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Feuchte AMD

Aflibercept als Köderrezeptor

18.12.2012
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Von Sven Siebenand, Frankfurt am Main / Rund 90 Prozent des Sehvermögens sind in der Makula angelegt. Ist der gelbe Fleck beschädigt, kommt es zu Sehbehinderungen oder Erblindung. Die häufigste Form der Störung ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Zu den seit einigen Jahren verfügbaren VEGF-Hemmern kommt mit Aflibercept eine weitere Therapieoption hinzu.

Die AMD ist trotz Behandlungsfortschritten in den vergangenen Jahren noch immer die häufigste Ursache für Erblindung und schwere Sehbehinderung bei Senioren in westlichen Industrieländern. Darauf wies Professor Dr. Michael Ulbig vom Universitätsklinikum München auf der von Bayer ausgerichteten Einführungspressekonferenz von Aflibercept (Eylea®) hin. Der Mediziner präsentierte die Ergebnisse mehrerer epidemiologischer Studien, wonach das Risiko für AMD zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr steil ansteigt. Als weitere Risikofaktoren nannte der Augenarzt die genetische Ausstattung, Rauchen und eine ungesunde Ernährung. Typisch bei Betroffenen ist, dass sie gerade Linien wegen der Makulaschwellung verzerrt sehen. Auch ein dunkler Fleck im Zentrum des Blickfeldes ist möglich. Mit Fortschreiten der Erkrankung werden Tätigkeiten wie Lesen, Schreiben oder Autofahren zum Problem beziehungsweise unmöglich. Die Lebensqualität der Betroffenen ist deutlich eingeschränkt. Stürze, Depressionen und Demenzentwicklungen tragen insgesamt zu einer um den Faktor 3 bis 5 erhöhten Mortalität bei, hieß es auf der Veranstaltung.

 

Trocken oder feucht

 

Die Erkrankung AMD lässt sich in zwei Formen unterteilen: die trockene und die feuchte Variante. Beide führen zu schlechter Sicht im Alter. Ulbig informierte, dass man bei der meist langsamer voranschreitenden trockenen AMD therapeutisch bisher nicht vorangekommen ist. Anders bei der feuchten Form: Nachdem mit Laserverfahren, der photodynamischen Therapie oder anderen operativen Eingriffen keine Visusverbesserung erzielt werden konnte, sei mit intravitrealen Injektionen ein wesentlicher Schritt vorwärts gelungen. Die intravitreale Anti-VEGF-Injektion habe die Behandlung der feuchten AMD seit 2005 sehr stark verbessert und erstmals zu Visusverbesserungen geführt. Denn der vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor VEGF ist maßgeblich an der Pathogenese der feuchten AMD beteiligt.

Pegaptanib (Macugen®), Ranibizumab (Lucentis®) und der Off-label-Use von Bevacizumab (Avastin®) sind bisher gängige Anti-VEGF-Medikamente bei diesem Krankheitsbild. Mit Aflibercept ist nun ein weiterer Wirkstoff mit längerer Wirkdauer verfügbar. Das rekombinante Fusionsprotein wirkt als löslicher Köderrezeptor, der den Wachstumsfaktor VEGF-A und den Plazenta-Wachstumsfaktor PIGF mit höherer Affinität als deren natürliche Rezeptoren bindet und so deren Aktivierung hemmt.

 

Weniger Spritzen, vergleichbare Wirkung

 

Wirksamkeit und Sicherheit von Aflibercept wurden in zwei Phase-III-Studien mit insgesamt mehr als 2400 Patienten untersucht und mit Ranibizumab verglichen, so Professor Dr. Frank G. Holz vom Universitätsklinikum Bonn. Dabei zeigte Aflibercept in zweimonatigen Injektionsintervallen eine gute, mit Ranibizumab (als monatliche Injektion) vergleichbare Wirksamkeit und Verträglichkeit.

 

Wie Holz informierte, wird Aflibercept in weiteren Anwendungsgebieten geprüft. So laufen derzeit Studien zur Behandlung des diabetischen Makula­ödems und der durch starke Kurzsichtigkeit bedingten choroidalen Neovaskularisation. Einen Zulassungsantrag zur Behandlung des Makula­ödems infolge eines zentralen retinalen Venenverschlusses hat Bayer bereits bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA eingereicht. Die VEGF-Falle Aflibercept könnte, in anderer Darreichungsform versteht sich, demnächst auch bei Kolonkarzinomen zum Einsatz kommen. Sanofi-Aventis erwartet in Kürze die europäische Marktzulassung. /

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