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Herzinsuffizienz
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Bessere Herzfunktion, weniger Klinikaufenthalte dank Polypille

Eine tägliche Polypille könnte die leitliniengerechte Therapie bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion vereinfachen. In der randomisierten POLY-HF-Studie verbesserte sie die Herzfunktion; zugleich traten weniger herzinsuffizienzbedingte Hospitalisierungen und Notaufnahmebesuche auf.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 14.08.2026  16:20 Uhr

Die medikamentöse Behandlung einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) stützt sich auf vier Wirkstoffklassen: Betablocker, Hemmer des Renin-Angiotensin-Systems beziehungsweise Sacubitril/Valsartan, Mineralocorticoid-Rezeptor-Antagonisten und SGLT-2-Hemmer. Diese Vierfachkombination kann die Mortalität deutlich senken. In der Praxis erhalten jedoch längst nicht alle Patienten alle vier Wirkstoffklassen oder erreichen die empfohlenen Dosierungen. Gründe sind unter anderem komplexe Einnahmepläne, die hohe Tablettenlast und eine unzureichende Adhärenz.

Ob eine Polypille diese Hürden überwinden kann, untersuchte die offene, randomisierte POLY-HF-Studie, deren Ergebnisse in »Nature Medicine« veröffentlicht sind. Zwischen November 2021 und Oktober 2025 wurden 212 Erwachsene mit symptomatischer HFrEF und einer linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) von höchstens 40 Prozent aufgenommen. Die mediane LVEF lag zu Studienbeginn bei 26 Prozent.

Die Probanden erhielten im Verhältnis 1:1 entweder eine einmal täglich einzunehmende Polypille oder eine intensivierte Standardversorgung mit rascher Aufdosierung der einzelnen Arzneimittel. Die Polypille enthielt Empagliflozin 10 mg, Spironolacton 12,5 mg und Metoprololsuccinat in individuell angepassten Dosierungen zwischen 25 und 150 mg. Ein Hemmer des Renin-Angiotensin-Systems wurde nicht in die Polypille aufgenommen, um den bevorzugten Einsatz von Sacubitril/Valsartan zu ermöglichen, das zweimal täglich eingenommen werden muss und sich nicht für die Einbindung in eine einmal täglich einzunehmende Formulierung eignet, heißt es in der Originalpublikation zur Begründung.

Primärer Endpunkt war die nach sechs Monaten mittels kardialer Magnetresonanztomografie bestimmte LVEF. Von 187 Teilnehmenden lagen auswertbare MRT-Daten zu Studienbeginn und nach sechs Monaten vor. Unter der Polypille erreichte die LVEF im Mittel 40,4 Prozent, unter der intensivierten Standardbehandlung 37,1 Prozent. Die adjustierte Differenz von 3,3 Prozentpunkten war statistisch signifikant.

Auch Lebensqualität verbessert

Auch bei klinischen Endpunkten zeigte sich ein Vorteil: Die Rate herzinsuffizienzbedingter Hospitalisierungen oder Notaufnahmebesuche lag bei 37,0 gegenüber 85,8 Ereignissen pro 100 Personenjahre. Die Patienten im Polypill-Arm schnitten mit 71,8 versus 63,3 Punkten auch im Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire-Overall Summary Score (KCCQ-OSS) besser ab. Dieser misst, wie stark die Erkrankung den Alltag und das Wohlbefinden der Betroffenen beeinflusst. Beim NT-proBNP, einem wichtigen Labormarker für Herzinsuffizienz, und beim Sechs-Minuten-Gehtest bestanden allerdings keine signifikanten Unterschiede.

Die erzielten positiven Effekte lassen sich wahrscheinlich auch mit einer besseren Therapietreue erklären. Im therapeutischen Drug Monitoring waren Metoprolol und Spironolacton bei 79 Prozent der Polypillen-Gruppe, aber nur bei 54 Prozent der Kontrollgruppe nachweisbar. Zudem erhielten nach sechs Monaten 97 versus 78 Prozent alle vier Wirkstoffklassen; eine als optimal definierte Therapie erreichten 71 versus 42 Prozent.

Die Studienautoren verweisen als Einschränkungen auf das offene Studiendesign, die kurze Nachbeobachtung sowie den hohen Anteil jüngerer Männer. Größere multizentrische Studien müssten deshalb klären, ob der Nutzen langfristig anhält und auf breitere Patientengruppen übertragbar ist.

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