| Juliane Brüggen |
| 14.08.2026 18:00 Uhr |
Kinder versuchen, ihren eigenen Kopf bei der Applikation durchzusetzen? Manche innovative Arzneiformen machen einen Unterschied. / © Getty Images/Jose Luis Pelaez Inc
Neue Entwicklungen gebe es bei den Arzneiformen zur transmukosalen Resorption, berichtete Professor Dr. Stephan Reichl, Professor für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie an der Technischen Universität Braunschweig. Diese werden nasal, bukkal oder sublingual appliziert. Über die Schleimhaut könne man – dank guter Durchblutung und geringer Resorptionsbarriere – eine schnelle Aufnahme erreichen, selbst bei größeren Molekülen, fasste er die Vorteile zusammen. Ein »netter Nebeneffekt«: Der First-Pass-Effekt wird komplett oder größtenteils umgangen. Es gibt aber auch Nachteile: So ist die Arzneiform nicht für alle Wirkstoffe geeignet und die Anwendung erklärungsbedürftig.
Eine Neuheit in diesem Bereich ist das seit Mai 2025 verfügbare nasale Epinephrin (Eurneffy®), das zur Notfallbehandlung bei Anaphylaxien eingesetzt wird. In der 2-mg-Dosis ist das Adrenalin-Nasenspray bereits erhältlich und zugelassen bei Erwachsenen und Kindern ab einem Körpergewicht von 30 Kilogramm. Im April 2026 folgte eine Zulassung von Eurneffy® 1 mg für Kinder ab vier Jahren mit einem Gewicht zwischen 15 und 30 kg.
Das Nasenspray bietet eine Alternative zu den bewährten Autoinjektoren, die intramuskulär appliziert werden. Wichtig für die Beratung: Der Applikator enthält eine Dosis und gibt diese bei der ersten Aktivierung ab. »Man darf nicht vorpumpen wie bei klassischen Nasensprays«, so Reichl. Patienten sollten immer zwei Nasensprays mit sich führen, falls eines nicht funktioniert oder eine zweite Dosis erforderlich ist. Letztere werde immer in dasselbe Nasenloch gegeben, ergänzte der Experte.
Als innovativ bezeichnete Reichl auch das erste Glucagon-Präparat in Form eines Nasensprays (Baqsimi®). Seit 2020 auf dem Markt, ist es eine Alternative zur parenteralen Gabe. Im Gegensatz zur nasalen Epinephrin-Lösung handelt es sich um ein Nasenpulver – »aus Stabilitätsgründen«. Eingesetzt wird das Polypeptidhormon zur Behandlung schwerer Hypoglykämien bei Erwachsenen und Kindern ab einem Jahr mit Diabetes mellitus. Auch hierbei handelt es sich um ein Einzeldosisbehältnis – das heißt: kein Testen vor der ersten Anwendung. Reichl betonte, dass der Kolben bei Applikation komplett durchgedrückt werden muss: »Die Dosis wurde vollständig verabreicht, wenn der grüne Streifen nicht mehr sichtbar ist.«