| Juliane Brüggen |
| 14.08.2026 18:00 Uhr |
Von den transmukosalen Arzneiformen zu unterscheiden sind die peroralen festen Arzneiformen zur schnellen Freisetzung. »Sie sind dazu bestimmt, im Mund zu zerfallen und dann in der Regel ohne weitere Flüssigkeitsaufnahme geschluckt zu werden«, so Reichl. Im Fokus steht die kurze Zerfallszeit.
Man unterscheidet drei Arzneiformen:
Der Wirkstoff werde in der Regel laut Reichl im Gastrointestinaltrakt resorbiert, also nicht transmukosal aufgenommen. Schmelzfilme dürften daher nicht mit Sublingualfilmen verwechselt werden. Und: »In der Regel haben wir keinen schnelleren Wirkeintritt als bei normal schnellfreisetzenden Tabletten, manchmal ist er sogar noch langsamer.« Grund hierfür sei die Einnahme ohne Wasser.
Die schnell zerfallenden Arzneiformen eignen sich zum Beispiel bei Erkrankungen, die mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen, oder wenn das Schlucken von Tabletten nicht möglich ist, zum Beispiel bei Kindern oder Erkrankungen, die mit Schluckbeschwerden einhergehen. Als Beispiel für eine neuere Entwicklung nannte Reichl Enalapril-Schmelztabletten (Aqumeldi®), die zur Behandlung von Herzinsuffizienz bei Kindern ab der Geburt bis zu einem Alter von unter 18 Jahren zugelassen sind. Die sehr kleinen Schmelztabletten (Ø 2 mm) werden auf die Zunge oder in die Wangentasche gelegt und lösen sich dort auf. Wenn die Anfangsdosis weniger als 0,25 mg beträgt, besteht zudem die Möglichkeit, die Tablette à 0,25 mg in einer 10-ml-Applikationsspritze aufzulösen und das der Dosis entsprechende Volumen zu verabreichen.
Ein altbekannter Wirkstoff in neuer Darreichungsform ist Omeprazol in Oppi® 2 mg/ml Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen, unter anderem eingesetzt zur symptomatischen Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit bei Kindern, die älter als 1 Monat sind. Die Herausforderung: Omeprazol wird üblicherweise magensaftresistent »verpackt«, um das saure Milieu des Magens zu passieren. Im Fall der Suspension sei dieses Problem durch einen hohen Anteil an Hydrogencarbonat gelöst worden, erklärte Reichl.
Wichtig ist die richtige Anwendung: Die hergestellte Suspension muss mindestens 30 Minuten vor der Mahlzeit auf nüchternen Magen gegeben werden. Bei Kleinkindern kann die Zugabe einer kleinen Menge Milch (maximal 10 bis 15 ml) die Einnahme erleichtern. Ein potenzieller Fallstrick sei die komplexe Rekonstitution der Suspension, warnte Reichl: Die Herstellung sollte das pharmazeutische Personal in der Apotheke übernehmen.