Pharmazeutische Zeitung online
Wunden und Reizhusten

Honig als Therapeutikum

21.12.2016
Datenschutz bei der PZ

Von Manuel Plomer / Schon seit Jahrtausenden wird Honig nicht nur zum Verzehr, sondern auch zur Behandlung unterschiedlicher Erkrankungen verwendet. Im europäischen Raum sind vor allem die Wundbehandlung sowie die Therapie von Erkältungshusten mit Honig weitverbreitet.

Honigbienen produzieren aus Blütennektar Honig zur eignen Versorgung –als Reserve für Zeiten der Nahrungsknappheit. Er enthält ungefähr 200 unterschiedliche Inhaltsstoffe. Die Hauptbestandteile sind Monosaccharide (Fructose 30 bis 45 Prozent, Glucose 24 bis 40 Prozent), Wasser (etwa 17 Prozent) sowie geringe Mengen an Di-, Tri- und Polysacchariden. Honig enthält einen kleinen, aber wichtigen Anteil an Vitaminen und Mineralstoffen, Aminosäuren, Proteinen sowie Polyphenolen und organischen Säuren. Der Gehalt dieser Inhaltsstoffe kann zwischen einzelnen Honigsorten stark variieren.

Charakteristisch für Honig ist die hochviskose Konsistenz, weshalb Honig pharmazeutisch auch zu den Demulzenzien zählt. Diese Klasse an Wirkstoffen wird vor allem aufgrund ihrer physikochemischen Effekte (lange Verweildauer auf Schleimhäuten) zur Benetzung empfindlicher, gereizter Stellen im Hals und Rachen verwendet. Insbesondere beim Post­nasal-Drip-Syndrom, einer Überproduktion von Schleim auf der Nasenschleimhaut oder in den Nasennebenhöhlen, werden Demulzenzien angewendet, um Husten durch den chronischen Reiz auf die Rachenschleimhaut zu reduzieren.

 

Die antimikrobielle Wirkung von Honig wurde 1892 erstmals beschrieben. Zum einen ist sie physikalisch bedingt, da der hohe Zuckergehalt osmotischen Stress auf Mikroorganismen ausübt, zum anderen enthält Honig eine Glucose-Oxidase, die kontinuierlich Wasserstoffperoxid synthetisiert. In bestimmten Honigsorten wurden auch antimikrobiell wirksame Peptide wie Bee Defensin-1 identifiziert. Manche Honige enthalten zudem antibakterielle aromatische Säuren und Flavonoide (Gallus-, Kaffee-, Ferul-, Benzoe- und Zimtsäure, Kämpferol) oder das anti­mikrobiell wirksame Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal.

 

Topisch appliziert wirkt Honig Studien zufolge entzündungshemmend, zum Beispiel bei Brandwunden und entzündeten Mundschleimhäuten aufgrund einer Strahlentherapie. Auch in Modellsystemen für Darmentzündungen in der Ratte wurde ein antiinflammatorischer Effekt nachgewiesen. In verschiedenen präklinischen Untersuchungen wurden antimutagene und antitumorgene Eigenschaften und positive Effekte auf den Gastrointestinaltrakt beschrieben.

 

Honig zur Wundheilung

 

Honig wird bereits seit der Antike zur Behandlung von Wunden eingesetzt. Dabei sollte in der modernen Medizin nicht irgendein Honig, sondern ausschließlich medizinischer Honig angewendet werden. Entsprechende Fertigpräparate wurden 2005 zur Behandlung von Wunden europaweit als Medizinprodukte zugelassen. Die Datenlage zu den Effekten der Honiganwendung auf Wunden ganz unterschiedlicher Ätiologie fasst ein Cochrane-Review von Professor Dr. Andrew B. Jull und Kollegen aus dem Jahre 2015 zusammen (DOI: 10.1002/14651858.CD005083.pub4). Insgesamt wurden 26 Studien mit 3011 Studienteilnehmern in diese Bewertung eingeschlossen. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass es schwierig sei, die Wirkung von Honig als topische Behandlung für Wunden generell abschließend zu bewerten, da die eingeschlossenen Studien eine starke Heterogenität der Patientengruppen und Komparatoren aufweisen und häufig eine Verblindung und adäquate Kon­trollen fehlen.

