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SARS-CoV-2-Mutationen

Biontech-Impfstoff wohl auch gegen B.1.1.7-Variante wirksam

Der Covid-19-Impfstoff Comirnaty® von Biontech und Pfizer scheint auch gegen die Coronavirus-Variante B.1.1.7 zu schützen. Das zeigt eine neue Untersuchung, wie das Unternehmen am Mittwoch meldete.
Christina Hohmann-Jeddi
21.01.2021  11:46 Uhr

Die im September in Südostengland aufgetauchte Variante von SARS-CoV-2 mit der Bezeichnung B.1.1.7 oder auch VOC-202012/01 verbreitet sich derzeit in Großbritannien rasch und hat auch eine Reihe von weiteren Ländern, darunter Deutschland erreicht. Sie gilt als deutlich ansteckender. Seit deutlich wurde, dass die Variante ungewöhnlich viele Mutationen im Spike-Protein besitzt, gegen das auch die Immunantwort der zugelassenen Covid-19-Impfstoffe gerichtet ist, gibt es die Befürchtung, dass die Impfstoffe gegen B.1.1.7 weniger gut wirken könnten als gegen bisher kursierende Varianten.

Dies scheint aber nicht der Fall zu sein, gab das Mainzer Unternehmen Biontech am Mittwoch bekannt.

Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten bereits vor Kurzem Daten einer In-vitro-Studie veröffentlicht, in der die Auswirkungen einer der Schlüsselmutationen (N501Y) der Variante im Spike-Protein untersucht wurde, die auch im Virusstamm aus Südafrika enthalten ist. Die Studie zeigte, dass auch Viren mit einer N501Y-Mutation wirksam durch Seren von mit Comirnaty (Tozinameran, BNT162b2) geimpften Personen neutralisiert wurden. Allerdings wurde in der auf dem Preprint-Server »BioRxiv« veröffentlichten Studie nur die Auswirkung einer Einzelmutation getestet, nicht die Kombination der insgesamt zehn Mutationen, die B.1.1.7 im Spike-Gen aufweist. 

Das hat ein Team um Alexander Muik von Biontech nun nachgeholt. Hierfür stellten die Forschenden ein Pseudovirus mit dem Spike-Protein des B.1.1.7-Stammes her. Dieses veränderte Vesikuläre Stomatitis-Virus (VSV) trägt das mutierte Spike-Protein auf seiner Oberfläche und weist dieselben Eigenschaften bezüglich Bindung und Eindringen in die Zelle auf wie das SARS-CoV-2-Virus selbst. Das Team verglich nun anhand von Seren von 16 geimpften Probanden aus der bereits veröffentlichten Phase-I/II-Studie in Deutschland, inwieweit diese das Pseudovirus mit dem Spike-Protein des B.1.1.7-Stammes beziehungsweise ein Pseudovirus mit dem nicht-mutierten Wuhan-Spike-Protein inhibierten. Die Seren zeigten gegen beide eine gleichwertige Neutralisationsrate, berichten die Forschenden in einer Preprint-Publikation in »BioRxiv«.

Auch wenn das verwendete Pseudovirus-System als Ersatz für das tatsächliche SARS-CoV-2 dient, hätten bisherige Studien eine herausragende Übereinstimmung zwischen einer Pseudotyp-Neutralisation und den SARS-CoV-2-Neutralisationstests gezeigt, heißt es in der Mitteilung von Biontech. Daraus lasse sich schließen, dass »eine Immunisierung mit BNT162b2 auch vor einer durch den B.1.1.7 hervorgerufenen Covid-19-Erkrankung schützen wird«. 

Es würden weitere Daten erhoben, um die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen neue Virusvarianten zu beobachten. Bislang wurde für Covid-19-Impfstoffe nicht festgelegt, ab welcher Verringerung der neutralisierenden Eigenschaften ein neuer Impfstoff entwickelt werden muss. mRNA-Impfstoffe ließen sich relativ schnell anpassen.

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