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Vier plus

21.12.2010
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Am Ende eines Schuljahres bekommen die Schüler Noten. Wenn das Jahr 2010 aus Sicht der Apotheker eine Note bekäme, dann wäre es vielleicht eine Vier plus. Noch zu gut, finden Sie? Immerhin hat 2010 einige positive Entwicklungen gebracht. Zum Jahresbeginn wurde der Apothekenabschlag für 2009 auf 1,75 Euro gesenkt. Sicher, das war kein Geschenk, sondern das Ergebnis einer sachlichen Berechnung. Dennoch hat es die Apotheken finanziell entlastet.

 

Erfreulich war auch, dass der Bundesgerichtshof Boni bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln generell als einen Verstoß gegen die Preisverordnung wertet. Bei den Gerichten ist angekommen, dass Apotheken keine Kaufläden und Arzneimittel keine Konsumgüter sind. Auf der Habenseite kann 2010 auch verbuchen, dass die Zusammenarbeit mit den Ärzten einen klaren Rahmen bekommen hat. Das gemeinsame Papier von ABDA und KBV stammt zwar aus dem Jahr 2009, richtig publik wurde es erst in diesem Jahr.

 

Erheblichen Anteil an der mäßigen Note für 2010 hat das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG). Allein hätte es die Note ungenügend verdient. Es belastet die Apotheken erheblich. Wie sich bereits abzeichnet, auch deutlich stärker als von der Regierung den Apothekern zugedacht. Das AMNOG behandelt den Apotheker als Teil der Distributionskette. Eine Denke aus längst vergangenen Tagen. Viele Apotheker hätten nicht erwartet, dass sie bei einer bürgerliche Regierung wieder auflebt.

 

Zur schlechten Jahresbilanz haben auch die Apotheker selbst beigetragen, zumindest diejenigen, die der Meinung sind, sie müssten den Eintritt von Handelskonzernen in den Arzneimittelmarkt mit deren Mitteln bekämpfen. Pick-up-Stellen in Apotheken sind sicher keine gute Idee. Zum einen, weil sie die Arzneimittelversorgung auf ihren Preis reduzieren, zum anderen, weil es falsch ist, Konzerne dort anzugreifen, wo sie am stärksten sind. Überzeugen können die Apotheker viel besser mit ihren Stärken – mit ihrem pharmazeutischen Wissen, ihrer hohen sozialen Kompetenz und den einzigartigen Serviceangeboten wie Nacht- und Notdienst oder Lieferservice.

 

Bestenfalls gemischt fällt also die Bilanz für 2010 aus. Und 2011 wird sicher auch nicht leicht. Deshalb jetzt in Depressionen zu verfallen, wäre aber fatal. Auch die vergangenen Jahre waren nicht alle leicht. Am Ende bestimmen eben nicht nur externe Faktoren den beruflichen Erfolg und die persönliche Zufriedenheit. Mindestens ebenso wichtig ist, was jeder Einzelne aus seinen individuellen Chancen macht. Die Apotheker können das. Ansonsten wäre die Zahl der Apotheken längst stärker rückläufig. Es lohnt, optimistisch auf 2011 zu schauen. Die Patienten haben trotz AMNOG eine gute Arzneimittelversorgung verdient.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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