Pharmazeutische Zeitung online
Südafrikanische Mutante

Schutz vor B.1.351 schützt auch vor anderen Varianten

Wer eine Infektion mit der Coronavirus-Variante B.1.351 durchgemacht hat, scheint auch vor anderen Varianten geschützt zu sein, zeigt eine neue Studie. Zudem ist das Pandemievirus wohl doch nicht so wandelbar wie zwischenzeitlich vermutet.
Christina Hohmann-Jeddi
12.03.2021  16:30 Uhr

Von den als besorgniserregend eingestuften neuen Coronavirus-Varianten macht die im Dezember 2020 in Südafrika aufgetauchte Linie B.1.351 Fachleuten die meisten Sorgen. Denn die Variante kann offenbar in Teilen dem Immunsystem entkommen. Einige Zulassungsstudien für Impfstoffe zeigten zudem, dass der Immunschutz gegen die neue Variante reduziert war.

Um die Immunreaktion auf B.1.351 genauer zu untersuchen, analysierten Forschende um Thandeka Moyo-Gwete und Professor Dr. Penny Moore von der Universität Witwatersrand in Johannesburg, Südafrika, die Antikörperantwort von 89 Personen, die Anfang 2021 aufgrund einer Coronavirus-Infektion hospitalisiert worden waren. Zu diesem Zeitpunkt war laut Angaben des Teams die B.1.351-Variante schon der dominierende Stamm, der für 90 Prozent der Infektionen verantwortlich war.

Die Ergebnisse publizierte das Team nun in einer Preprint-Publikation auf dem Server »BioRxiv«. Demnach fielen die Antikörpertiter in etwa gleich aus wie bei Infektionen mit anderen SARS-CoV-2-Varianten. Die Titer der bindenden und neutralisierenden Antikörper waren robust. Die Seren der Genesenen testete das Team auch auf ihre Wirksamkeit gegen Pseudoviren mit Spike-Proteinen von verschiedenen SARS-CoV-2-Varianten auf der Oberfläche. Dabei zeigten die Antikörper der B.1.351-Genesenen »ein hohes Maß an Kreuzreaktivität«: Sie erkannten Pseudoviren mit dem Spike-Protein des in der ersten Infektionswelle dominierenden Stamms, mit dem von B.1.351 und mit dem von der brasilianischen Variante P.1.

Bei vorherigen Untersuchungen sei eine solche Kreuzreaktivität bei Personen, die mit der sogenannten englischen Variante B.1.1.7 infiziert gewesen waren, nicht aufgefallen, berichten Moore und ihr Team. Es könnte sein, dass die Kreuzreaktivität spezifisch für Varianten sei, die eine ähnliche Struktur und Sequenz wie B.1.351 hätten. Wo genau die kreuzreaktiven neutralisierenden Antikörper das Spike-Protein binden, müsse noch genauer untersucht werden.

Dies seien wichtige Erkenntnisse für die Impfstoffentwicklung, schreiben die Forschenden: »Unsere Daten weisen darauf hin, dass Impfstoffe, die auf dem Spike-Protein von B.1.351 basieren, vielversprechende Kandidaten sind, um die Bildung von kreuzreaktiven neutralisierenden Antikörpern zu bewirken.« Die Publikation ist noch nicht von Experten begutachtet und die Studien sollten noch von anderen Arbeitsgruppen bestätigt werden.

Seite12>

Mehr von Avoxa