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Lungenkarzinom

Erhaltungstherapie mit Pemetrexed

20.12.2011
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Von Elke Wolf, Bad Homburg / Pemetrexed gilt als relativ gut verträgliches Zytostatikum. Kürzlich bekam es die Zulassungserweiterung zur Erstlinien-Erhaltungstherapie bei Lungenkrebs-Patienten mit nicht-plattenepithelialem NSCLC.

Patienten mit einem fortgeschrittenen oder metastasierten NSCLC, mit Ausnahme des Plattenepithelkarzinoms (siehe Kasten), die bereits eine Erstlinientherapie mit Pemetrexed/Cisplatin bekommen und darauf gut angesprochen haben, können nun ohne zeitlichen Verzug mit Pemetrexed (Alimta®) als Erhaltungstherapie weitertherapiert werden. »Ein Wechsel auf eine andere Substanz und Therapiepausen entfallen somit. Die Therapie wird kontinuierlich mit einer zuvor wirksamen Substanz fortgesetzt. Das ermöglicht eine langfristige Tumorkontrolle«, sagte Privatdozent Dr. Martin Reck, Krankenhaus Großhansdorf, auf einer Pressekonferenz der Lilly Deutschland GmbH. Zudem sorge eine Erhaltungstherapie mit einem Präparat, das der Patient bereits kennt, für ruhigere Abläufe.

Die Zulassungserweiterung basiert auf Daten der sogenannten PARAMOUNT-Studie. Danach kann Pemetrexed in Monotherapie bei Patienten, die in der Induktionstherapie Pemetrexed/Cisplatin erhalten haben und deren Krankheitsverlauf stabil war beziehungsweise bei denen der Tumor angesprochen hat, die Tumorkontrolle verbessern und eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens erreichen.

 

In der Studie erhielten 939 Probanden zunächst eine Erstlinien-Therapie bestehend aus vier Zyklen Pemetrexed/Cisplatin. Patienten mit kompletter oder partieller Tumorrückbildung oder Krankheitsstabilisierung wurden im Verhältnis 2:1 randomisiert und anschließend mit Pemetrexed in gleicher Dosierung oder Placebo weiterbehandelt. Primärer Studienendpunkt war das progressionsfreie Überleben ab Beginn der Erhaltungstherapie. In der Verumgruppe dauerte es 4,1 Monate bis zur nächsten Progression, in der Placebogruppe 2,8 Monate. Der Unterschied war signifikant. Die mit Pemetrexed behandelten Patienten hatten im Beobachtungszeitraum ein um 38 Prozent vermindertes Progressionsrisiko. Die Rate an schweren unerwünschten Nebenwirkungen lag im Verum-Arm bei 8,9 Prozent und im Placebo-Arm bei 2,8 Prozent. 5,3 Prozent brachen die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen ab.

Bronchialkarzinom

Nicht-kleinzellige Lungenkarzinome (Non Small Cell Lung Cancer, NSCLC) sind die häufigsten bösartigen Tumoren der Lunge; etwa 70 bis 80 Prozent aller Lungentumoren sind ihnen zuzuordnen. Abhängig vom histologischen Befund wird das NSCLC in drei Typen unterteilt: das in der Peripherie beginnende Adenokarzinom (30 bis 50 Prozent), das meist von einem großen Bronchus ausgehende Plattenepithelkarzinom (rund 30 Prozent) und das großzellige Karzinom. Die restlichen 10 Prozent machen verschiedene seltene histologische Mischformen aus.

»Unter dem Strich ist Pemetrexed ein gut verträgliches Zytostatikum«, sagte Reck. Alle Patienten werden palliativ versorgt und erhalten zusätzlich Vitamin B12, Folsäure und Dexamethason. »Das bedingt ein besseres Toxizitätsprofil.« Auch die Gabe von Dexamethason zwei Tage vor Beginn der Therapie verbessert die Verträglichkeit. Im Vergleich zu herkömmlichen Zytostatika wie Docetaxel oder Gemcitabin/Cisplatin komme es zu signifikant weniger Neutropenien und febrilen Neutropenien, auch Haarasufall ist kaum zu beobachten. »Das relativ geringe Nebenwirkungspotenzial ermöglicht es, dass die Erhaltungstherapie mit Pemetrexed auch ambulant in Schwerpunktpraxen vorgenommen werden kann.«

 

Pemetrexed ist ein Multi-Target-Inhibitor, der Schlüsselenzyme der DANN- und RNA-Nukleotidsynthese in den Tumorzellen blockiert. Bislang war Pemetrexed für die Erstlinien-Therapie des Nicht-Plattenepithelkarzinoms des NSCLC zugelassen. Zudem hat es als einzige Substanz die Zulassung für die Behandlung des malignen Pleuramesothelioms, des sogenannten Asbesttumors, inne. /

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