem Umsatz von 31,6 Milliarden US-Dollar seine Spitzenposition in der Rangliste der umsatzstärksten Arzneimittel behaupten; die Marke entspricht einem Anstieg von 2,2 Milliarden US-Dollar (7 Prozent) gegenüber 2024.
Pembrolizumab gehört zu den Checkpoint-Inhibitoren, die die körpereigene Immunabwehr gegen Krebszellen verstärken – sie haben sich als wichtige Säule in der Krebstherapie etabliert. Keytruda ist mittlerweile bei einer Vielzahl von Krebserkrankungen zugelassen, darunter Melanome, nicht kleinzelliger Lungenkrebs und triple-negativer Brustkrebs.
MSD begründet den hohen Preis mit Forschungs- und Entwicklungskosten. Diese sollen bei 44 Milliarden US-Dollar (rund 37,7 Milliarden Euro) liegen – davon 30 Milliarden für interne Entwicklung und 14 Milliarden für Forschungskooperationen. Dem stehen Angaben des Schweizer Organisation Public Eye entgegen; diese kommen laut »Spiegel« und ZDF auf lediglich rund 4,8 Milliarden Dollar, inklusive eines Risikoaufschlags für gescheiterte Projekte.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Sparpläne für das Gesundheitswesen hat die Preisdiskussion einige Brisanz. Am gestrigen Dienstag hatte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) einen Fahrplan für die kurzfristige Kassensanierung vorgestellt. Auch die Pharmaunternehmen müssen demnach ihren Beitrag leisten: Im Arzneimittelbereich soll der Herstellerrabatt um eine dynamische Komponente ergänzt werden, die sich am Verhältnis der Arzneimittelausgaben zu den GKV-Einnahmen orientiert. Die Branche reagierte mit Unverständins auf die Pläne.
Dass mehr Transparenz bei der Preisgestaltung die Lager befrieden könnte, berichtet die »Wirtschaftswoche«. Bislang sei es schwer nachprüfbar, wie hoch die Forschungs- und Entwicklungskosten für die Unternehmen tatsächlich sind. Kassen bezögen ihre Berechnungen meist nur auf das jeweilige Medikament, während die Konzerne bei ihren Blockbustern – die oft auf öffentlich finanzierter Grundlagenforschung beruhten – auch die hohen Kosten für die gescheiterten Projekte mit einrechneten.
Im Preisstreit liegen die Argumente demnach auf dem Tisch. Die Konzerne drohten offen mit Abwanderung, falls man sich nicht einig werden sollte – eine reale Gefahr, meinen die einen. »Totaler Unsinn«, entgegen die Kassen. Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse (TK), sagte in einem »Spiegel«-Interview: »Wir sind einer der größten Märkte der Welt und haben mit die höchsten Preise – das vermeintliche Erpressungspotenzial ist nicht vorhanden.« Um »vernünftige Preise« festzusetzen, hätten Unternehmen und Kassen keine gleich langen Hebel, die Politik sei nicht mutig genug. Es fehle ein »Gegengewicht« zur Pharmaindustrie.