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Altersbedingte Makuladegeneration

Weniger Injektionen mit Brolucizumab

Mit Brolucizumab (Beovu®) ist seit März ein weiterer Angiogenese-Hemmer zur Behandlung erwachsener Patienten mit feuchter altersbedingter Makuladegeneration (AMD) auf dem Markt. In einer Studie zeigte er sich dem etablierten Aflibercept ebenbürtig, kann aber laut Hersteller Novartis bei geeigneten Patienten weniger häufig ins Auge appliziert werden.
Kerstin A. Gräfe
01.04.2020
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Bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) unterscheidet man zwischen der trockenen und der feuchten Form. Bei Letzterer wachsen Blutgefäße in die sensible Zone der Makula hinein, sodass es zu irreversiblen Zellschäden innerhalb dieses Netzhautareals kommt. Dadurch kann es innerhalb von wenigen Monaten zu schwerster Sehbehinderung kommen.

Die derzeitigen Behandlungsoptionen zielen darauf ab, das Gefäßwachstum zu hemmen und einen Rückgang der Netzhautschwellung zu bewirken. Zum Einsatz kommen das Fusionsprotein Aflibercept (Eylea®) von Regeneron/Bayer, der monoklonale Antikörper Ranibizumab (Lucentis®) von Novartis sowie off Label Bevacizumab (Avastin®) von Roche. Alle drei Arzneistoffe wirken als Angiogenese-Hemmer, indem sie den Wachstumsfaktor VEGF oder eine seiner Unterformen abfangen.

Mit Brolucizumab (Beovu® Injektionslösung/Injektionslösung in einer Fertigspritze, Novartis) kam nun ein weiterer Angiogenese-Hemmer zur Behandlung erwachsener Patienten mit feuchter AMD auf den Markt. Wie Ranibizumab hemmt der neue Wirkstoff mit hoher Affinität den VEGF-A. In der Folge wird die Endothelzell-Proliferation unterdrückt, was zu einer Verringerung der pathologischen Gefäßneubildung und Verminderung der vaskulären Permeabilität führt.

Von Vorteil ist, dass Brolucizumab mit einem Molekulargewicht von 26 kDa recht klein ist. Laut Novartis kann das humanisierte, einkettige Antikörperfragment dadurch leichter und schneller als andere VEGF-Hemmer die verschiedenen Netzhautschichten durchdringen. Zudem soll es aufgrund seines geringen Molekulargewichts hauptsächlich lokal im Auge wirken und weniger systemische Nebenwirkungen haben. Der Hersteller begründet dies mit einem schnelleren Abbau des kleinen Antikörperfragments.

Injektionsfrequenz je nach Krankheitsaktivität

Wie die anderen Biologika zur AMD-Behandlung wird auch Brolucizumab in den Glaskörper des Auges injiziert. Die empfohlene Dosis in den ersten drei Monaten beträgt 6 mg Brolucizumab (0,05 ml Lösung) alle vier Wochen. Abhängig von der Krankheitsaktivität, die vier Monate nach Therapiestart beurteilt werden sollte, können die nachfolgenden Behandlungsintervalle individuell festlegt werden. Bei Patienten ohne Krankheitsaktivität sollte dann eine Behandlung alle zwölf Wochen in Betracht gezogen werden. Ist eine Krankheitsaktivität vorhanden, wird die Gabe alle acht Wochen empfohlen. Wenn die visuellen und morphologischen Parameter darauf hindeuten, dass der Patient von einer weiteren Behandlung nicht profitiert, sollte sie unterbrochen werden.

Bei Patienten mit einer bestehenden Augeninfektion oder einem Verdacht darauf darf Brolucizumab nicht zum Einsatz kommen. Gleiches gilt für Patienten mit einer bestehenden intraokularen Entzündung.

Bedingt durch die Art der Applikation können Reaktionen wie intraokulare Entzündung, traumatischer Katarakt und Netzhautablösung auftreten. Zudem wurde unter der Anwendung von Beovu über Verschlüsse der Netzhautarterien berichtet. Die Patienten sollten angewiesen werden, alle diesbezüglichen Symptome unverzüglich zu melden.

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