 

Dennoch weisen die Daten darauf hin, dass die Honigbehandlung zu einer schnelleren Heilung von Brandwunden zweiter Ordnung führt als konventionelle Verbände oder die Behandlung mit Silbersulfadiazin, heißt es in dem Review. Erste Belege gibt es auch für eine schnellere Heilung infizierter, post-operativer Wunden im Vergleich zu Antiseptika- und Gazebehandlung. In der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung von 2012 wird von der Honiganwendung zur Lokaltherapie chronischer Wunden abgeraten. Die Autoren weisen darauf hin, dass zu diesem Zeitpunkt die vorliegenden Studien für medizinischen Honig keine Überlegenheit gegenüber Hydrogel nachweisen konnten, aber Hinweise auf mehr Schmerzen vorliegen.

 

Honig bei Reizhusten

 

Auch bei Husten wird Honig traditionell angewendet. Die Hauptwirkung von Honig bei der Reizhustenbehandlung ist voraussichtlich auf dessen hochviskose Struktur und den damit verbundenen Eigenschaften als Demulzenzium zurückzuführen. Klinische Belege für die Wirkung von Honig auf Erkältungshusten wurden vor allem bei Kindern erhoben.

 

In einer Untersuchung mit 300 Kindern im Alter von ein bis fünf Jahren wurden die drei unterschiedlichen Honigarten Eukalyptus-, Zitrus- und Blütenhonig gegen nächtliches Husten mit Dattelsirup als Placebo verglichen (»Pediatrics« 2012, DOI: 10.1542/peds.2011-3075). Die Kinder erhielten einmalig 10 g Honig beziehungsweise Dattelsirup vor dem Zubettgehen. Am nächsten Morgen wurden die Eltern unter anderem nach Hustenfrequenz und -intensität sowie zur Schlafqualität befragt. Alle Honigarten sowie das Placebo verbesserten die Symptomatik im Vergleich zur vorherigen Nacht ohne Behandlung deutlich. Die unterschiedlichen Honigarten wirkten gleich stark und signifikant besser als Placebo.

 

In einen Cochrane-Review aus dem Jahre 2014 flossen zwei weitere randomisierte klinische Studiem mit ein. Die Autoren um Olabisi Oduwole von der Universität Calabar in Nigeria kommen zu der Schlussfolgerung, dass eine Hustenbehandlung mit Honig wahrscheinlich besser ist als keine Behandlung oder eine Behandlung mit Diphenhy­dramin bei der Senkung der Hustenfrequenz und -intensität sowie bei der Verbesserung der Schlafqualität von Eltern und Kindern. Bezüglich einer möglichen Verkürzung der Erkrankungsdauer könne keine Aussage getroffen werden (DOI: 10.1002/14651858.CD007094.pub4). Beim Einsatz von Honig ist allerdings zu beachten, dass dieser bei Kindern unter einem Jahr wegen der Gefahr eines kindlichem Botulismus kontraindiziert ist. In Honig können nämlich geringe Mengen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten sein, das für Säuglinge gefährlich ist. Da viele Inhaltsstoffe des Honigs anfällig gegenüber Umwelteinflüssen sind, ist eine lichtgeschützte Lagerung bei Raumtemperatur einzuhalten. Aus pharmazeutischen Gesichtspunkten sollte bei der medizinischen Anwendung von Honig stets darauf geachtet werden, dass dieser Arzneibuchqualität aufweist (zum Beispiel Kontrolle des Hydroxymethylfurfural-Gehaltes, Keimfreiheit bei Honig zur Wundbehandlung). /

 

Literatur beim Autor

Autor

Dr. Manuel Plomer

Boehringer Ingelheim

Medical & Regulatory Affairs

manuel.plomer@boehringer- ingelheim.com

Mehr von Avoxa